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Austausch

Schwandorfs Kreisbäuerin besuchte Kenia

Sabine Schindler reiste zu den ersten Landfrauentagen Kenias. Der Besuch hat beide Seiten verändert.
Von Jay Schnorrer

Kreisbäuerin Sabine Schindler wurde in Kenia als Ehrengast generell bevorzugt behandelt. Foto: Sabine Schindler
Kreisbäuerin Sabine Schindler wurde in Kenia als Ehrengast generell bevorzugt behandelt. Foto: Sabine Schindler

Schwandorf.Mit Landwirtschaft kennt sich Kreisbäuerin Sabine Schindler aus. Sie und ihr Mann bewirtschaften einen Hof in Oed bei Nittenau im Vollerwerb. 50 Kühe gehören dazu, Maschinen erleichtern viele Arbeitsabläufe. Seit ihrer Rückkehr aus Kenia sieht Sabine Schindler die Welt mit anderen Augen.

Nach Kenia war sie mit vier weiteren bayerischen Landfrauen zum Abschluss eines dreijährigen Projekts der BBV-Landfrauen Internationale Zusammenarbeit gereist. Im Zentrum standen Kleinbäuerinnen im Westen Kenias, die durch Fortbildungen mit lokalen Referenten und im Austausch mit bayerischen Bäuerinnen in ihrem Beruf bestärkt werden.

Landfrauentage fanden erstmals an Pfingsten statt

Das Projekt trug vor allem dazu bei, Landfrauen in Kenia zur Bildung einer Interessenvertretung zu ermutigen. Seit 2017 setzt sich die „Women Farmers Association of Kenia“ (WoFaAK) für kenianische Bäuerinnen ein. Pfingsten 2019 fanden dann erstmals Landfrauentage in den Countys Siaya, Kakamega und Bungoma statt – der Partnerregion des Projekts.

Sabine Schindler brachte Fotos von ihrem Hof in Oed mit. Für die Bauern war es ermutigend zu sehen, dass in Deutschland im Grunde dieselben Arbeiten anfallen. Foto: Schindler
Sabine Schindler brachte Fotos von ihrem Hof in Oed mit. Für die Bauern war es ermutigend zu sehen, dass in Deutschland im Grunde dieselben Arbeiten anfallen. Foto: Schindler

Wie Sabine Schindler beschreibt, waren diese Tage für die Bäuerinnen enorm wichtig: Regionale und nationale Medien kamen vorbei, sogar der Wasserminister Kenias besuchte eine Veranstaltung. Er wollte eigentlich nur zehn Minuten bleiben, erzählt Schindler, war aber so beeindruckt von dem, was die kenianischen Landfrauen auf die Beine gestellt haben, dass er 90 Minuten blieb. Ein Theaterstück, das Teil des Rahmenprogramms war, berührte ihn so, dass er dem Dorf versprach einen Wassertank einzurichten, damit die Kinder nicht täglich den gefährlichen Weg zur Wasserquelle aufnehmen müssen.

Als Ehrengäste erhielten die fünf Landfrauen aus Bayern von den kenianischen Bäuerinnen Tücher überreicht und wurden generell bevorzugt behandelt. Schwandorfer Kreisbäuerin Sabine Schindler (2. von links) fühlte sich wie eine „Queen“. Foto: Schindler
Als Ehrengäste erhielten die fünf Landfrauen aus Bayern von den kenianischen Bäuerinnen Tücher überreicht und wurden generell bevorzugt behandelt. Schwandorfer Kreisbäuerin Sabine Schindler (2. von links) fühlte sich wie eine „Queen“. Foto: Schindler

Ihre Bezirksbäuerin habe Schindler auf die Initative aufmerksam gemacht. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, erinnert sich die 36-Jährige. Mit Fotos ihres eigenen Hofes im Gepäck zog Sabine Schindler an acht Tagen in drei Countys von Ort zu Ort, lauschte Vorträgen, bewunderte den Erfindungsgeist der Menschen und tat vor allem eins: Gespräche führen. Zu sehen, dass weiße Frauen genauso den Stall ausmisten oder Kühe füttern, erinnert sich Schindler, habe den Bäuerinnen einen enormen Schub und Selbstbewusstsein gegeben. Das vorherrschende Bild von weißen Berufstätigen sieht nämlich nicht vor, dass diese sich die Hände schmutzig machen. Dank des Fotoalbums konnte Schindler zeigen, dass es bei ihr im Grunde genauso zugeht, wie auf einem Hof in Kenia, wenn auch in größerem Format.

