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Trauerkultur

Stadtrat Nittenau billigt Naturfriedhof

Das kommunale Gremium entscheidet sich für einen Bebauungsplan in Sachen Naturfriedhof. Der Bestattungstrend behagt aber längst nicht allen.
Von Simone Grebler

  • Ein Friedwald als letzte Ruhestätte – so ganz kann sich der Nittenauer Stadtpfarrer Adolf Schöls damit nicht anfreunden. Foto: dpa
  • Grabsteine versus Baum: Zwei sehr unterschiedliche Varianten für die letzte Ruhestätte soll es künftig auch in Stefling geben. Foto: dpa

Nittenau.Der Andrang im Sitzungssaal des Rathauses war so groß, dass Mitarbeiter der Stadt noch eifrig Stühle in den Saal schleppten. Grund des Interesses an der ersten Stadtratssitzung im Jahr 2014 war vor allem der zweite Punkt auf der Tagesordnung: der geplante Naturfriedhof Schlosswald in Stefling. Dazu waren auch Vertreter der Schlosswald GmbH gekommen. Martin Schöberl informierte darüber, dass nun über den nächsten Schritt, die Aufstellung des Bebauungsplans, entschieden werden müsse. Im weiteren Verfahren kämen dann die Träger öffentlicher Belange zu Wort.

„Der Bedarf ist wohl gegeben“, sagte Bürgermeister Karl Bley. Stadtrat Andreas Weigl merkte an, dass man vonseiten der Freien Wähler grundsätzlich für diese Friedhofsvariante sei, aber die Rechtssicherheit im Auge haben müsse. „Der Abstand zu den Grenzen der Waldbesitzer müsste vertraglich vereinbart werden, damit bei einem Unfall abseits des Wegs die Haftungsfrage geklärt ist“, sagte Weigl. Er hätte dies gern vorab festgelegt, um die Schuldfrage einwandfrei zu klären. Die Verantwortlichen der Schlosswald GmbH, Ferdinand Graf von Drechsel und Projektleiter Jürgen Kölbl, beteuerten gegenüber den Räten, dass die Verkehrssicherung selbstverständlich überprüft werde.

Sind 18 Hektar zu viel?

Positiv steht die SPD dem Projekt gegenüber: „Wir glauben auch, dass man einsteigen sollte, sofern die haftungsrechtlichen Fragen geklärt sind“, so Jürgen Kuprat. Auch Franz Probst (Die Grünen) war dafür, das Projekt auf den Weg zu bringen.

Lediglich Berthold Schreiner (CSU) äußerte sein Unbehagen gegenüber dem Friedhof: „Abgesehen von den haftungsrechtlichen Fragen finde ich das Areal von der Größe her überdimensioniert.“ 18 Hektar sind nach seiner Meinung schwieriger auszuweisen als ein Hektar. Außerdem befinde sich das Gelände mitten im Landschaftsschutzgebiet. „Und es entspricht auch nicht unserer Kultur der Beisetzung“, sagte Schreiner. Bei einem Baum begraben zu werden, um darin aufzugehen, halte er für einen Trend, dem man nicht hinterherlaufen solle. „Ich kann das nicht unterstützen.“

Stadtrat Andreas Weigl merkte an, dass man sich auch bei Stadtpfarrer Adolf Schöls erkundigen sollte, was er von dem Naturfriedhof hält. Auf Anfrage der MZ sagte Schöls, dass sich seine Begeisterung in Grenzen halte. „Es werden die wichtigsten Punkte erfüllt: Der Bereich wird abgegrenzt, ein Kreuz wird angebracht, der Name ist sichtbar und es gibt ein kleines Kreuz am Grab. Damit werden dort auch katholische Beerdigungen stattfinden“, sagt Schöls. Dennoch sehe er durch die Veränderung der Bestattungskultur auch viele Probleme auf die Stadt zukommen. Etwa wenn Trauernde am Naturfriedhof Kerzen aufstellen oder etwas ablegen wollen, obwohl es verboten ist. „Das geht zwar nicht, aber man wird es kaum verhindern können“, so Schöls.

Neuer Bestattungstrend

Zudem frage er sich, wie ältere Menschen auf den Waldwegen zu den Gräbern kommen sollen. Schöls sagte, er sträube sich nicht dagegen, die Bestattungen dort vorzunehmen, doch er werde deshalb sicher keine Freudensprünge machen. Seiner Meinung nach ist ein solcher Friedwald derzeit ein Trend, der auf viele Alleinlebende zurückzuführen ist. „Aber wir haben in der katholischen Lehre auch eine Steinkultur. Es werden Grabsteine aufgestellt“, sagt Schöls und verweist darauf, dass dies im neuen Friedhof nicht möglich sei. Trotz allem werde die Schlosswald GmbH alle Vorgaben einhalten und dann sei es vonseiten der Kirche auch möglich, dort Bestattungen vorzunehmen.

Die Stadträte stimmten in der Sitzung am Dienstag mit zwei Gegenstimmen für die Aufstellung des Bebauungsplans und für die Änderung des Flächennutzungsplans. Damit ist der nächste Schritt in Richtung Naturfriedhof Schlosswald Regental getan.

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