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Katastrophe

Schwandorfer THW überbrückt Stromausfall

Längere Zeiten ohne Strom wären mit großen Problemen verbunden. Beim THW Schwandorf gibt es dafür Spezialisten.
Von Johannes Hartl

Ein Teil der insgesamt neun Helfer der Fachgruppe Foto: Hartl
Ein Teil der insgesamt neun Helfer der Fachgruppe Foto: Hartl

Schwandorf.Es gibt viele Gründe, wieso der Strom ausfallen kann. Oft reichen schwere Unwetter oder ein starkes Schneetreiben aus, damit plötzlich die Lichter ausgehen. So wie zuletzt Anfang Februar, als starke Schneefälle im Landkreis die Versorgung beeinträchtigten und einige Orte kurzzeitig ohne Strom blieben.

Normalerweise stellen solche Zwischenfälle kein größeres Problem dar, jedenfalls wenn sie schnell wieder behoben werden. Schließlich verfügen fast alle kritische Einrichtungen über eigene Generatoren, die im Notfall sofort einspringen, darunter Altenheime oder Krankenhäuser.

Landkreis hat Notfallpläne

Dieser Generator ist das Zugpferd des lokalen THW: Mit einer Leistung von 320 Kilovoltampere kann er unter anderem Tankstellen versorgen. Foto: Hartl
Dieser Generator ist das Zugpferd des lokalen THW: Mit einer Leistung von 320 Kilovoltampere kann er unter anderem Tankstellen versorgen. Foto: Hartl

Doch was, wenn der Ausfall tatsächlich längere Zeit andauert, wenn sich das Problem nicht zeitnah wieder beheben lässt? Auch für solche Fälle ist der Landkreis gerüstet, wie dessen Sprecher Hans Prechtl betont. Nach seinen Angaben verfügt die Behörde über Notfallpläne, für die ein „grobes Raster“ entwickelt wurde, „um Lösungsansätze für die unterschiedlichsten Situationen zu haben“. Zudem halten Einrichtungen, die zur „Kritischen Infrastruktur“ zählen, teilweise eigene Notstromaggregate vor. Was im Detail in den Plänen steht, kann Prechtl aus Sicherheitsgründen zwar nicht verraten.

Fest steht aber: Dem Technischen Hilfswerk (THW) Schwandorf käme, wenn der Ernstfall wirklich eintreten sollte, eine entscheidende Rolle zu. Seit Anfang des Jahres verfügt der Ortsverband nämlich über eine eigene Einheit, die für genau solche Situationen bestens gerüstet ist: die Fachgruppe Elektroversorgung. Insgesamt neun Helfer umfasst dieses Expertenteam, davon sind vier als sogenannte Elektrofachkräfte qualifiziert, die hauptberuflich zum Beispiel als Elektriker oder Elektroingenieure arbeiten und entsprechend vorgebildet sind.

Retter

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Prechtl nennt diese Spezialisten sogar „eine wesentliche Ressource“, denn im Krisenfall könnten sie an neuralgischen Punkten die Stromversorgung wiederherstellen oder aufbauen. „Das sind zum Beispiel Notunterkünfte, die mit Energie versorgt werden müssen“, sagt Gruppenführer Patrick Werbel, seines Zeichens hauptberuflicher Elektrotechniker. Dazu verfügen die Experten gleich über vier eigene Generatoren, die per Anhänger transportiert werden können. Der stärkste von ihnen, Jahrgang 1978, hat eine Leistung von 310 Kilovoltampere und wird mit Diesel betrieben; er kann bei Bedarf mit anderen Generatoren zusammengeschaltet werden, so dass sich seine Leistung noch erhöht.

Die Elektriker des Technischen Hilfswerk

  • Gründung:

    Nach Schwandorf kam die neue Fachgruppe im Zuge des neuen THW-Rahmenkonzepts, sagt der Ortsbeauftragte Martin Liebl. Dieses legt unter anderem einen stärkeren Schwerpunkt auf die Notinstandsetzung und -versorgung.

  • Nachwuchs:

    Neue Helfer für die Fachgruppe sind immer gerngesehen, vor allem Spezialisten wie Elektriker, Elektrotechniker oder Elektroingenieure sind laut Liebl gefragt. Interessenten dürfen sich jederzeit beim THW Schwandorf melden.

  • Technik:

    Die vier Generatoren verfügen über eine Leistung von 310, 175, 78 beziehungsweise 58 Kilovoltampere. Sie alle werden mit Diesel betrieben und können theoretisch unbegrenzt Strom einspeisen, zumindest solange genug Kraftstoffe vorhanden sind.

  • Aufgaben:

    Neben Stromausfällen gibt es auch andere Einsatzgründe für die Einheit. Sie sichern z.B. Elektroversorgungsnetze, versorgen das THW oder sichern Schadensstellen. Auch Auslandseinsätze sind möglich.

Damit könnten sie unter anderem Tankstellen mit Energie versorgen, Landwirte unterstützen oder Strom für Polizeidienststellen liefern, um deren Arbeit zu ermöglichen. Das wäre im Fall der Fälle auch bitter nötig, wie Werbel erklärt, hätte ein längerer Stromausfall doch katastrophale Auswirkungen auf die öffentliche Infrastruktur. Immerhin ist vom Bankenwesen über die Telekommunikation bis zur Wasserversorgung und der medizinischen Betreuung praktisch alles, was als selbstverständlich gilt, von Strom abhängig.

Voll einsatzbereit

Für Martin Liebl, den Schwandorfer Ortsbeauftragten, ist diese Fachgruppe denn auch eine wichtige Ergänzung. Das Thema „Kritische Infrastruktur“ habe in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, auch durch Naturgefahren und durch die „Abhängigkeit von Hackern“, die theoretisch die Stromversorgung sabotieren können. „Das ist ein heikles Thema“, sagt Liebl, der sich noch etwas mehr Bewusstsein für diese Gefahren wünschen würde.

Die Fachgruppe selbst ist derweil bereits voll einsatzbereit. Bisher waren die Helfer einmal gefordert, als im Februar eine Funkmastanlage in Nittenau mit Strom versorgt werden musste. Dennoch befinden sich die Spezialisten, so kurz nach ihrer Gründung, immer noch mitten im Aufbau. Es werden derzeit noch einige Feinarbeiten erledigt, etwa bei der Organisation des Fahrzeugs oder an den Generatoren.

Bis zum Sommer, so schätzt Werbel, werde man mit diesen Arbeiten fertig sein. Für die Zukunft strebt der Experte bereits gemeinsame Übungen mit anderen Fachgruppen in der Region an, außerdem auch eine enge Kooperation mit den Energieversogern, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. „Wir alle hoffen natürlich, dass man es nicht braucht“, sagt Patrick Werbel. „Aber wenn wir doch mal gebraucht werden, dann ist es gut, dass wir da sind.“

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