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Porträt

Sichlers Herz schlägt für die Heimat

Seit 26 Jahren im Ruhestand, aber immer noch aktiv: Schwandorfs Ehrenbürger Franz Sichler feiert heute seinen 90. Geburtstag.
von Cornelia Lorenz

Franz Sichler, Schwandorfer Urgestein, feiert am Donnerstag seinen 90. Geburtstag. Foto: Cornelia Lorenz
Franz Sichler, Schwandorfer Urgestein, feiert am Donnerstag seinen 90. Geburtstag. Foto: Cornelia Lorenz

Schwandorf.Wenn Franz Sichler auf sein Leben zurückschaut, fällt ihm sofort ein Zitat von Cicero ein. „Das Bewusstsein eines erfüllten Lebens und die Erinnerung an viele gute Stunden sind das größte Glück auf Erden“, soll der berühmte römische Staatsmann und Philosoph einst geschrieben haben. Auf ihn selbst treffe das voll und ganz zu, sagt Sichler, der am Donnerstag seinen 90. Geburtstag feiert. Zahllose Gratulanten werden dem ehemaligen SPD-Stadtrat, Berufsschullehrer, Stadtchronisten und Buchautor ihre Glückwünsche überbringen.

Gerade erst hat Sichler eine Sammlung fertiggestellt, in der er Personen beschreibt, die sich um Schwandorf verdient gemacht haben. In diesem Werk hätte er selbst ein eigenes Kapitel verdient. Über Jahrzehnte hat Sichler die Schwandorfer Kommunalpolitik geprägt. 1972 trat der Sohn des Landtagsabgeordneten Franz Sichler sen. für die SPD in den Schwandorfer Stadtrat ein und setzte sich hier bis 1996 für das Wohl seiner Heimat ein. „Das Schlimmste war, dass ich gleich am Anfang Fraktionsvorsitzender geworden bin. Da musste ich mich gleich in Verwaltungsrecht einarbeiten – das hat mich schon geschlaucht“, erinnert er sich. 24 Jahre lang vertrat Sichler darüber hinaus die SPD im Kreistag.

Wenig Zeit für die Familie

Nach dem einstimmigen Stadtratsbeschluss wurde Franz Sichler (li.), hier mit Ehefrau Elisabeth, das Ehrenbürgerrecht verliehen. Foto: Zwick
Nach dem einstimmigen Stadtratsbeschluss wurde Franz Sichler (li.), hier mit Ehefrau Elisabeth, das Ehrenbürgerrecht verliehen. Foto: Zwick

Freie Zeit neben seiner Arbeit als Lehrer an der Berufsschule blieb in dieser Phase nur wenig. „Das ging auf Kosten der Familie“, sagt seine Ehefrau Elisabeth. Die Sichlers haben sich 1952 im Fasching kennengelernt – gefunkt habe es ein Jahr später, als sie gemeinsam das Prinzenpaar bildeten, erzählt Franz Sichler schmunzelnd. Geheiratet wurde 1954. Ein Jahr später kam Sohn Franz-Peter zur Welt, 1958 folgte Sohn Gerd. Die Zeit mit der Familie, die Urlaubsfahrten ins Gebirge oder ans Meer – das seien die schönsten Jahre gewesen, schwärmt Sichler.

„Die Berufsschule war meine Lebensaufgabe.“

Franz Sichler

Auch seine Zeit an der Schwandorfer Berufsschule hat er genossen. Hier arbeitete er von 1957 bis 1992 und hat zahllose Schüler in Ernährungslehre und Geschichte unterrichtet. Zuletzt übernahm er das Amt des Schulleiters. „Die Berufsschule war meine Lebensaufgabe“, sagt er.

Zur Person

  • Beruf

    Franz Sichler wurde am 15. November 1928 in Schwandorf geboren. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Bauhilfsarbeiter am Schwandorfer Drahtgraben und entschied sich später, Lehrer zu werden. 1957 begann er seine Laufbahn an der Schwandorfer Berufsschule, der er bis zu seinem Wechsel in den Ruhestand im Jahr 1992 die Treue hielt. In den letzten Jahren war er als Schulleiter tätig.

  • Familie

    Seit 1954 ist er mit seiner Frau Elisabeth verheiratet. 1959 bezogen die beiden ihr selbst erbautes Eigenheim in der Nähe der Berufsschule. Die beiden haben zwei Söhne und drei Enkel. Sichlers Großmutter war von 1919 bis 1924 die erste Frau im Schwandorfer Stadtrat, Vater Franz Sichler sen. nach dem Zweiten Weltkrieg kommissarischer Bürgermeister und Landtagsabgeordneter. Sein Onkel Lorenz Sichler amtierte von 1948 bis 1958 als Oberbürgermeister der Stadt Schwandorf.

  • Auszeichnungen

    Im September 2017 hat die Stadt Franz Sichler die Ehrenbürgerwürde verliehen. Außerdem hat er die kommunale Dankurkunde erhalten und ist überdies Träger der Bürgermedaille und des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

  • Veröffentlichungen

    Sichler hat sich mit zahlreichen Aufsätzen und Beiträgen zur Stadtgeschichte einen Namen gemacht. Aktuell hat er unter dem Motto „Um Schwandorf verdient“ einen Band zusammengestellt, in dem er Personen beschreibt, die für die Entwicklung der Großen Kreisstadt wichtig waren. Der Band soll demnächst auf der städtischen Homepage veröffentlicht werden.

Auch wenn Sichler schon seit 26 Jahren offiziell im Ruhestand ist: Die Hände in den Schoß legen – das ist nichts für ihn. „Am meisten bedauere ich die Leute, die nichts anderes in ihrem Leben zu tun haben, als aus dem Fenster zu schauen“, sagt Sichler. Bei ihm ist das ohnehin ganz anders: Er nahm sich regelmäßig die Zeit, um als Buchautor aktiv zu werden. Aus seiner Feder stammen viele Werke und Aufsätze zur Stadtgeschichte, mit denen er zum Beispiel die Stadtchronik bereichert hat.

Egal ob Rathaus, Trinkwasserversorgung oder die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg – Sichler hat sich mit allen Facetten der Heimatgeschichte befasst und stets Sinn für Humor bewiesen: Unter dem Titel „Mein lieber Schwan“ etwa hat er in zwei Bänden heitere Geschichten und Anekdoten aus der Stadt zusammengetragen. Auch als Redner war Sichler bei vielen Veranstaltungen gefragt.

Ein Dankeschön an die Ehefrau

Dass er seinen Ehrentag bei guter Gesundheit feiern kann, schreibt Sichler vor allem seiner Frau Elisabeth zu. „Sie hat mich immer gut gepflegt und auf gesunde Ernährung geachtet“, sagt er schmunzelnd. Doch auch der Sport spielte in Sichlers Leben immer eine große Rolle: In jungen Jahren war er zum Beispiel als Handballer, Leichtathlet, Trainer und Kampfrichter beim TSV Schwandorf aktiv. Auch heute noch geht Sichler zweimal pro Woche zur Gymnastik, um sich fit zu halten.

„Er soll endlich sein Arbeitszimmer aufräumen.“

Elisabeth Sichler

Mit Sicherheit wird er sich bald wieder voller Eifer einem neuen Kapitel der Schwandorfer Heimatgeschichte zuwenden. Doch erst einmal muss er jetzt einen wichtigen Auftrag seiner Frau erfüllen. „Er soll endlich sein Arbeitszimmer aufräumen“, sagt sie und lacht.

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