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Region Schwandorf
Samstag, 21. Juli 2018 25° 8

Verkehr

Schwandorfer Polizei bremst Raser aus

Trotz angekündigter Kontrollen gibt es rund um Schwandorf mehrere Beanstandungen. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich.
Von Cornelia Lorenz und Philipp Seitz

Polizeihauptmeister Matthias Lotter von der Neunburger Polizei nimmt die Raser ins Visier. Foto: Seitz
Polizeihauptmeister Matthias Lotter von der Neunburger Polizei nimmt die Raser ins Visier. Foto: Seitz

Schwandorf.Gerhard Richter sitzt am Ortsausgang von Krondorf im silber-grünen VW-Bus und schaut konzentriert durch das Lasermessgerät. In gut 550 Metern Entfernung tauchen die Autofahrer, die sich aus Richtung Amberg der Schwandorfer Grünwaldkreuzung nähern, zwischen den Bäumen auf. Das Messgerät piepst, wenn Richter auf ein Kennzeichen scharf stellt. Tempo 60 ist an dieser unfallträchtigen Stelle erlaubt, doch Richter hat heute nur wenige Autofahrer zu beanstanden: Der 24-Stunden-Blitzmarathon der bayerischen Polizei ist vorab in den Medien ausführlich angekündigt worden – und viele Autofahrer kommen den Berg Richtung Schwandorf sogar langsamer herunter als erlaubt. „Wir sehen das positiv, schließlich wollen wir ja die Geschwindigkeit an kritischen Stellen reduzieren“, sagt Richter.

Unfallschwerpunkte im Visier

Der Blitzmarathon ist Teil des Verkehrssicherheitsprogramms „Bayern mobil – sicher ans Ziel“ des bayerischen Innenministeriums. Rund 1900 Polizeibeamte haben am Mittwoch an rund 2000 Stellen im Freistaat Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt, um Raser aus dem Verkehr zu ziehen. Die Polizeiinspektion Schwandorf konzentrierte sich dabei auf die beiden Unfallschwerpunkte in ihrem Gebiet. Neben der Grünwaldkreuzung nahmen die Beamten deshalb auch die Oder-Kreuzung bei Steinberg ins Visier. Hier postierten sich Richter und seine Kollegen Stephan Gleixner und Walter Zilch von 6 bis 9 Uhr – und erwischten in dieser Zeit in der Tempo-60-Zone vier Autofahrer, die deutlich zu viel Gas gegeben hatten. Der schnellste rauschte gar mit 99 Stundenkilometern heran – das bedeutet einen Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg sowie ein Bußgeld in Höhe von 120 Euro.

Gerhard Richter kontrollierte die Geschwindigkeit der Autofahrer an der Grünwaldkreuzung mit dem Lasermessgerät. Foto: scl
Gerhard Richter kontrollierte die Geschwindigkeit der Autofahrer an der Grünwaldkreuzung mit dem Lasermessgerät. Foto: scl

Nicht jeder geblitzte Autofahrer nimmt so eine Nachricht gelassen auf. Eine junge Fahrerin sei an der Oder-Kreuzung in Tränen ausgebrochen, als sie die Höhe des Bußgelds erfuhr, sagt Richter. Und so manchen Temposünder hat er im Lauf seines Berufslebens auch sehr verärgert oder gar aggressiv erlebt. „Wir sind keine Über-Psychologen, aber wir versuchen dann, die Schärfe rauszunehmen“, sagt Richter.

In unserer Karte finden Sie alle Kontrollstellen in der Region beim sechsten bayernweiten Blitzmarathon. Bitte den gewünschten Ausschnitt hierzu vergrößern:

Verkehrsteilnehmer gegen sich aufbringen – das ist nicht sein Ziel. Am Ortsausgang von Krondorf haben er und seine Kollegen sich sichtbar an einer Abzweigung postiert. Gleixner und Zilch tragen Warnwesten und sind schon von Weitem gut zu sehen. „Wir wollen uns nicht verstecken. Die Leute sollen uns sehen, denn es geht uns um Prävention“, betont Richter.

