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Lokalgeschichte

„Spatz“ wird zum „Burgfalken“

1958 stellte die Segelflugzeug-Firma von Martin Dahmen aus Burglengenfeld auch Kleinwagen her. Ein Exemplar wird in den USA versteigert.
Von Harald Kuchler

  • Der „Burgfalke FB 250“ von 1958 wurde womöglich in Burglengenfeld gebaut. Fotos: Microcar Museum
  • Der Tacho des „Burgfalke“
  • Das „Burgfalke“-Emblem
  • Blick auf Steuerrad und Innenraum
  • Der 250-ccm-Motor brachte 14 PS Leistung.

Burglengenfeld. Er ist klein, drahtig und trotz seiner 55 Jahre ist der blaue Lack noch nicht ab. Der Name des kecken Auto-Zwerges war ursprünglich „Spatz“. In Burglengenfeld mutierte er dann zum Falken. Zum „Burgfalken“, genauer gesagt. Denn unter dieser Markenbezeichnung stellte die Burglengenfelder Segelflugzeugfirma Dahmen im Jahre 1958 auch einige Exemplare eines zweitaktigen Kleinwagens her. Mitte Februar 2013 wird nun ein „Burgfalke FB 250“ im „Microcar-Museum“ von Bruce Weiner, in Madison im US-Bundesstaat Georgia versteigert. Er ist vielleicht der letzte seiner Art.

Alteingesessene Burglengenfelder erinnern sich zwar an die Firma Dahmen und ihre Segler. Aber dass in den Werkshallen am Galgenberg Ende der 50er Jahr auch Autos zusammengeschraubt worden sein sollen, das erstaunt auch Kenner der Lokalhistorie. Hinweise auf eine solche Produktion gab aber vor kurzem ein Artikel von „Spiegel online“, in dem auf die Versteigerung der „Microcar“-Kollektion von Bruce Weiner hingewiesen wurde.

Burgfalke stand am Marktplatz

Die Unterschrift unter einem Foto des „Burgfalken FB 250“ aus dem Auktionskatalog lautete: „Von diesem Auto aus Burglengenfeld in der Oberpfalz wurden nur wenige Exemplare hergestellt. Das offene Wägelchen bot je nach Leibesfülle zwei bis drei Personen Platz. Als Motor tuckerte ein Einzylinder-Zweitakter mit 248 Kubik und 14 PS unter der Karosserie.“ Ein kurzer Eintrag in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia unterstützt die Angaben: Unter dem Stichwort „Burgfalke“ heißt es dort lapidar: „Das Unternehmen aus Burglengenfeld, das ansonsten Segelflugzeuge herstellte, übernahm 1958 von den Victoria-Werken die Produktionsanlagen des Victoria 250 und begann mit der Produktion von Automobilen. Der Markenname lautete Burgfalke. Im gleichen Jahr endete die Produktion nach nur wenigen hergestellten Exemplaren. Außerdem übernahm das Unternehmen die Ersatzteilversorgung für Spatz und Victoria 250.“

Eine Anfrage bei der Stadt Burglengenfeld bestätigt diese Informationen aber nur teilweise. Pressereferent Michael Hitzek durchforstete zusammen mit Stadtarchivar Dr. Thomas Barth und Bürgerbüro-Leiter Gerhard Schneeberger die Akten im Rathaus nach dem Stichwort „Burgfalke“. Und dabei stießen sie auf den Namen Martin Dahmen. Der aus Sachsen stammende Ingenieur hatte im April 1945 die in Mossendorf geborene Klothild Steindecker geheiratet. Am 10. Oktober 1951 hat Martin Dahmen zusammen mit dem damals in Bad Tölz wohnhaften Ingenieur Gerhard Siegel bei der Stadt Burglengenfeld offiziell die „Burgfalke Flugzeugbau oHG“ als Gewerbe angemeldet. Art des Betriebs: „Bau von Segelflugzeugen“. Betriebsräume und Verwaltung befanden sich laut Gewerbe-Kartei in der Straße Am Galgenberg. Von Autos sei in den Rathaus-Akten aber nicht die Rede, so Hitzek.

