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Menschen

Seit 50 Jahren der rasende Reporter

Werner Artmann ist für die Mittelbayerische in Teublitz eine große Stütze. Sein Erfolgsrezept: „Man muss miteinander reden!“
Von Thomas Rieke

Werner Artmann in seinem Büro: Seit 50 Jahren ist er für die Mittelbayerische im Einsatz. Im Terminkalender gibt es so gut wie keine Lücken. Foto: Rieke
Werner Artmann in seinem Büro: Seit 50 Jahren ist er für die Mittelbayerische im Einsatz. Im Terminkalender gibt es so gut wie keine Lücken. Foto: Rieke

Teublitz.An der Wand hängen Bilder politischer Größen, die er kennenlernen durfte, und fotografische Kunstschüsse, die ihm selbst gelungen sind; am Schreibtisch liegen ein gut gefüllter Terminkalender und die aktuellste Ausgabe der Mittelbayerischen; am Monitor seines PCs sind die jüngsten Nachrichten aus der Region aufgerufen. Alles zusammen ist das eine typische Konstellation im Büro von Werner Artmann. Der Teublitzer, der vor wenigen Monaten seinen 75. Geburtstag feierte, hat nun einmal mehr Grund, stolz zu sein und Bilanz zu ziehen. Denn vor genau einem halben Jahrhundert produzierte er für die Heimatzeitung seine ersten Zeilen als freier Mitarbeiter...

Und das kam so: Ende der 1960er Jahre führte die Mittelbayerische die Rubrik „Heimatsport“ ein. Um diese sinnvoll zu füllen, suchte die Redaktion Burglengenfeld Menschen, die Ahnung vom Fußball hatten und gleichzeitig der deutschen Sprache mächtig waren. In Werner Artmann fand sie beides. Artmann war seinerzeit erfolgreicher Fußballer des SC Teublitz.

Vom Fußballexperten zum Allrounder

1974, während einer Landesligapartie: Besorgt blickte Kapitän Werner Artmann drein, als sein Mitspieler Zilch verletzt vom Platz getragen werden muss. Foto: Knut Haase
1974, während einer Landesligapartie: Besorgt blickte Kapitän Werner Artmann drein, als sein Mitspieler Zilch verletzt vom Platz getragen werden muss. Foto: Knut Haase

Artmann lieferte fortan regelmäßig Kurznachrichten, die einen kompletten Überblick über den Spielbetrieb der Fußballmannschaften „seines“ Vereins boten, und als 1973 Hermann Axtmann aus beruflichen Gründen sein Engagement als freier Mitarbeiter der Mittelbayerischen beenden musste, warf Artmann seinen Hut in den Ring. – Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte. Zunächst fabrizierte Artmann „nur“ Berichte über die Partien des SC, dann weitete sich das Aufgabenfeld in seiner Heimatstadt immer weiter aus. Der Besuch von Jahresversammlungen der Vereine wurde ebenso zur Selbstverständlichkeit, wie der von Stadtrats- und Ausschusssitzungen. Sogar eine Anzeigenannahmestelle richtete sich Artmann ein.

Blick in den Lebenslauf

  • Wurzeln:

    Werner Artmann ist ein waschechter Teublitzer und seit 1966 mit seiner Frau Renate verheiratet. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor.

  • Beruf:

    Artmann lernte in Maxhütte zunächst Einzelhandelskaufmann, entschloss sich aber 1963, sich für den Polizeidienst zu bewerben. Als Beamter war er unter anderem beim Grenzschutz in Waldmünchen stationiert. Als Russland 1969 die Tschechoslowakei überfiel, herrschte höchste Alarmstufe. 1970 ergriff Artmann die Chance, zur Inspektion Regenstauf zu wechseln. Dort absolvierte er mehrere Jahre im Schichtdienst und war dann Ermittler sowie Sachbearbeiter für häusliche Gewalt. 2004 ging Artmann mit 60 in Pension.

