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Region Schwandorf
Montag, 23. April 2018 21° 6

Geschichte

Stunden voller Dramatik

Warum der Gründonnerstag nichts mit der Farbe Grün zu tun hat und warum Jesus die Füße wusch, erklärt Pfarrer Andreas Weiß.
Von Philipp Seitz

Nach dem letzten Abendmahl soll sich Jesus am Ölberg auf seinen nahenden Tod vorbereitet und gebetet haben, dass der Kelch des Leidens an ihm vorübergehen möge. Die Kirchenfassade in Bruck stellt diese Szene nach. Foto: Seitz

Gibt es einen speziellen theologischen Grund für die Bezeichnung Gründonnerstag?

„Gründonnerstag“ hat nichts mit der Farbe Grün zu tun. Die Vorsilbe „Grün-“ entwickelte sich aus dem alten Wort „greinen“, was so viel heißt wie „weinen, schluchzen, wimmern“. (Wir kennen das noch im Dialekt: „gronen“ oder „granen“.) Am Gründonnerstag hat Jesus mit den Jüngern das letzte Abendmahl gefeiert. Danach zog er sich in den Garten Getsemani am Ölberg zurück, wo ihn tiefe Angst befiel, ja Verzweiflung im Hinblick auf das, was ihm bevorstand. Unter Tränen und vor Schweiß tropfnass hat er betend mit dem Willen des himmlischen Vaters gerungen, sich durchgerungen zu der Aussage: „Vater, nicht mein Wille soll geschehen, sondern der deine.“ (Lk 22,42)

Was geschah am Gründonnerstag und warum wusch Jesus seinen Jüngern die Füße?

Die Abendstunden des Gründonnerstags sind voller Dramatik. Jesus holt seine Jünger zum letzten Abendmahl zusammen. Damals war es Sitte und Notwendigkeit, sich vor dem Essen (das liegend auf Polstern eingenommen wurde) die Füße zu waschen beziehungsweise waschen zu lassen. In vornehmen Häusern war dies die Aufgabe des untersten Sklaven. Hier hat es Jesus selbst getan und damit ein Beispiel gegeben, sich nicht bedienen zu lassen, sondern zu dienen. Beim Mahl deutete Jesus das Brot und den Wein in Vorausschau und Vorwegnahme seines Opfertodes als seinen Leib und sein Blut. Da war der Verräter Judas schon nicht mehr dabei. Er war vorzeitig gegangen. Später kommt es zur Verhaftung Jesu, bei der auch die restlichen Jünger ihren Herrn im Stich lassen und davonlaufen.

Warum verstummen die Kirchenglocken nach Gründonnerstag bis zur Ostermesse?

Die Messe am Gründonnerstag beginnt mit allem, was unsere Liturgie an Feierlichkeit aufzubieten hat: sämtliche Glocken läuten, großer Einzug, festliche weiße oder auch goldene Gewänder, Weihrauch, eine große Schar Ministranten, die Orgel braust, in vielen Pfarreien bringt sich der Kirchenchor ein usw. Wir gedenken der Stunde, in der unser Herr das Altarsakrament, die Eucharistie eingesetzt hat, die das II. Vatikanische Konzil „Quelle und Höhepunkt unseres Glaubens“ nennt. Doch nach dem Gloria legt sich ein eigenartiger Schleier über das Geschehen: die Orgel und die Glocken verstummen. Es ist ja auch der Abend, an dem das Leiden Christi beginnt: Verrat, Todesangst, Gefangennahme, die ersten Verhöre… Der Jubel kehrt erst bei der Auferstehung in der Feier der Osternacht zurück.

Wie können wir uns das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern vorstellen?