Dass in Burglengenfeld in den 1950er Jahren tatsächlich Autos hergestellt wurden, ist also zumindest nach Aktenlage im Rathaus nicht belegbar. Doch es gibt zumindest einen Augenzeugen, der als Jugendlicher einen „Burgfalken“ auf dem Marktplatz von Burglengenfeld gesehen hat: Raimund Geigl (68), Nachfahre der Kinobesitzer-Familie Geigl, erinnert sich: „So ein Auto hat öfters vor unserem Haus am Marktplatz 23 gestanden.“ In dem Haus waren schon seit 1929 die Rößl-Lichtspiele, und ab 1957 die Teli-Lichtspiele untergebracht. Nach dem Krieg diente der Kinosaal auch einige Jahre lang zur Herstellung von Leitwerken für die Segelflugzeugfirma Dahmen.

Schätzwert bis 35 000 Dollar

Wenn es eine Autoproduktion gab, dann war sie am Galgenberg untergebracht, glaubt Geigl. „Drin war ich allerdings nicht.“ Damals sei so ein Auto wie der „Burgfalke“ gar nicht besonders aufgefallen, so Geigl. „Das hat niemanden vom Hocker gerissen, skurrile Kleinwägen gab es damals viele. Mein Vater hat zum Beispiel ein Dreirad-Auto gefahren.“

Der „Burgfalke“, der vielleicht in Burglengenfeld hergestellt wurde, war die letzte Stufe in der Entwicklung eines Kleinwagens, der seine Karriere unter dem Namen „Spatz“ begonnen hatte. Der Stuttgarter Konstrukteur Egon Brütsch schuf 1954 unter dieser Bezeichnung ein dreirädriges Mobil mit einer Kunststoffkarosserie. Weiterentwickelt zu einem Roadster mit vier Rädern wurde es von der Werkzeugmaschinenfirma Alzmetall aus dem oberbayerischen Altenmarkt an der Alz. Deren Mitinhaber Harald Friedrich gründete mit den Victoria Zweirad-Werken in Nürnberg zum Vertrieb des Kleinwagens die Bayerischen Autowerke GmbH (BAW).

Der Wagen wurde weiter verbessert und unter dem Namen „Victoria 250“ mit einem 250-ccm³-Einzylinder-Zweitakter-Motor und 14 PS verkauft. Die Serien-Produktion des bis zu 100 km/h schnellen Gefährts lief im Juni 1957 an. 729 Stück wurden davon in Nürnberg gefertigt.

Danach übernahmen die Segelflugzeugwerke von Martin Dahmen die Produktionsanlagen und man taufte den Flitzer in „Burgfalke“ um.

Womöglich gab es eine solche Produktion von Autos oder Autoteilen auch in Obermurnthal, einem Stadtteil von Neunburg vorm Wald. Auch dieser Standort der Firma Burgfalke wird in einem Wikipedia-Eintrag genannt. Hans Steinsdorfer, der im benachbarten Kröblitz bei der Bahn gearbeitet hatte, berichtet dazu der MZ, dass vom Bahnhof Kröblitz aus in den 60er Jahren Ersatzteile für „Spatz“-Autos in alle Welt verschickt wurden...

Insgesamt sollen etwa 1600 Exemplare von Spatz/Victoria/Burgfalke hergestellt worden sein. Zwei Dutzend davon haben nach dem Standardwerk „Kleinwagen international“ von Walter Zeichner (1999) „bis in unsere Tage überlebt“.

Wie der jetzt zur Versteigerung anstehende „Burgfalke“ nach Amerika gekommen ist, lässt sich kaum nachvollziehen. Eine E-Mail-Anfrage der MZ an das Museum zur Geschichte des „Burgfalke“-Exemplars blieb bis dato unbeantwortet. Der Sammler Bruce Weiner, ein Manager des US-Kaugummi-Herstellers „Dubble Bubble“, begann laut „Spiegel online“ vor mehr als 15 Jahren damit, Kleinstwagen zu sammeln: „Vornehmlich Exemplare aus der Zeit von 1945 bis 1965, motorisiert von Maschinchen mit höchstens 700 Kubik und mit nicht mehr als zwei Türen.“

Über die Jahre trug Weiner rund 200 solcher Kleinodien in seinem Museum in Madison im US-Staat Georgia zusammen, darunter auch viele Messerschmitt-Kabinenroller, Isettas und Goggomobile.

Die Kollektion gilt als die aktuell größte dieser Art weltweit.

Jetzt trennt sich Weiner jedenfalls von seiner kuriosen Liliput-Kollektion. Am 15. und 16. Februar wird die komplette Sammlung vor Ort versteigert. Wer mitbieten will, kann sich auf der Homepage des Museums registrieren lassen. Der Schätzwert des „Burgfalke FB 250“ liegt bei 25 000 bis 35 000 Dollar...

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