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Festival

Smetana-Tage überschreiten viele Grenzen

Weit mehr als ein Gedenken an den Komponisten, weit mehr als Musik: Künstler, Themen und Festivalbesucher sind international.
Von Andreas Allacher, MZ

  • Das Philharmonie-Orchester Hradec Kralove unter der Leitung von Dirigent Andreas Sebastian Weiser eröffnete mit der deutschen Mezzosopranistin Anna Haase als Solistin die Smetana-Tage im Pilsener Kulturhaus Beseda mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Hector Berlioz und Ludwig van Beethoven. Foto: Allacher

Pilsen.In der Regensburger Partnerstadt Pilsen wurden die Smetana-Tage mit einem Konzert des Philharmonie-Orchesters Hradec Kralove unter der Leitung von Dirigent Andreas Sebastian Weiser und mit der deutschen Mezzosopranistin Anna Haase als Solistin eröffnet. Im fast ausverkauften Kulturhaus Beseda begeisterten sie mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Hector Berlioz und Ludwig van Beethoven die Besucher, darunter eine Kulturtour des Centrums Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee mit dessen Leiter Hans Eibauer, der in diesem bis zum 23. März dauernden Festival einen Beleg dafür sieht, dass Tschechien „kulturell sehr viel zu bieten“ hat.

„Es gibt noch Barrieren in den Köpfen, aber immer mehr Deutsche entdecken die kulturellen Angebote des Nachbarlandes“, sagt Eibauer. Einige machten dies in Eigenregie, andere fühlen sich anfangs in einer Reisegruppe wohler. So könnten die Kulturtouren oder Aktionen wie der „Zug zur Kultur“ im Jahr 2015 in die europäische Kulturhauptstadt Pilsen helfen, Schwellenängste zu überwinden.

Die 37. Ausgabe der Smetana-Tage bieten zu den Vorträgen, Ausstellungen und Literaturlesungen insgesamt 17 Musikveranstaltungen: Klassische symphonische und Kammerkonzerte, Jazz, Oper, Kindershows und Matineen, sagt Lenka Kavalová, die seit 2009 Intendantin der Pilsner Philharmoniker (früher Radio-Symphonieorchester Pilsen) ist und seit 2013 auch die internationalen und multidisziplinären Smetana-Tage leitet. Thema ist diesmal Licht, Schatten und Dunkelheit in der tschechischen Kultur des 19. Jahrhunderts. Weitere Stars in diesem Jahr sind der französische Pianist Pascal Roge und der Geigenvirtuose Ivan Zenaty. Das Festival schließt am 23. März mit renommierten Prager Radio-Symphonie-Orchester; Infos auch unter www.smetanovskedny.cz.

International wahrgenommen

Dass die Smetana-Tage inzwischen international einen guten Ruf genießen, ist auch ein Verdienst von Lenka Kavalová, die zunächst Cello am Konservatorium in Pilsen studierte, ihre musikalische Ausbildung bei Maurice Gendron in Paris erweiterte und 2001 ihr Musikwissenschaftsstudium an der Philosophische Fakultät der Karls-Universität in Prag abschloss. Im Jahr 1994 gründete sie das Frauenkammerensemble Flores de Praga, dessen künstlerische Leiterin sie ist. „Die Smetana-Tage werden heute im internationalen Bewusstsein wahrgenommen“, freut sich Lenka Kavalová, die mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung im Musikmanagement hat.

Kultureller Einsatz seit zehn Jahren

Dass die Kultur beiderseits der Grenzen sowie vor allem ihre Vielfalt und ihren Gemeinsamkeiten wahrgenommen werden, daran arbeitet Hans Eibauer seit inzwischen zehn Jahren als Leiter des CeBB in Schönsee, das seit dem Vorjahr auch Koordinationsstelle des Bayerischen Kultusministeriums für die bayerisch-tschechische kulturelle Zusammenarbeit ist. Das hatten die Kultusminister beider Seiten, Dr. Ludwig Spaenle und Daniel Herman, 2015 in der Grenzlandgemeinde des Landkreises Schwandorf vereinbart. Als weiterer Auftrag des Finanz- und Heimatministeriums kam im Vorjahr hinzu, das Projekt „Kulturregion Bayern Böhmen 2017“ in der Region Zwiesel und Bayrisch Eisenstein umzusetzen. Zudem koordinierte das CeBB das Begleitprogramm zur gemeinsamen Landesausstellung über Karl IV in Nürnberg.

Wichtig sind Eibauer vor allem die Partnerschaften, in denen sich persönliche Verbindungen zwischen den Menschen entwickeln und die sein Team gerne auch anzubahnen hilft: Aktuell bestehen 211 Partnerschaften zwischen Schulen und 61 zwischen politischen Gemeinden beiderseits des einstigen Eisernen Vorhangs.

Im neuen Jahr wird das Thema „Barock“ das CeBB-Team beschäftigen. „Auf beiden Seiten gibt es bedeutende Baudenkmäler, vor allem in der Region Pilsen“, sagt Eibauer und freut sich, dass in Tschechien viele historische Gebäude inzwischen „aufwendig renoviert“ wurden. Im Gegensatz zu den zahlreichen Museum rückt die Sprachbarriere bei der Musik in den Hintergrund, verweist Eibauer auf die Live-Szene in Pilsen, auf Klassik-Angebote im Bereich Oper, Ballett oder Folklore. Dabei sei die Sprache in Tschechien ohnehin kein Hindernis, denn „mit Englisch kommt man gut durch“ und in Grenznähe beherrschen viele Tschechen ohnehin die deutsche Sprache. Und wer sein Pils stilvoll in Tschechisch bestellen will, für den bietet das CeBB an mehreren Wochenenden im Jahr Crashkurse in der Sprache des Nachbarlandes an. Viele kulturelle Angebote aus der Grenzregion hält auch das einzige durchgehend zweisprachige Internetportal www.bbkult.net bereit, wobei Eibauer darauf verweist, dass die Eintrittspreise in Tschechien etwa auf halben Niveau im Vergleich zu Deutschland liegen und beispielsweise das von Regensburg rund 160 Autobahn-Kilometer entfernte Pilsen schnell zu erreichen ist.

Volles Programm bis zum 23. März

Der Startschuss für die Smetana-Tage fiel am 2. März, dem Geburtstag des böhmischen Komponisten der Romantik, mit einer Zeremonie am Denkmal von Bedrich Smetana in Pilsen, wo er von 1840 bis 1843 das Prämonstratenser-Gymnasium besuchte und seine erste Ehefrau Katerina Kolárová, eine gute Pianistin, kennenlernte. Längst aber hat sich das Festival einen weiten Kreis um Leben und Werk des Musikers gezogen und die gesamte Region Pilsen erfasst. Das zeigen die zahlreichen Ausstellungen, Symposien und Konzerte, die bis zum 23. März die Besucher anlocken wollen.

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