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Ehrenamt

Simon Wenigers Vorbild ist Don Bosco

Eigentlich studiert der 23-jährige Wackersdorfer Theologie. Nun leistet er ein Jahr lang Freiwilligendienst in Argentinien.
Von Jay Schnorrer

Der Wackersdorfer Simon Weniger geht ein Jahr nach Santiago del Estero in Argentinien, um Schulkinder zu betreuen.  Foto: Jay Schnorrer
Der Wackersdorfer Simon Weniger geht ein Jahr nach Santiago del Estero in Argentinien, um Schulkinder zu betreuen. Foto: Jay Schnorrer

Wackersdorf.Während des Studiums ins Ausland zu gehen, ist inzwischen ja keine Ausnahme mehr. Freiwilligendienst während des Studiums zu leisten, hat allerdings Seltenheitswert. Genau das hat Simon Weniger vor: Der 23-jährige Wackersdorfer wird von September bis August 2020 einen entwicklungspolitischen weltwärts-Freiwilligendienst in Argentinien absolvieren.

Aufgeregt ist er schon, gibt er im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung zu. Ganz neu wird die Erfahrung aber nicht sein, denn nach dem Abitur war Simon bereits über den Bundesfreiwilligendienst in einer Jugendherberge in Benediktbäuern tätig. Dort traf er viele Freiwillige, sogenannten Volunteers, die über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ ins Ausland gegangen sind. „Da habe ich mir gedacht, das will ich auch“, erinnert sich Simon Weniger.

Zwischen Freund und Lehrer

Sein Plan war es eigentlich, den Freiwilligendienst nach Abschluss seines Theologiestudiums zu machen – aber es „drückte“ ihn zu sehr, wie er selbst sagt. Also bewarb er sich für eine Volunteer-Stelle beim Träger Don Bosco, dem auch das Projekt in Benediktbäuern untersteht. Nach seinem Aufenthalt in Argentinien hat er dann noch zwei weitere Jahre, bevor er sein Theologiestudium abschließen kann und vermutlich in der Jugendarbeit tätig wird.

Im Sommer 2018 verbrachte Simon Weniger bereits vier Wochen in Istanbul, um ein Projekt von Don Bosco zu unterstüzen.  Foto: Don Bosco
Im Sommer 2018 verbrachte Simon Weniger bereits vier Wochen in Istanbul, um ein Projekt von Don Bosco zu unterstüzen. Foto: Don Bosco

Dafür wird ihn sein Freiwilligendienst gut vorbereiten, erwartet er. Wie in Benediktbäuern wird Simon in Santiago del Estero vor allem für die Freizeitgestaltung zuständig sein. Zusammen mit anderen Volunteers betreut er circa 30 Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren, die im Jugendzentrum unterkommen, um die Schule in der Stadt besuchen zu können. Das eigentliche Zuhause der Kinder liegt drei bis vier Stunden entfernt; ohne Unterkunft wäre ein Schulbesuch nur schwer oder gar nicht realisierbar.

Wie Simon beschreibt, sollen die Volunteers bei der Alltagsgestaltung helfen, den Überblick behalten, wer welche Noten hat, und wenn nötig Nachhilfe geben – denn jeder, der durchfällt, muss die Schule und somit auch die Einrichtung verlassen. Seine Rolle liegt „zwischen Freund und Lehrer“. Dabei lässt er sich auch von seinen eigenen Hobbys inspirieren: Fußballs steht auf jedem Fall auf dem Plan. In letzter Zeit hat er zudem „Ultimate Frisbee“ für sich entdeckt, ein Laufspiel mit je sieben Spielern in zwei Teams.

„Bildung bringt mehr, als nur einen Brunnen aufzustellen.“

Simon Weniger

Simon hofft, dass er einige der Kinder in Santiago del Estero mit seiner Begeisterung anstecken kann. Ob ihm das gelingt können man online mitverfolgen: Wie seine Mitvolunteers berichtet Simon Weniger auf der Homepage blogs.donboscovolunteers.de über seine Erfahrungen.

Wie viel Zeit zum Schreiben er findet, wird sich allerdings erst noch zeigen. Er geht von maximal einem freien Tag die Woche aus. Ein Problem ist das für ihn nicht; es geht ihm bei seiner Volunteer-Tätigkeit ja nicht um Urlaub. Für ihn sind solche Freiwilligendienste unglaublich wichtig, da „Bildung mehr bringt, als nur einen Brunnen hinzustellen“.