Jesus und seine Jünger waren Juden. Das muss uns bewusst sein, wenn wir verstehen wollen, was beim letzten Abendmahl geschehen ist. Die zentrale Feier des Judentums ist das Pascha-Fest, die rituelle Erinnerung an den Auszug aus Ägypten: Gott hat sein Volk aus der Sklaverei befreit! Das Pascha-Mahl ist die liturgische Vergegenwärtigung jenes prägenden Ereignisses. Jede Speise dieses Mahls wird symbolisch gesehen: Bitterkräuter stehen für die harte Arbeit in Ägypten, salziges Wasser für die Tränen usw. Beim letzten Abendmahl nun deutet Jesus das Pascha-Mahl um: Er nennt das Brot „mein Leib“ und den Wein „mein Blut“ und stiftet so eine ganz neue Feier, die nicht mehr die Befreiung aus Ägypten thematisiert, sondern seinen Kreuzestod, der aus der Sklaverei des Todes herausführt.

Die letzten Worte von Jesus werden unterschiedlich wiedergegeben. Warum?

Wenn bei einem Klassentreffen Erinnerungen die Runde machen, dann fällt oft der Satz „Wisst ihr noch?“ oder auch „Ja, wisst ihr das nicht mehr?“ Und jeder bringt andere Details ein: „Das war so: ...“ „Genau, und dann ist der …“ „Mensch, jetzt fällt es mir wieder ein: …“ Die Evangelien sind kein Polizeiprotokoll. Sie wurden frühestens ab dem Jahr 70 abgefasst, nach mündlichen Überlieferungen. In den vier Evangelien finden sich sieben Worte, die Jesus am Kreuz gesprochen hat. Dabei fällt auf, dass Jesus sich zuerst um andere sorgt: „Vater, vergib ihnen!“ „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ „Siehe, dein Sohn! Siehe deine Mutter!“ Erst danach spricht er von seinem eigenen Leid und seiner Qual. In unserem alten Gotteslob gab es dazu eine sehr schöne Andacht (GL alt 776).

Mit welcher Botschaft werden Sie sich am Karfreitag an die Gläubigen wenden?

Das Konzil von Trient (1545-1563) nahm die Vorwürfe der Reformatoren ernst und leitete Maßnahmen zu einer katholischen Erneuerung ein. So verfügte der Mailänder Kardinal Karl Borromäus beispielsweise, dass in jeder katholischen Kirche der Kanzel direkt gegenüber ein großes Kruzifix hängen muss. Der Prediger sollte immer vor Augen haben, was der Inhalt seiner Worte sein muss: „Wir verkünden Christus, den Gekreuzigten“, wie es der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief so eindringlich formuliert hatte (1 Kor 1,23). Auch in unserer Zeit muss bei jeder Predigt, nicht nur am Karfreitag, sondern in all unserer Verkündigung, immer die Liebe Gottes im Mittelpunkt stehen, jene Liebe, die sich am Kreuz am nachdrücklichsten gezeigt hat.

Pfarrer Andreas Weiß beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Gründonnerstag und Karfreitag:

Pfarrer Andreas Weiss erklärt die Bibel

  • Zur Person:

    Der Brucker Pfarrer Andreas Weiß beantwortet in der heutigen Ausgabe die wichtigsten Fragen rund um die Geschehnisse an Gründonnerstag und Karfreitag. Pfarrer Weiß wurde 1969 in Nabburg geboren.

  • Stationen:

    Pfarrer Weiß studierte von 1989 bis 1994 in Regensburg und Innsbruck katholische Theologie. Im Jahr 1996 wurde er zum Priester geweiht. Von 2001 bis 2012 wirkte er als Pfarrer in Tegernheim, dann drei Jahre lang in der Pfarreiengemeinschaft Saal. Nun ist er in Bruck tätig.

  • Gottesdienste:

    Am Gründonnerstag feiert Pfarrer Weiß mit den Gläubigen um 19 Uhr in Bruck die Heilige Messe „vom letzten Abendmahl“. Es schließt sich eine Ölbergwache mit Beichtgelegenheit an die Messe an.

  • Hobby:

    Pfarrer Weiß war vor und während seines Studiums lange Zeit ehren- und nebenamtlich als Kirchenmusiker und Organist in seiner Heimatgemeinde Wernberg-Köblitz, aber auch in anderen Kirchen, tätig. Am Kirchenmusikreferat legte er die Kirchenmusiker-C-Prüfung ab. (ph)

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