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Sonntag, 19. August 2018 30° 2

Politik

SPD punktet mit Frauenpower

Landeschefin Natascha Kohnen erörterte in Burglengenfeld mit Ministerin Svenja Schulze eine ganze Liste von Umweltthemen.
Von Thomas Rieke

Zwei aktuelle Aushängeschilder der SPD erklären, wie sie zur Politik gekommen sind, wofür sie stehen und wofür sie kämpfen: SPD-Landeschefin Natascha Kohnen (links) und Umweltministerin Svenja Schulze. Fotos: Rieke
Zwei aktuelle Aushängeschilder der SPD erklären, wie sie zur Politik gekommen sind, wofür sie stehen und wofür sie kämpfen: SPD-Landeschefin Natascha Kohnen (links) und Umweltministerin Svenja Schulze. Fotos: Rieke

Burglengenfeld. Wie erreicht man in turbulenten Zeiten wie diesen die Wähler? Vor allem die enttäuschten, die sich von den etablierten Parteien im Stich gelassen fühlen und sich deshalb von der Politik entweder ganz abwenden oder Populisten in die Hände laufen? Diese Frage treibt viele, die was bewegen wollen, um. Zum Beispiel Natascha Kohnen. Die Chefin der bayerischen SPD hat deshalb ein neues Wahlkampf-Format kreiert. Dabei erklärt sie in Anekdoten aus ihrem Leben nicht nur, wie sie selbst zum Homo Politicus geworden ist und was ihre Ziele sind, sie bringt stets auch einen weiteren prominenten Mandatsträger mit, um mit ihm heiße Eisen zu erörtern – und sich den Fragen der Zuhörer zu stellen.

„Für Peter lohnt es sich...“

„KohnenPlus“, so der Name der Serie, die Mitte März startete und als Pendant zu „Söder persönlich“ verstanden werden kann, kommt gut an und machte am Montag Station in Burglengenfeld, nicht zuletzt um den örtlichen Landtagskanidaten Peter Wein zu unterstützen. Als weiteres Zugpferd hatte Kohnen Bundesumweltministerin Svenja Schulze eingespannt. Niemand konnte sich spontan erinnern, wann es zuletzt in Burglengenfeld ein ähnliches Aufgebot an politischer Prominenz gegeben hatte. Das Interesse war entsprechend groß. Das Stadthallen-Restaurant konnte die Schar der Besucher kaum fassen; eilig wurden zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt.

„Für mich ist es eine Ehre, solche Hochkaräter begrüßen zu dürfen“, sagte Wein. Kohnen revanchierte sich, indem sie Wein tolles Engagement bescheinigte. „Für Peter lohnt es sich, Tag und Nacht zu rennen!“

Eine Landes- und eine Bundespolitikerin in Burglengenfeld. Wie stellt man da wenigstens halbwegs lokalen Bezug her? Kein Problem! Kohnen berichtete, ihre erste „wirkliche Begegnung mit Politik und der Exekutive“ seien die Ereignisse in den 1980er Jahren in Wackersdorf gewesen. Sie besuchte damals die 12. Klasse eines Münchner Gymnasiums, als einer ihrer Lehrer die Idee hatte, zwei Busse für eine Fahrt zum WAA-Gelände zu chartern. Der Einsatz von CS-Gas und Polizeiknüppel, die selbst vor Frauen und älteren Leuten keinen Halt machten, – das erschütterte Kohnen. „In so einem Land“ wollte sie nicht leben. Auch für Svenja Schulze war das Atom-Thema der Einstieg, denn: „Da ist etwas, was man nicht in den Griff kriegt.“

Gastgeber Peter Wein (Zweiter von links) mit Ministerin Schulze, SPD-Landeschefin Kohnen (rechts), MdB Marianne Schieder und Ex-Landrat Hans Schuierer Foto: Rieke
Gastgeber Peter Wein (Zweiter von links) mit Ministerin Schulze, SPD-Landeschefin Kohnen (rechts), MdB Marianne Schieder und Ex-Landrat Hans Schuierer Foto: Rieke

