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Freizeit

Stadt baut die Fußballtore ab

Kein Freizeitkick mehr: Ein Anwohner des Bolzplatzes an der Werthstraße in Schwandorf hat sich über Lärm beklagt.
Von Cornelia Lorenz

Ein Anwohner hat sich über lärmende Jugendliche am Bolzplatz an der Werthstraße beschwert. Die Stadt hat die Fußballtore entfernt. Der angrenzende Kinderspielplatz ist nicht betroffen.Foto: scl
Ein Anwohner hat sich über lärmende Jugendliche am Bolzplatz an der Werthstraße beschwert. Die Stadt hat die Fußballtore entfernt. Der angrenzende Kinderspielplatz ist nicht betroffen.Foto: scl

Schwandorf.Schlechte Nachrichten für kleine Fußballfans und ihre Eltern: Vom Bolzplatz an der Werthstraße gleich neben dem Spielplatz ist nur noch die nackte Wiese übrig geblieben – die Stadt hat beide Tore entfernen lassen. Der Grund: Ein Anwohner hatte sich bei der Stadt über Lärm beklagt. „Jede Beschwerde ist zu prüfen, da grundsätzlich der Klageweg offen steht“, sagt Lothar Mulzer, Pressesprecher im Rathaus. Die Tore seien „vorsorglich abgebaut und im Bauhof gelagert“ worden.

In den sozialen Netzwerken hatte diese Maßnahme bei vielen Schwandorfern für Verwunderung und Verärgerung gesorgt. „Der Bolzplatz wurde viel genutzt – das tut mir wirklich leid für die Kinder. Man soll doch echt froh sein, wenn Kinder noch draußen spielen“ – mit diesem Statement brachte eine Userin in der Diskussion um den Sinn der Aktion die Meinung vieler auf den Punkt.

Pachtvertrag seit 1989

Warum der Bolzplatz ausgerechnet jetzt zum Stein des Anstoßes wurde, ist eine Frage, die sich einige Anwohner stellen. Schon seit Jahrzehnten treffen sich hier Kinder zum Fußballspielen. Der Pachtvertrag der Stadt mit der Pfarrpfründestiftung Sankt Jakob stammt nach Angaben aus dem Rathaus aus dem Jahr 1989.

Lothar Mulzer, Pressesprecher der Stadt Schwandorf. Foto: Archiv
Lothar Mulzer, Pressesprecher der Stadt Schwandorf. Foto: Archiv

Im Moment ist das Bild vor Ort äußerst trist: Der Spielplatz mit seinen bunten Geräten ist zwar nach wie vor geöffnet, doch der Bolzplatz ist nur noch eine gewöhnliche Wiese. Der alte Ballfangzaun, der einst das Gelände einrahmte, stammt aus dem Jahr 2007. Er war bereits stark beschädigt und ist deshalb bereits im Herbst 2017 abgebaut worden. Die Stadt hatte nach Angaben von Mulzer geplant, ihn im Mai durch einen neuen Zaun zu ersetzen – und hätte dafür auch rund 22000 Euro investiert. „Aufgrund der Beschwerde wurde das Projekt zurückgestellt, um rechtlich relevante Fragen bezüglich des Bolzplatzes zu klären“, sagt Mulzer.

„Für den Anwohner sind lärmende Jugendliche das Hauptärgernis.“

Lothar Mulzer, Pressesprecher der Stadt

Das Beschwerdeschreiben liegt im Rathaus seit Juni vor. Für den Anwohner seien „lärmende Jugendliche das Hauptärgernis“, erklärt der städtische Pressesprecher. Nun gehe es darum, die vorgebrachten Argumente zu prüfen und zu bewerten. Inwiefern diese stichhaltig sind, muss sich zeigen. Das Gebiet, in dem der Bolzplatz liegt, sei natürlich anders einzuschätzen als die Lage in einem reinen Wohngebiet. Lärmrichtwerte müssten aber auch in Ortsrandlagen eingehalten werden, sagt Mulzer.

Eine Prognose, zu welchem Ergebnis die Stadt nach der Prüfung der Beschwerde kommen könnte, will man im Rathaus derzeit noch nicht wagen. „Eine Einschätzung zu den Erfolgsaussichten der Nachbarbeschwerde ist beim derzeitigen Verfahrensstand nicht möglich“, kommentiert Mulzer. Wie aber die Rechtsprechung in gleich gelagerten Fällen zeige, müsse die Beeinträchtigung durch einen Bolzplatz oder Jugendspielplatz schon erheblich für die Nachbarn sein, um ihn komplett stillzulegen. Stattdessen könne die Beschränkung der Betriebszeiten ein probates Mittel sein, um Beeinträchtigungen für die Anwohner zu reduzieren. Die Verhältnismäßigkeit bei diesen Maßnahmen müsse gewahrt bleiben.

„Die Kinder dürfen dort auf der Spielwiese auch Fußball spielen.“

Lothar Mulzer, Sprecher der Stadt

Bis klar ist, wie es am Bolzplatz weitergeht, darf das Areal nach Angaben aus dem Rathaus weiter genutzt werden. „Die Kinder dürfen dort auf der Spielwiese auch Fußball spielen. Es gibt kein Verbot“, betont Mulzer. Man habe lediglich vorsorglich die Tore abgebaut, bis die Sach- und Rechtslage geklärt sei. Auch die Spielgeräte können ganz normal weiter genutzt werden, da der Kinderspielplatz nicht im Fokus der Beschwerde des Anwohners stehe.

Verwunderung bei Anwohnern

Welchen Geräuschpegel Anwohner als störend empfinden, ist naturgemäß bei jedem anders. In den sozialen Netzwerken kann kaum ein User die Beschwerde über den Bolzplatz nachvollziehen – und auch auf die Nachfrage der MZ vor Ort ergab, dass sich so mancher Anwohner über die Klage wundert. Ab und an sei es ein wenig lauter gewesen, aber von Lärmbelästigung könne man nicht sprechen. Die Regel seien solche Klagen wie jene im Fall Werthstraße nicht, sagt Mulzer. Insgesamt unterhält die Stadt 42 Spiel- und Bolzplätze. Beschwerden von Anwohnern kämen lediglich „vereinzelt“ vor.

Die Anlage an der Werthstraße ist eine von 42 Spiel- und zwölf Bolzplätzen. Foto: scl
Die Anlage an der Werthstraße ist eine von 42 Spiel- und zwölf Bolzplätzen. Foto: scl

Viel gravierender ist für die Stadt das Thema Vandalismus auf den Anlagen. „Von herausgerissenen Mülleimern über zertrümmerte oder angezündete Sitzbänke bis hin zu gefährlichen Beschädigungen an Kletterseilen und vergrabenen Glasscherben bei Kinderrutschen ist alles dabei“, heißt es aus dem Rathaus. Zwischen 12000 und 18 000 Euro müsse die Stadt jährlich für Ersatzteile und die anfallenden Personalkosten ausgeben.

Viel zu tun für die Stadt

  • Bilanz:

    Die Anlage an der Werthstraße ist eine von 42 Spiel- und zwölf Bolzplätzen.

  • Aufgabe:

    Die Stadt lässt sich diese Anlagen pro Jahr rund 270 000 Euro kosten.

  • Posten:

    Nötig sind Ersatzteile, Sicherheitsprüfungen und Neuanschaffungen.

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