Deshalb fühlt sich Simon bei Don Bosco auch so wohl: Der Orden hat es sich zur Aufgabe gemacht, benachteiligten Kindern und Jugendlichen in aller Welt einen Zugang zu ganzheitlicher Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, damit sie aktiv eine globale Zukunft mitgestalten können. Der Glaube ist dabei aber kein Muss, betont Simon. Religion sei zwar für die Wertevermittlung wichtig, doch gehe es vor allem darum, Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich mit Glauben und religiösen Fragen zu beschäftigen. Nicht umsonst bildet Religion eine der drei Säulen der Präventionspädagogik Don Boscos, einem Priester aus Turin und Pionier der Jugendarbeit. Im 19. Jahrhundert, zu Zeiten der Industrialisierung, sah er die Not von Kindern und Jugendlichen auf der Straße und setzte er sich dafür ein, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Kinder nie auf die Idee kommen, zu stehlen.

Wie Don Bosco, kann sich Simon Jugendarbeit als Teil seiner beruflichen Zukunft vorstellen. Das Jahr werde ihm viel bringen, was seine Persönlichkeitsentwicklung angeht, da ist sich Simon sicher. Für seine Sprachkenntnisse gilt dies ebenfalls: Bis November 2018 konnte Simon nämlich kein Spanisch. Sobald er wusste, dass es nach Argentinien geht, lud er sich die App Duolinge herunter und besuchte Kurse an der Uni um „die Basics“ zu lernen. Alles weitere, sagt Simon, komme wenn er im Land sei und im Alltag kommuniziere.

Gut vorbereitet auf das Jahr

Alles, was für seinen Dienst sonst noch wichtig ist, erfuhr er an drei Vorbereitungsseminaren des Trägers, der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos. Mit Simon zusammen sind es dieses Jahr insgesamt 25 Freiwillige bei „Don Bosco Volunteers“, deren Projekte auf der ganzen Welt verstreut sind. Bei den Treffen lernte er auch seine Mitvoluntärin Martha kennen. Gemeinsam mit ihr und einem Ordensmann in Ausbildung wird Simon Weniger im Jugendzentrum in Santiago del Estero unterkommen, das beim Projekt eine zentrale Rolle spielt: Neben Religion nennt Simon nämlich „Zuhause“ als zweite Säule der Philosophie Don Boscos.

Der dritte Aspekt, den Don Bosco als Grundstein für seine Jugendarbeit festlegte, ist Bildung – allerdings Bildung, die über die klassischen Schulfächer hinaus geht. Einen Europäer aus der Oberpfalz nach Argentinien zu schicken „wird den Horizont der Jugendlichen sicherlich erweitern“, erwartet Simon. Laut seinen Recherchen und den Erfahrungen anderer Volunteers werde die argentinischen Gesellschaft von einer „Machokultur“ dominiert. Simon ist gespannt, wie sich das auf die Dynamik zwischen Jugendlichen und Volunteers auswirkt, wo ja auch die 18-jährige Martha dabei ist. Der Anfang werde wohl schwierig, daraus macht auch Simon keinen Hehl. „Aber mit zuhören und zuschauen glaube ich, dass es gut funktioniert.“

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Simon Wenigers Freiwilligendienst

  • Das Projekt:

    Im September startet der Wackersdorfer Simon Weniger seinen Freiwilligendienst in Argentinien. Ein Jahr lang wird er in Santiago del Estero rund 30 Kinder im Alter zwischen 12 und 18 betreuen.

  • Hintergrund:

    Da die Buben zu weit entfernt von der nächsten Schule leben, wohnen sie außerhalb der Ferien im Haus von Don Bosco. Simon wird ein Auge auf schulische Leistungen haben, den Kids bei den Hausaufgaben helfen und die Freizeit der Schüler mit Ausflügen und mehr füllen.

  • Unterstützung:

    Ein Viertel der Kosten für den Freiwilligendienst zahlt der Träger Don Bosco aus eigener Tasche. Simon Weniger sammelt zur Zeit noch Spenden: Don Bosco Mission, LIGA Bank München, IBAN: DE78 7509 0300 0002 2132 30, BIC: GENODEF1M05, Verwendungszweck: S19VR048 Simon Weniger.

  • Fragen und Kontakt:

    Bei Fragen erreicht man den Freiwilligen via simonweniger@web.de. Simon wird auf blogs.donboscovolunteers.de/ von seinen Erfahrungen berichten.

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