mz_logo

Region Schwandorf
Samstag, 18. August 2018 29° 4

Leidenschaft

„Spitzer Wolf“ kam nie zu spät

Die MZ-Zusteller müssen jeden Morgen früh aufstehen. Mehr als 50 Jahre war Wolfgang Spitzer unterwegs – und genoss es.
Von Randolf Alesch

Das Traktorfahren und Zeitungsaustragen zählte zu den Hobbys von Wolfgang Spitzer. Foto: Alesch
Das Traktorfahren und Zeitungsaustragen zählte zu den Hobbys von Wolfgang Spitzer. Foto: Alesch

Erzhäuser.Auch wenn sie immer sehr früh aufstehen mussten, liebten Wolfgang und Johanna Spitzer ihren Job. Ganze 50 Jahre haben sie dafür gesorgt, dass die Leser aus Erzhäuser morgens pünktlich ihre Mittelbayerische Zeitung erhalten haben. Vor fünf Jahren, im hohen Alter von 83 Jahren und nach einem halben Jahrhundert treuen Dienst, war dann für den „Spitzer Wolf“, wie er von den Dorfbewohnern genannt wird, mit dem Zeitungsaustragen Schluss. Er ging damit endgültig in den Ruhestand – 22 Jahre nach seiner Rente.

Wolfgang und Johanna Spitzer waren zeitweise die dienstältesten MZ-Austräger im Vertriebsbezirk Schwandorf und Vilstal und wurden dafür 2012 von der Mittelbayerischen Zeitung in Büchelkühn geehrt. Für sie war das Zeitungsaustragen stets mehr als ein Hobby. Es war auch eine Leidenschaft, draußen an der frischen Luft unterwegs und in Bewegung zu sein. Geboren wurde Spitzer am 25. November 1929 in Erzhäuser, wo er auch zusammen mit seiner Schwester und drei Brüdern, aufwuchs.

Nach Beendigung der Schulzeit in der Pentinger Volksschule war er zunächst bei der Baufirma Ellert und später im Bodenwöhrer Hüttenwerk beschäftigt. Nach Schließung des Hüttenwerkes im Jahr 1971 fand er wiederum eine Anstellung beim Bauunternehmen Ellert, wo er bis zur Rente im Jahr 1990 überwiegend im Kanalbau eingesetzt war. Seit seinem Ruhestand hat Spitzer auch mehr Zeit für seine Hobbys. Zum einen ist er gern in der Natur, begeistert sich für die Arbeit an seinen Fischweihern und liebt es, Holz zu machen. Glücklich verheiratet ist er seit 1954 mit seiner Ehefrau Johanna, geborene Stangl, aus Neunburg. Aus der Ehe gingen drei Buben hervor. Zwischenzeitlich ist er stolzer Opa von vier Enkelkindern.

An der Haustüre abgerechnet

Angefangen hat die „MZ-Karriere“ 1963 mit dem gleichnamigen Sohn Wolfgang, der sich während der Schulzeit etwas dazu verdienen wollte und mit dem Zeitungsaustragen begonnen hat. „Anfangs musste er noch das Geld für die Zeitung bar an der Haustür kassieren“, erinnert sich Spitzer schmunzelnd, „da gab es dann hin und wieder Probleme mit dem Wechselgeld“. Später übernahmen die Brüder Willibald und Siegfried den Job. Als die das berufsbedingt nicht mehr machen konnte, sprang der Vater ein. Er verteilte die MZ sogar, als er noch beim Hüttenwerk in Bodenwöhrer und nach dessen Schließung bei der Baufirma Ellert in Blechhammer arbeitete.

Viele Jahre lang sorgte Wolfgang Spitzer dafür, dass die MZ pünktlich im Briefkasten lag. Foto: Alesch
Viele Jahre lang sorgte Wolfgang Spitzer dafür, dass die MZ pünktlich im Briefkasten lag. Foto: Alesch

Wenn er mal krank war, was selten vorkam, sprang seine Frau Johanna ein. Sechsmal die Woche hat mitten in der Nacht um 2.30 Uhr der Wecker geklingelt. „Dann habe ich im Bett noch gewartet, bis ich den Zeitungsmann gehört habe, der mir immer die Mittelbayerische in die Zeitungsbox gelegt hat“, so Spitzer im Gespräch mit unserem Medienhaus. Dieser Rhythmus hat sich nicht mehr geändert. Spitzer wollte das so. Das frühe Aufstehen habe ihm schließlich nichts ausgemacht, dafür ist er auch immer recht früh ins Bett gegangen.

„Ich musste rund 30 Haushalte in ganz Erzhäuser bis zum „Kolm“ in Pingarten versorgen und wollte die Zeitungen immer bis spätestens um 5 Uhr bei den Lesern abliefern, denn danach musste ich ja noch in die Arbeit“, erzählt Spitzer. Jeden Tag war er knapp eine Stunde für die rund sieben Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs. Für ihn war das gleichzeitig ein guter Morgensport.

Jeden Morgen Sport gemacht

Nur wenn im Winter der Schnee mal zu hoch lag, musste er zu Fuß gehen und es dauerte etwas länger. „Manchmal war so viel Schnee gefallen, dass ich das Rad ohne Ständer hineinstellen konnte, und es fiel dennoch nicht um“, erinnert sich Spitzer. Die frische Luft härtete ihn ab – und seinen Job als Austräger wollte Spitzer nie hergeben. „Es ist nie vorgekommen, dass die Zeitung nicht ausgetragen wurde, schließlich warteten die Leute drauf“, sagt Johanna Spitzer. Zu spät ist der „Spitzer Wolf“ auch nur gekommen, wenn der Zeitungsmann Verspätung hatte. „Im Winter ist es schon mal vorgekommen, dass wir wegen der schlechten Straßenverhältnisse mal auf ihn warten mussten“, ergänzt seine Frau. Charaktereigenschaften wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit standen bei Wolfgang Spitzer hierbei immer an vorderster Stelle.

Als er dann vor fünf Jahren mit dem Zeitungsaustragen aufhörte, habe er anfangs die Arbeit in der Nacht schon ein wenig vermisst, meinte Spitzer und muss dabei lachen.

So kommt die Zeitung in den Postkasten

  • Druckzentrum:

    Hier werden die Zeitungen druckfrisch über Laufbänder in wartenden Transporter geführt.

  • Anlieferung:

    Transporter bringen die Zeitungen in die einzelnen Gebiete und geben sie so an die Zusteller weiter.

  • Zusteller:

    Alle Infos zu den Zustellern und Verdienstmöglichkeiten gibt es auf der Seite www.m-zusteller.de.

Weitere Nachrichten aus Bodenwöhr lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht