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Projekt

So bekommt die FFW Kemnath ein Zuhause

Die ursprüngliche Planung war dem Neunburger Stadtrat zu teuer. Nun setzte Architekt Michael Steidl den Rotstift an.
Von Roland Thäder

Die FFW Kemnath b. Fuhrn soll Weihnachten 2020 bereist im neuen Feuerwehrhaus feiern können. Foto: Thäder
Die FFW Kemnath b. Fuhrn soll Weihnachten 2020 bereist im neuen Feuerwehrhaus feiern können. Foto: Thäder

Neunburg.Die Kemnather Feuerwehr soll ein neues Gerätehaus bekommen. Doch das zieht sich hin. Bereits im September hatte Architekt Michael Steidl versucht, den Neunburger Stadträten die Pläne schmackhaft zu machen. Doch angesichts der veranschlagten Kosten von rund 800 000 Euro fielen die Räte aus allen Wolken. Sie schmetterten das Vorhaben mit 11:9 Stimmen ab. In der letzten Stadtratssitzung des Jahres – quasi in der Nachspielzeit – stellte Architekt Steidl neue interessante Varianten zur Wahl. Dazu hatte sich auch eine Delegation der FFW Kemnath eingefunden.

Im Kern ging es darum, wie man die Kuh vom Eis bekommt. Die Vorgabe hieß: Finanziell abspecken, aber dennoch dem Bedarf der Feuerwehr gerecht werden. „Wir haben mit spitzer Feder gerechnet. Vom Raumprogramm gibt es keine Abstriche“, sagte Steidl zu Beginn seines Vortrags. Denn ursprünglich stand eine Summe von 450 000 Euro im Raum, von der aber in der September-Sitzung auch Geschäftsleiter Georg Keil nicht sagen konnte, wer diese errechnet hatte.

Die Entscheidung zwischen Holz- und Massivbauweise treffen

Zur Debatte standen nun vier Varianten, zwei in Holzbauweise und zwei massive. Sie unterschieden sich im Wesentlichen nur durch die Breite des Flurs. Doch die Schwankungsbreite von 50 Zentimetern zwischen der Ausführung mit einem 1,885 Meter breiten Flur und einem Gang mit einer Breite von 2,385 Metern machte den entscheidenden Unterschied. Denn der breitere Flur sollte die Möglichkeit offenhalten, zu einem späteren Zeitpunkt eine Treppe einzubauen, um dann auch das Dachgeschoss ausbauen zu können.

Der Bau des neuen FFW-Hauses ist ein Teil der Dorferneuerung. Für diese sind insgesamt 1,7 Millionen Euro veranschlagt. Foto: Thäder
Der Bau des neuen FFW-Hauses ist ein Teil der Dorferneuerung. Für diese sind insgesamt 1,7 Millionen Euro veranschlagt. Foto: Thäder

Doch dieser halbe Meter für die Treppe zieht einen Rattenschwanz an Bauvorschriften und damit Kosten nach sich. In der Vorlage der Verwaltung hieß es lapidar: „Die Baukosten würden sich um rund 10 000 Euro erhöhen. Die daraus resultierenden Bauvorschriften sind dann zu beachten; aus Gebäudeklasse 1 wird Gebäudeklasse 3.“ Da gab es im Stadtrat Erklärungsbedarf.

Was sich hinter der Bezeichnung Gebäudeklasse verbirgt, wollten Stadträte wissen? Steidl erläuterte dazu, dass ein Dach-Ausbau zu einer anderen Einstufung führe und auch einen anderen Brandschutz erforderlich mache. Aber dafür müsste, wenn es relevant werde, sowieso ein weiterer Bauantrag gestellt werden.

Menschen

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Mitglieder der FFW Kemnath selbst setzten sich in einem Abstimmungsgespräch mit dem Architekten und beim Besuch der öffentlichen Fraktionssitzungen vehement für die breitere Variante ein. „Wenn diese den Zuschlag bekommt, stehen wir 100-prozentig hinter dem Entwurf“, sagte der Kemnather FFW-Vereinsvorsitzende Manfred Scherl der Mittelbayerischen im Vorfeld der Sitzung.

„Bei einer Feuerwehr sammeln sich mit der Zeit viele Geräte und Geraffel an.“

FW-Stadtrat Florian Meier

Dieser Ansicht schlossen sich Kassier Xaver Wendl und Gruppenführer Andreas Haberl gegenüber der Mittelbayerischen am Rande der Sitzung an. Unterstützung erhielt die Feuerwehr in ihrer Argumentation auch durch FW-Stadtrat Florian Meier. Aus eigener Erfahrung als Feuerwehrmann weiß er: „Bei einer Feuerwehr sammeln sich mit der Zeit viele Geräte und Geraffel an.“

Schließlich mussten sich die Stadtväter- und mütter noch grundsätzlich entscheiden: Holzbau oder massiver Beton- oder Ziegelbau. Aus energetischen Gründen legte Architekt Steidl die Holzbauweise nahe. Sie sei zwar zunächst um etwa 22 000 Euro teurer. Dies würde sich aber bei dem beabsichtigten, späteren Dachausbau wieder ausgleichen.

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Die überarbeitete Kostenschätzung belief sich zunächst auf 698 000 Euro. Inklusive breitem Flur und Holzbau-Ausführung kämen rund 730 000 Euro zusammen, errechnete 2. Bürgermeisterin Margit Reichl. In der Summe enthalten ist eine Förderung von 115 000 Euro. Abgezogen werden muss noch die Eigenleistung der Feuerwehr. Diese wird mit 110 000 Euro angegeben. Damit bleibt eine Investitionssumme von 620 000 Euro übrig.

Das Kemnather FFW-Haus und das Raumprogramm

  • Raumprogramm:

    Basis für die Planung des Kemnather Feuerwehrhauses ist das Raumprogramm der Regierung für Gerätehäuser. Die Planung sieht im Erdgeschoss eine Fahrzeughalle mit zwei Stellplätzen, einem Büro, einem Lager, einer Werkstatt, Umkleiden für 42 Spinde, Sanitärraume für Damen und Herren mit WC und Duschen und einem Hausanschlussraum vor.

  • Dachausbau:

    Ins Dachgeschoss gelangt man mittels einer Einschubtreppe. Der Dachraum bleibt als nicht ausbaufähig liegen, weil er nicht förderfähig und nicht im Raumprogramm der Regierung enthalten ist.

  • Dorferneuerung:

    Der Bau des FFW-Hauses Kemnath erfolgt im Zuge der Dorferneuerung. Für diese sind insgesamt 1,7 Millionen Euro veranschlagt.

Damit konnten die Stadträte leben. Zumal alle Fraktionssprecher – Martin Scharf (FW), Margot Weber (SPD) und Alexander Trinkmann (CSU) – auf die energetischen Vorteile, den ökologischen Aspekt der Holzbauweise und die damit verbundene Einsparung des klimaschädlichen Kohlendioxids hinwiesen. Schließlich gab der Stadtrat einstimmig, mit 21:0-Stimmen, grünes Licht für das neue Feuerwehr-Gerätehaus im Ortsteil Kemnath.

Damit verbunden ist auch schon ein Bauzeitenplan. Der Rohbau soll im Frühjahr 2020, beziehungsweise nach Erteilung der Baugenehmigung, erstellt werden. Der Innenausbau ist für Juli/August nächsten Jahres vorgesehen. Im August/September sollen die Außenanlagen gestaltet werden. Weihnachten 2020 sollen die Floriansjünger im neuen Heim feiern können.

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