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Region Schwandorf
Sonntag, 27. Mai 2018 25° 2

Vereine

Trachtler tragen die Heimat im Herzen

Der Heimattrachtenverein Stamm pflegt in Schwandorf oberpfälzer Bräuche und Traditionen. Drei Generationen engagieren sich.
Von Ingrid Hirsch

Seit 54 Jahren führt der HTV Stamm am Heiligen Abend am Marktplatz den „Sterntanz“ auf und wünscht den Umstehenden frohe Weihnachten.

SCHWANDORF.Jan Meindl ist erst drei Jahre alt und schon stolz auf seine Lederhose und das Trachtenhemd. Seine siebenjährige Schwester Anna schlüpft gerne in ein Oberpfälzer Dirndl, wenn sie mit ihren Eltern beim Trachtenumzug mitmarschiert. Kein Wunder: Vater Jörg Meindl ist Jugendleiter des Heimat- und Trachtenvereins Stamm Schwandorf und betreut den Nachwuchs.

Georg Spandl, der heutige Vorsitzende, tanzte auch schon als Kind mit und ist seit fast 50 Jahren Funktionär. Seit 2006 führt er den Verein mit 105 Mitgliedern. Seine Frau Erna ist Moidlvertreterin, Vortänzerin und Trachtenwartin und Enkelin von Johann Neumüller, der bei der Wiedergründung des Vereins nach dem Krieg dabei war. Georg Spandl senior, der Vater des heutigen Vorsitzenden, stand 20 Jahre an der Spitze, dazwischen leitete Josef Held 16 Jahre lang die Geschicke.

Heimatgedanken erhalten

„Wir wollen den Heimatgedanken und die Brauchtumspflege aufrecht erhalten“, erklärt Georg Spandl. Deshalb orientieren sie sich am Kirchenjahr, binden Palmbuschen, organisieren einen Emmaus-Gang und lassen die Kinder Osternester suchen. Zum 25. Mal findet am 1. Mai der Tanz um den Maibaum am Kolpingplatz statt. Die Bevölkerung ist wieder eingeladen. Abordnungen marschieren in Tracht mit bei der Fronleichnamsprozession und beim Volksfestzug. Beim Jugendtag der zehn Gauvereine der Oberpfalz ist der HTV Stamm ebenso mit dabei wie beim Nordgautag heuer in Wiesau und in zwei Jahren in Schwandorf. Dieses „Kulturfest der Oberpfälzer“ gilt als größtes Trachtenfest im Bezirk. Zum Jugendzeltlager in Grafenwöhr werden 150 Nachwuchstrachtler erwartet.

Zu einer festen Einrichtung ist der Kirchweihtanz im Elisabethenheim geworden. Am Volkstrauertag beteiligt sich der Verein mit einer Fahnenabordnung. Seit 54 Jahren führt der HTV Stamm am Heiligen Abend am Marktplatz den „Sterntanz“ auf und wünscht den Umstehenden frohe Weihnachten. Die Männer tragen bei ihren Auftritten die echte Oberpfälzer Volkstracht mit Gehrock, schwarzer Weste, schwarzer Lederhose, blauen Strümpfen und schwarzen Trachtenschuhen. 1200 Euro kostet die gesamte Ausstattung. Nicht ganz so teuer kommt die Dame die Festtracht mit Oberpfälzer Dirndl. In der alten Gemeindekanzlei in Ettmannsdorf haben die Trachtler ein Zimmer bekommen für Besprechungen und für ihr Inventar.

1919 trafen sich zum ersten Mal junge Leute in der damaligen Gastwirtschaft „Zum Holzgarten“ zu einer Tischgesellschaft. Sie nannten sich „Stammtisch der Gemütlichkeit“. Beseelt von der Liebe zur Heimat und der Freude an der Tracht, ging daraus am 3. Oktober 1919 der Gebirgs-Trachten-Erhaltungsverein „D’Lustigen Holzhacka“ Schwandorf hervor.

In den ersten Vereinsjahren lernten die aktiven Buam und Dirndln die Plattlertänze und kleideten sich in der Miesbacher Tracht. 1929 änderten die Mitglieder den Namen in Volks- und Gebirgstrachtenverein „Stamm“ Schwandorf“ und 1935 in „Heimat- und Volkstrachtenverein Stamm“ um. Im Krieg ruhte das Vereinsgeschehen. 1948 schloss sich der Verein dem Landesverband „Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine“ an, der die bodenständige Tracht förderte. Im selben Jahr gründete der HTV eine Jugendgruppe.

Am 1. Mai werden die Mitglieder des HTV Stamm wieder um den Maibaum am Kolpingplatz tanzen. Eine gute Möglichkeit für den Nachwuchs, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Fotos: xih

Zum 50-jährigen Bestehen schaffte sich der Verein eine Fahne an und ließ sie segnen. Das „60-jährige“ feierte man mit einem viertägigen Fest. Am 1. Mai 1992 stellten die Mitglieder erstmals wieder einen Maibaum auf. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatten sie diese Tradition nicht mehr gepflegt. Die Schilder am Baum waren damals noch handgemalt, heute sind sie im Siebdruck hergestellt und symbolisieren Sehenswürdigkeiten der Stadt und erinnern an die mittelalterlichen Zünfte. Der Maibaum wird bis heute auf dem Kolpingplatz aufgestellt und alle vier Jahre erneuert.

Austausch mit Sokolov

Zum 75. Jahrestag der Gründung wurde gemeinsam mit dem Oberpfälzer Gauverband ein Fest gefeiert, das am 1. und 2. Juli 1995 stattfand. Gleichzeitig zeigte das Heimatmuseum eine Ausstellung zum Thema: „Volkstrachten zwischen Waldnaab und Donau“. Der Verein nahm in den darauf folgenden Jahren bei Veranstaltungen in Klatovy, Sokolov und Libourne teil. Die Jugend reiste am 17. April 2000 mit zur Besiegelung der Städtepartnerschaft zwischen Schwandorf und Sokolov in die tschechische Partnerstadt. Mit regelmäßigen Proben bereiten sich die Aktiven auf Feste und Umzüge vor.

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