  • Sport:

    Neben der Reportertätigkeit war Fußball lange Jahre die große Leidenschaft des Werner Artmann. In seiner Glanzzeit stürmte er für die erste Mannschaft des SC Teublitz und war in der Landesliga ein gefürchteter Torjäger. Erst mit 58 hängte er die Fußballschuhe endgültig an den Nagel. (ht)

Der Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen, die Konfrontation mit immer wieder neuen Themen – das gefiel Artmann alles sehr, auch wenn damit viel Arbeit verbunden war, die es mit dem Hauptberuf als Polizeibeamter und Hobbys zu vereinbaren galt. Nur zu gut erinnert sich der Teublitzer an die Tage, als er nach einer anstrengenden Schicht in der Inspektion Regenstauf nach Hause kam, um sich sogleich an die Schreibmaschine zu setzen, um einen wichtigen Bericht für die Mittelbayerische zu verfassen. Artmann: „Es gab Tage, da war ich nur noch unterwegs.“ Ehefrau Renate tolerierte es.

Ob Polizist oder Reporter – Fingerspitzengefühl ist gefragt

Zeitungsarbeit ist kein Wunschkonzert. Da ist erstens die Erwartungshaltung der Menschen und Institutionen, über die man schreibt, und die der Redaktion. Und da sind zweitens bisweilen unattraktive Arbeitszeiten und nicht selten höchst unerfreuliche Anlässe, die eine Berichterstattung fordern. Artmann hat sich nie weggeduckt. Bei alledem profitiert er von seinen Erfahrungen als Polizist. Ob als Besatzungsmitglied einer Funkstreife, die zu einem tödlichen Unfall gerufen wurde, als Ermittler in einer Serie von Sachbeschädigungen oder als Freund und Helfer bei „häuslicher Gewalt“ – Artmann musste lernen, mit heiklen Situationen umzugehen. Ein ums andere Mal bewies er als Ordnungshüter bis 2004, als er pensioniert wurde, Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick. Und bis heute nutzt er diese Fähigkeiten als Reporter.

Artmann (rechts) war in der Landesliga ein gefürchteter Stürmer. Hier kam er allerdings einen Tick zu spät. Foto: Knut Haase
Artmann (rechts) war in der Landesliga ein gefürchteter Stürmer. Hier kam er allerdings einen Tick zu spät. Foto: Knut Haase

Artmann berichtet, durch den Sport, den er sehr erfolgreich ausübte, und Vereinsmitgliedschaften sei er in Teublitz schon zu Beginn seiner Tätigkeit für die Mittelbayerische sehr bekannt gewesen. Das habe so manches erleichtert. Aber nicht alles. Bei heißen Eisen in der Kommunalpolitik gilt es immer wieder, eigene Ansichten in den Hintergrund zu rücken, Versuchen, instrumentalisiert zu werden, zu widerstehen. Artmann sind die Gratwanderungen gelungen. Jeder Seite schenkt er Gehör, keiner soll ihm nachsagen können, er sei parteiisch. Und prasselt doch einmal Kritik auf ihn nieder, so hat er das Kreuz, das wegzustecken.

Für technische Neuerungen stets aufgeschlossen

„Man muss miteinander reden!“ lautet die Devise des Teublitzer MZ-Reporters. Und: „Du musst mit der Zeit gehen.“ Letzteres bezieht sich auf den nicht enden wollenden technischen Wandel. Artmann hat ihn in der Regel als Vorteil gesehen und stets alles getan, mit Neuerungen möglichst schnell klar zu kommen. Die stete Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, die nicht zu überbietende Zuverlässigkeit und Loyalität, die stete Hilfs- und Einsatzbereitschaft – all das sind Tugenden, die Werner Artmann auszeichnen und ihn bis heute unersetzlich machen.

Doch Artmann ist Realist. Der Gedanke, „dass das nicht ewig so weiter gehen kann“, beschäftigt ihn schon länger. Mit 75 sei er nun einmal nicht mehr der Jüngste, sagt er, und wie lange er Körper und Geist den Stress des rasenden Reporters noch zumuten könne, wisse nur der liebe Gott. Wir hoffen, dass uns Artmann weiter gewogen und erhalten bleibt und sagen ihm für sein Engagement tausend Dank!

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