Die Besucher erfuhren viele weitere Details, die die beiden Damen veranlassten, sich politisch zu engagieren. Der Kampf um erweiterte Kinderbetreuung oder für ein günstiges Studententicket im ÖPNV sollten wohl zeigen: Seht, wir haben dieselben Probleme wie ihr! Und wir setzen uns für deren Lösung ein. Umweltthemen bestimmten den weiteren Verlauf der Plauderei am Podium: Schulze, die aus Nordrhein-Westfalen stammt, schilderte, wie schwierig es für sie ist, den Menschen, die im Kohleabbau stets mehr gesehen haben, als „nur Arbeit“, die Notwendigkeit des Ausstiegs zu vermitteln. Sie erklärte, wie es so weit kommen konnte, dass Deutschland den Titel des Klimaschutz-Weltmeisters verlor. Und sie verriet, weshalb es sie unheimlich wurmt, dass „der Diesel“ so in Verruf geraten ist. Schließlich hätte er auch seine Vorteile. Sie werde, so versprach sie, nicht nachlassen, auf die Industrie Druck auszuüben, damit wenigstens Euro-5-Modelle mit Hardware nachgerüstet werden. Juristischen Hebel habe sie dafür keinen.

Von Seehofer die Nase voll

Kohnen beklagte, dass Deutschland bei der E-Mobilität schlicht „gepennt“ habe. Nun sei es nur eine Frage der Zeit, wann auch in München Fahrverbote verhängt würden. Zur Entlastung der Straßen plädierte sie für den stufenweisen Einstieg in einen kostenfreien ÖPNV. Schließlich beklagte sie, dass die Windkraft in Bayern am Boden liege. Schuld sei die H-10-Regelung, die die CSU durchgesetzt habe. „So aber kannst du eine Energiewende nicht aufbauen!“

Hans Mielke, Ehrenmitglied des Burglengenfelder SPD-Ortsvereins, wollte wissen: „Wie lange lasst ihr euch das (von Seehofer) noch gefallen?“ Foto: Rieke
Hans Mielke, Ehrenmitglied des Burglengenfelder SPD-Ortsvereins, wollte wissen: „Wie lange lasst ihr euch das (von Seehofer) noch gefallen?“ Foto: Rieke

In der Fragerunde meldeten sich zehn Besucher zu Wort, darunter Hans Mielke. Das hochbetagte Ehrenmitglied des SPD-Ortsvereins Burglengenfeld lenkte die Aufmerksamkeit auf das Thema, das die Schlagzeilen in den letzten Wochen wie kein zweites dominierte: der Streits zwischen CDU und CSU in der Asyldebatte. „Wie lange lasst ihr euch das noch gefallen?“, wollte Mielke wissen.

Kohnen enttäuschte ihn mit ihrer Antwort nicht: „Wenn du mich fragst – es reicht!“ Innenminister Horst Seehofer sei „außer Rand und Band“ gewesen und habe den Staat an den Rand einer Krise gebracht. Für den Wiederholungsfall kündigte Kohnen an, sie werde als stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD „echt Rabatz machen“.

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„Kämpfen, kämpfen, kämpfen“

  • Kandidat Peter Wein:

    Der 30-jährige Diplom-Finanzwirt, Student der Politikwissenschaft und Burglengenfelder Stadtrat hatte im Februar bei der Nominierungsversammlung der Oberpfälzer SPD mit Listenplatz vier vorliebnehmen müssen, was seine Chancen, ins Maximilianeum einzuziehen, schmälert.

  • Optimismus:

    Doch Wein gibt sich zuversichtlich: „In den nächsten zwei Monaten werde ich kämpfen, kämpfen, kämpfen!“ Und: Durch die Addition von Erst- und Zweitstimmen seien Verschiebungen möglich. Von jüngsten Umfrageergebnissen, die belegen sollen, dass sich die SPD in einem absoluten Tief befinde und hinter die AfD zurückzufallen drohe, lässt sich der Burglengenfelder nicht verrückt machen. Man tue gut daran, solche Auswertungen „nicht überzubewerten“.

  • Mitte August erwartet Wein mit dem Generalsekretär der Bayern-SPD, Uli Grötsch, weitere Schützenhilfe. (ht)

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