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Kurs

Sterbenden mutig beistehen

Vielen Menschen macht das Thema Tod Angst. Beim Hospizverein lernen sie, wie man Todkranken Zuwendung schenken kann.
Von Cornelia Lorenz

Wie man Sterbenden beistehen kann, erfahren die Teilnehmer der Kurse „Letzte Hilfe“. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Wie man Sterbenden beistehen kann, erfahren die Teilnehmer der Kurse „Letzte Hilfe“. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Schwandorf.Die eigene Sterblichkeit oder die traurige Tatsache, dass Angehörige nicht mehr lange zu leben haben – das sind Themen, mit denen die wenigsten Menschen gut und unbefangen umgehen können. Doch das kann man mit Hilfe des Hospizvereins für Stadt und Landkreis Schwandorf ändern: Er lädt zu Kursen unter dem Motto „Letzte Hilfe“ ein. Die Teilnehmer lernen, was sie für ihnen nahe stehende Menschen, die bald sterben werden, tun können. „Wir möchten Grundwissen an die Hand geben und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden. Denn Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen“, heißt es beim Hospizverein.

Als Hospizbegleiterinnen aktiv

Als Referentinnen sind Hospizbegleiterin Bettina Simmel sowie Hospiz- und Trauerbegleiterin Lieselotte Käss im Einsatz. Käss ist seit 2005 als Hospizbegleiterin aktiv. „Ich fand es furchbar, dass über das Sterben nicht mehr geredet wird. Das wollte ich ändern“, sagt sie. Die Stullnerin ist Jahrgang 1948 und erinnert sich noch gut daran, dass es früher in der Gesellschaft anders war. „Da gehörte das Sterben noch zum Leben dazu und war etwas Selbstverständliches“, sagt sie.

„Sie wollen über das Thema Tod reden, weil es sonst nirgends die Gelegenheit dazu gibt.

Lieselotte Käss, Trauerbegleiterin

Das will sie auch den Kursteilnehmern vermitteln. Im vergangenen Jahr hat sie für den Hospizverein bereits zehn Kurse zur „Letzen Hilfe“ abgehalten, heuer waren es schon drei. Die Resonanz sei gut, sagt Käss. Manchmal kämen zu einem Termin nur acht Personen, ein andermal seien es 20. „Die Teilnehmer sind nach dem Kurs begeistert – und das tut dann auch mir sehr gut“, sagt sie. Überwiegend seien es Menschen zwischen 40 und 60 Jahren und fast ausschließlich Frauen, die sich zum Kurs anmelden. „Sie wollen über das Thema Tod reden, weil es sonst nirgends die Gelegenheit dazu gibt“, sagt Käss.

Im Kurs „Letzte Hilfe“ ist das anders: Er dauert vier Stunden und behandelt das Thema Sterben und seine verschiedenen Facetten. Die Referentinnen informieren die Teilnehmer zum Beispiel darüber, welche Hilfen Schwerstkranke und ihre Angehörigen in Anspruch nehmen können, wenn der Tod allmählich näher rückt. Die Angebote von stationären Hospizdiensten werden genauso vorgestellt wie die Leistungen der spezialisierten ambulante Palliativversorgung.

Lieselotte Käss (links) und Bettina Simmel (rechts) leiten die „Letzte-Hilfe- Kurse“. Vor allem Frauen interessieren sich für dieses Angebot des Hospizvereins. Archivfoto: ssu
Lieselotte Käss (links) und Bettina Simmel (rechts) leiten die „Letzte-Hilfe- Kurse“. Vor allem Frauen interessieren sich für dieses Angebot des Hospizvereins. Archivfoto: ssu

Ausführliche Informationen bekommen die Kursteilnehmer auch zu Themen wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht. Käss empfiehlt, über solche Aspekte nicht erst zu sprechen, wenn man das Lebensende klar vor Augen hat, sondern besser noch im gesunden Zustand. Sie und ihre Kollegin Simmel werden den Kursteilnehmern auch erklären, wie man einem sterbenden Menschen vor seinem Tod Linderung verschaffen kann. Und auch konkrete Ratschläge für Angehörige, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben, stehen auf dem Kursprogramm. „Jeder hat das Recht, sich gut zu verabschieden“, sagt Käss. Nur müsse man eben vorher Bescheid wissen, was man zum Beispiel verlangen dürfe, wenn ein Angehöriger im Pflegeheim verstorben sei. „Es darf nicht pressieren. Das darf man auch einfordern“, sagt Käss.

Dankbarkeit ist zu spüren

Sie selbst hat als ausgebildete Hospizbegleiterin in den vergangenen Jahren vielen Menschen auf ihrem letzten Weg beigestanden. Mit der psychischen Belastung, die mit solch einer Arbeit verbunden sei, komme sie gut zurecht, sagt sie. „Ich muss mich ja nur danach richten, was der Mensch braucht. Da kommt so viel Dankbarkeit zurück“, sagt sie.

Der Hospizverein für Stadt und Landkreis Schwandorf hat derzeit rund 150 Mitglieder, darunter überwiegend Einzelpersonen, aber auch 13 Institutionen und Firmen. Im vergangenen Jahr haben die knapp 50 ehrenamtlichen Hospizbegleiter des Vereins insgesamt 1368 Begleitstunden geleistet und 642 zusätzliche Stunden für Fortbildungen erbracht. Insgesamt 65 Menschen aus der Region haben sie im vergangenen Jahr auf ihrem letzten weg begleitet.

Derzeit läuft wieder ein sechsmonatiger Kurs, dessen Teilnehmer sich gerade zum Hospizhelfer ausbilden lassen. Für die vierstündigen Kurse in „Letzter Hilfe“ in Nabburg und Neunburg sind noch Plätze frei (siehe Infokasten). Sie gehen nachmittags über vier Stunden, sind kostenlos und vermitteln den Teilnehmern mehr Sicherheit im Umgang mit dem Thema Tod. „Sterbebegleitung ist keine Wissenschaft, die nicht auch in der Familie und der Nachbarschaft möglich ist“, lautet das Credo des Hospizvereins.

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Zwei kostenlose Kurse

  • Der nächste Kurs

    in „Letzter Hilfe“ findet am 12. Juni von 16 bis 20 Uhr in der Grundschule Nabburg statt. Anmeldungen werden bei der VHS Nabburg entgegengenommen. Ein weiterer Kurs folgt am 26. Juni in der Mittelschule Neunburg, Anmeldung bei der VHS Neunburg.

  • Eine Kursgebühr

    fällt nicht an. Allerdings freut sich der Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf über jede freiwillige Spende. Weitere Informationen gibt es in der Geschäftsstelle des Hospizvereins unter der Telefonnummer (0 94 31) 79 98 76.

  • Viele Infos

    und Ansprechpartner rund um das Thema Hospizbegleitung finden Interessierte auf der Homepage des Palliativ-Hospiz-Netzwerks des Landkreises Schwandorf. Die Seite kann unter www.palliativ-hospiz-netz-sad.de aufgerufen werden.

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