In Westkenia bauen die Landwirte Süßkartoffeln und Mais an

Dass sie 50 Kühe hat, sorgte für Staunen. Der größte Hof, den Schindler besuchte, gehört zwei Brüdern, die fünf Kühe besitzen. Milchviehbetriebe wie den der Schindlers in Oed gibt es wenig, denn in Westkenia konzentrieren sich Bauern vor allem auf Süßkartoffeln und Mais für den Eigenbedarf.

Vom Reisebus sah Schindler viele Facetten Westkenias. Einer transportierte 30 Hühner auf dem Mofa, andere eine Matratze. Besonders im Gedächtnis blieben ihr aber die Kühe. Aus ihrer Sicht wären sie viel zu mager, doch in den Countys, die sie besuchte, ist dies Alltag. Foto: Schindler
Vom Reisebus sah Schindler viele Facetten Westkenias. Einer transportierte 30 Hühner auf dem Mofa, andere eine Matratze. Besonders im Gedächtnis blieben ihr aber die Kühe. Aus ihrer Sicht wären sie viel zu mager, doch in den Countys, die sie besuchte, ist dies Alltag. Foto: Schindler

Doch auch hier greift die Initiative der BBV-Landfrauen: Viele Workshops behandelten die Wertschöpfungsketten von Süßkartoffel und Milch. Für Sabine Schindler ist es selbstverständlich, Vorräte für den Winter einzulagern, doch in Kenia sei dies kaum verbreitet. Derweilen könnte ein Silo das Überleben einer Familie sichern. Würden Bäuerinnen zudem Mais einkaufen und ihre Felder zur Viehhaltung nutzen, könnten sie die Milch viel teurer verkaufen, als es bei Mais möglich ist. Dabei geht es den bayerischen Landfrauen nicht darum, zu zeigen, wie es „rightig“ gehe. Vielmehr wollen sie Möglichkeiten zeigen, Inspiration geben und vor allem Mut zusprechen.

Unglaublicher Einfallsreichtum beeindruckt Sabine Schindler

Ihren eigenen Hof betrachtet Schindler nun mit neuen Augen. Der Austausch mit den kenianischen Landfrauen zeigte ihr, dass es nicht die neueste Technik brauche oder alles immer ratzfatz gehen muss. Ihre neu gewonnenen Gelassenheit hofft sie, sich langfristig zu bewahren. Foto: Schindler
Ihren eigenen Hof betrachtet Schindler nun mit neuen Augen. Der Austausch mit den kenianischen Landfrauen zeigte ihr, dass es nicht die neueste Technik brauche oder alles immer ratzfatz gehen muss. Ihre neu gewonnenen Gelassenheit hofft sie, sich langfristig zu bewahren. Foto: Schindler

Umgekehrt wirkt der Austausch mit Kenia ebenfalls stark nach. „Ich habe mich sehr klein gefühlt vor der Kraft dieser Frauen“, gibt Schindler zu. Der Einfallsreichtum sei unglaublich: Während die Männer meist mit ihren Mofa-Taxis auf Kunden warten, werden die Frauen innovativ und probieren aus. So hat eine Bäuerin eine Heupresse erfunden, die Strohballen in einheitlicher Größe produziert, welche sie dann verkauft. Eine andere Frau extrahiert Wirkstoffe aus Bohnen und gibt sie an Apotheken weiter.

Eindruck hinterließen die Geduld und Gelassenheit der Menschen, die Sabine Schindler traf. Wo in Deutschland bei langen Wartezeiten gemeckert werde, herrsche in Kenia eine herzliche und offene Grundstimmung. Es wird gesungen und getanzt. Schindler sieht nun ihren Hof mit anderen Augen. Den Glauben, größer oder moderner bedeute gleich besser, habe sie verloren. Wenn jetzt im Stall mal etwas schief geht, „dann dauert’s halt länger“, lacht Schindler.

Landwirtschaft

Eine Landfrau mit vielen Talenten

Sozialpädagogin Sabine Schindler hat auf dem Land ihre Berufung gefunden: Sie ist Erlebnis- und Kreisbäuerin.

MZ-Spezial: Barbara Weiherer aus Mossendorf geht jeden Freitag für uns auf die Suche nach Tipps und Tricks rund um Haus und Garten und trifft dabei auch auf Landfrauen aus der Region.

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