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Schwandorfer Gedichte über das Virus

Die „Sonntagsdichter“ dürfen sich gerade nicht treffen. Doch ihr Hobby pausiert nicht, wie ein 91-Jähriger zeigt.

Alfons Treu (dritter von links) ist der älteste „Sonntagsdichter“.Archivfoto: Rudi Hirsch
Alfons Treu (dritter von links) ist der älteste „Sonntagsdichter“.Archivfoto: Rudi Hirsch

Schwandorf.Seit 1996 eint die Liebe zum Schreiben und Dichten eine Gruppe Schwandorfer. Üblicherweise treffen sie sich jeden dritten Sonntag im Monat im Pfarrzentrum „Kreuzberg“ in Schwandorf. Diese lieb gewonnene Tradition pausiert gerade – nicht aber das eigentliche Hobby. Ingeborg Baier, die Leiterin des Literaturkreises „Die Sonntagsdichter“, hat uns deshalb aktuelle Werke der Mitglieder weitergeleitet. Stellvertretend veröffentlicht die Mittelbayerische ein Gedicht des ältesten Mitglieds Alfons Treu. Die Zeilen des 91-jährigen Ettmannsdorfers sind überschrieben mit dem Titel „Die Corona-Krise“. Zu Papier gebracht hat sie Treu noch vor Beginn der umfangreichen Lockerungen.

„Corona-Virus herrscht im Land.
Gar mancher stirbt, viele sind krank.
Dahoam bleibn hoißt de Schnaps-Devise.
Des trifft an Max und die Elise.


Sie schlouffa und sie lesn eifrig,
sie san no jung, so um de Dreißig.
Sie schluckn Speis und Trank in Fülle,
und lebn noch – s’ist Gottes Wille.


Und wenn sie aus dem Fenster schauen,
da sehn sie weder Männer, Frauen.
Nur gähnend Leere ringsherum,
das macht sie traurig, macht sie stumm.


Du kannst nicht mehr zum Fußball kicken,
lass dich nicht auf der Straße blicken.
Theater, Essen, Urlaub macha,
is alls verboten, s’is zum Lacha.


Spazierengeh’ is aa unterbunden,
beim Eiscafé san koane Kunden.
Fürs Tanzn gits aaf jedn Fall,
a Veto für den Abschlussball.


Ins Café setzn is passé.
Und is a Freindin in der Näh’,
dann hoißt des keinen Charm entfaltn,
und einen Mindestabstand haltn.


Und selbst in d’Kircha derf ma nimmer,
ma kannt se o’stecka – weit schlimmer!
Koana sich mehr in d’Kircha traut,
da Virus hot se dort aufbaut.


Und des soll a poar Monat’ dauern.
Derweil solln mia auf Gott vertrauen.
Des macht me trübsinnig und krank:
Für jede Ablenkung sei Dank.“

Ingeborg Baier hofft, dass sich die „Sonntagsdichter“ im September wieder treffen können. Dann könnte Alfons Treu sein Gedicht auch wieder den Mitgliedern vorlesen.

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