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Stromtrasse

Südostlink: Bohrungen in Nittenau

In der Oberpfalz sind insgesamt 15 Bohrungen vorgesehen. 2025 soll Windstrom aus Norddeutschland durch die Leitungen fließen.
von Rudolf Hirsch

Stromnetzbetreiber TenneT entnimmt derzeit Bodenproben am Regen-Ufer bei Neuhaus aus 20 Metern Tiefe. Foto: Hirsch
Stromnetzbetreiber TenneT entnimmt derzeit Bodenproben am Regen-Ufer bei Neuhaus aus 20 Metern Tiefe. Foto: Hirsch

Nittenau.Das Bohrgestänge gräbt sich 20 Meter tief ins Erdreich ein und befördert Bodenproben an die Oberfläche. Die Wissenschaftler des Stromnetzbetreibers TenneT schließen aus der Zusammensetzung, ob es an dieser Stelle Sinn macht, den Regen zu unterqueren. An vier Stellen am Flussufer bei Neuhaus setzen die Techniker derzeit den Bohrer an.

Die TenneT-Ingenieure sind auf der Suche nach einem geeigneten Korridor für den SüdOst-Link. Auf einer 580 Kilometer langen Trasse von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt bis Landshut sollen Erdkabel verlegt werden, um Strom vom Norden Deutschlands in den Süden zu befördern.

Kontakt zu Passanten

Pressesprecher Markus Lieberknecht informiert Medienvertreter über die Bohrmaßnahmen am Regen-Ufer bei Neuhaus. Foto: Hirsch
Pressesprecher Markus Lieberknecht informiert Medienvertreter über die Bohrmaßnahmen am Regen-Ufer bei Neuhaus. Foto: Hirsch

Im vergangenen Jahr informierte der Netzbetreiber die Bevölkerung bei zwei Veranstaltungen in Wernberg-Köblitz und Wackersdorf über das Vorhaben. Regelmäßig bauen auch die TenneT-Vertreter für Öffentlichkeitsarbeit ihre Info-Stände auf dem Schwandorfer Marktplatz auf und suchen den Kontakt zu den Passanten.

„Bis Mitte 2019 werden die Ergebnisse vorliegen“, sagt Pressesprecher Markus Lieberknecht. Dann wird es zwei Jahren dauern, bis die Planungen abgeschlossen sind. Ende 2025 soll dann der Windstrom aus Norddeutschland durch die Leitungen fließen. „Die Kabel werden zu 100 Prozent unterirdisch verlegt“, betont Markus Lieberknecht. Deshalb müssen auch die Flüsse unterquert werden. Beim Regen werde es keine großen Probleme geben. Der Fluss sei an dieser Stelle nicht besonders tief. Darum reiche es dort, das Bohrgestänge bis in eine Tiefe von 20 Metern hineinzutreiben.

Nach der Unterquerung soll alles wieder so aussehen wie vorher. Pflanzen, Tiere, Bodenbeschaffenheit – nichts soll auf Unterquerung hinweisen. Die Gleichstromverbindung zwischen den Netzverknüpfungspunkten Wolmirstedt bei Magdeburg und Landshut sind im Bundesbedarfsplan sogar gesetzlich verankert. Eine Leitung zur „Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung“ (HGÜ) soll den Transport des „Windstromes“ vom Norden des Landes in den Süden übernehmen.

Netzbetreiber TenneT ist auf der Suche nach einem geeigneten Korridor für den Südost-Link und nimmt dazu in dieser Gegend bei Neuhaus am Regen an vier Stellen Bohrungen vor. Foto: Hirsch
Netzbetreiber TenneT ist auf der Suche nach einem geeigneten Korridor für den Südost-Link und nimmt dazu in dieser Gegend bei Neuhaus am Regen an vier Stellen Bohrungen vor. Foto: Hirsch

Die Trasse ist in Abschnitte eingeteilt. Teil C reicht mit einer Länge von 136 Kilometern von Hof nach Schwandorf. Der „SüdOstLink“ wird in seiner gesamten Länge unterirdisch verlegt. Die 525-Kilovolt Gleichstromkabel verschwinden in 15 bis 20 Meter breiten Gräben. Den Landwirten, die eine Entschädigung bekommen, verspricht der Betreiber: „Sie können anschließend die Landwirtschaft weiter betreiben“. Bäume zu pflanzen, wird an dieser Stelle allerdings in Zukunft nicht mehr möglich sein, denn das tiefe Wurzelwerk würde die Leitungen schädigen.

Lesen Sie auch: Der genaue Verlauf der Stromtrasse durch die Oberpfalz ist noch immer unklar.

Im Landkreis fanden zwei Termine statt, bei denen der Stromnetzbetreiber mögliche Trassenführungen des Südost-Links vorstellte. Foto: Hirsch
Im Landkreis fanden zwei Termine statt, bei denen der Stromnetzbetreiber mögliche Trassenführungen des Südost-Links vorstellte. Foto: Hirsch

Wenn Betreiber „TenneT“ von der Bundesnetzagentur grünes Licht bekommt, wird er den Korridor „auspflocken“ und Ober- und Unterboden abtragen und getrennt lagern. Um möglichst wenig Muffen, Bauelemente zur Verbindung zweiter Rohre oder Kabel, setzen zu müssen, werde man lange Kabelabschnitte einsetzen, betont Projektleiter Andreas Herath. Denn die Verbindungsstücke seien die kritischen Stellen im Leitungssystem. Die TenneT-Techniker wollen heute noch keine Aussagen darüber machen, wie sich die Wärmeentwicklung im Boden auf die Pflanzen auswirken wird. „Dafür fehlen uns Langzeitmessungen“, sagen die Fachleute.

15 Bohrungen in der Oberpfalz

In der Oberpfalz sind insgesamt 15 Bohrungen vorgesehen: bei Schwandorf, Nittenau, Teublitz, Pfreimd, Regenstauf, Zeitlarn und Wiesent. Sondierraupen und Bohrgeräte rücken dann an, um Raumsondierungen und Kernbohrungen mit einem Durchmesser von etwa 15 bis 20 Zentimetern vorzunehmen.

Die Referentinnen für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung des Netzbetreibers, Ina-Isabelle Haffke (Zweite von rechts) und Katrin Redenz (Zweite von links), stehen Bürgern an Info-Ständen Rede und Antwort. Foto: Hirsch
Die Referentinnen für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung des Netzbetreibers, Ina-Isabelle Haffke (Zweite von rechts) und Katrin Redenz (Zweite von links), stehen Bürgern an Info-Ständen Rede und Antwort. Foto: Hirsch

Bis zum 26. Oktober sollen diese bodenkundlichen Voruntersuchungen abgeschlossen sein. Die Bohrlöcher werden dann wieder verfüllt. Die Ergebnisse der Bohrungen und der labortechnischen Untersuchungen und Analysen werden laut TenneT danach in einem geotechnischen Bericht zusammengefasst. Sie sollen schließlich Aufschluss darüber geben, wo Flüsse und Bahntrassen wirtschaftlich und naturschonend unterquert werden können.

Alles rund um die geplanten Stromtrassen, die Energie von Nord- nach Süddeutschland transportieren sollen, lesen Sie in unserem MZ-Spezial.

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