Das Lasermessgerät zeigt den Beamten die jeweilige Geschwindigkeit an. Foto: Seitz
Das Lasermessgerät zeigt den Beamten die jeweilige Geschwindigkeit an. Foto: Seitz

Gerade an der Grünwaldkreuzung sei es wichtig, die Verkehrsteilnehmer für die Gefahren dort zu sensibilisieren. Immer wieder kreuzen Traktoren mit Anhängern oder Lastwagen langsam die Fahrbahn. Richter betont: „Wenn hier einer zu schnell heruntergeschossen kommt, kann der nicht mehr bremsen.“ Deshalb konzentrieren sich er und seine Kollegen heute auf jene Fahrer, die deutlich zu schnell sind und greifen erst ab gemessenen 79 km/h ein – kleine Sünder lassen sie ungeschoren davonkommen, um die „echten“ Raser nicht zu verpassen. Vor allem auswärtige Fahrer, die die Kreuzung nicht kennen, seien hier oft zu schnell unterwegs. Aber auch Einheimische tappen an der Stelle in die Radarfalle der Polizei. „Viele Autofahrer lernen das richtige Verhalten nur über den Geldbeutel“, sagt Richter.

Die Gewohnheit ist der Feind

Polizeihauptmeister Matthias Lotter stoppt einen Autofahrer mit der Kelle. Foto: Seitz
Polizeihauptmeister Matthias Lotter stoppt einen Autofahrer mit der Kelle. Foto: Seitz

An den Blitzermarathon-Tagen gebe es für die Polizei erfahrungsgemäß aber nicht so viel zu holen, sagt Richter. Anders sieht es in Bodenwöhr aus. Hier stehen die Polizisten mit knallgelben Signalwesten auf einem kleinen Feldweg. Acht Autofahrer bemerken während der knapp zweistündigen Kontrolle das dennoch zu spät – und überschritten die erlaubten 70 Stundenkilometer deutlich. „Das ist der Durchschnitt“, sagt der Neunburger Inspektionsleiter Bernhard Hager. Selbst, dass die Kontrollstelle im Internet angekündigt wurde, änderte daran nichts.

Ein Video von der Kontrolle in Bodenwöhr sehen Sie hier:

Auch in Bodenwöhr kontrollierten die Beamten.

Die Gewohnheit sei der Feind der Sicherheit, sagt Albert Brück, Sprecher des Polizeipräsidiums in Regensburg. Er begleitet an diesem Mittwoch die Kontrolle in Bodenwöhr. Die lange, gerade Straße verleite dazu, schneller zu fahren. Einige Autofahrer sind mit mehr als 100 Stundenkilometern unterwegs, zeigt die Messung vor Ort. Doch gerade die Abzweigung zur Schwandorfer Straße sei eine potenzielle Gefahrenstelle, auf welche die Polizei hinweisen wolle. Durch regelmäßige Aktionen der Polizei erwartet sich Brück einen nachhaltigen Effekt. „Das erhöht dann auch die Sicherheit.“

Was ist das Ziel des Blitzmarathons? Wir haben mit den Beamten des Polizeipräsidiums gesprochen:

Blitzmarathon soll sensibilisieren

  • Aktion:

    Für den sechsten bayernweiten Blitzmarathon waren im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz rund 180 Einsatzkräfte im Einsatz, sagte Sprecher Albert Brück bei einem Pressegespräch in Bodenwöhr.

  • Ziel:

    Der Blitzmarathon soll die Bevölkerung für Tempobeschränkungen sensibilisieren. Bernhard Huber vom Polizeipräsidium betont: „Hohe Geschwindigkeiten, Ablenkung und Emotionen haben im Verkehr nichts verloren.“

  • Vorbeugung:

    Die Polizisten wollen während der Aktion gezielt mit den Autofahrern ins Gespräch kommen und Präsenz zeigen, erklärt Huber. Es werden deshalb auch Anhaltekontrollen, wofür die Beamten geschult seien.

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