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Region Schwandorf
Montag, 24. September 2018 13° 2

Landwirtschaft

Trockenheit schmälert Ernte

Mit Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent rechnen die Landwirte im Landkreis Schwandorf heuer wegen der trockenen Witterung.
Von Ralf Gohlke

Der Kartoffelschlag von Josef Reitinger in Berg diente den Vertretern des BBV-Bezirks als Anschauungsobjekt für den Ernteerfolg 2018. Fotos: R. Gohlke
Der Kartoffelschlag von Josef Reitinger in Berg diente den Vertretern des BBV-Bezirks als Anschauungsobjekt für den Ernteerfolg 2018. Fotos: R. Gohlke

THANSTEIN.Der Landwirt Josef Reitinger ist einer von vielen Erzeugern von Qualitätskartoffeln für die Chips-Herstellung bei Lorenz Snackworld in Neunburg. Er hofft inzwischen dringend auf Regenwetter. „Wir brauchen die Feuchtigkeit, noch bevor die Schalenverfestigung einsetzt, ansonsten drohen Zwiewüchsigkeit, Nebentriebe und im schlimmsten Fall, aufgeplatzte Knollen“, erklärte er am Montag im Rahmen des Erntegesprächs des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Mit Einbußen von bis zu 50 Prozent rechnet er schon jetzt beim Getreideanbau.

Das Wetter bleibt nach wie vor eine unkalkulierbare Größe für alle Landwirte. „Die in diesem Jahr extrem unterschiedliche Verteilung der Regenmengen sowie die Hitze und Trockenheit von April bis Anfang Juni führt in einzelnen Regionen zu ganz unterschiedlichen Ertragserwartungen“, erklärte BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz im Rahmen des Pressegespräches auf dem „Schwarzenhof“ von Josef Reitinger.

Starkregen und Hagel

Bestätigung habe dies bereits dort gefunden, wo ein Teil der Wintergerste, Raps oder Weizen schon geerntet wurden. Aufgrund der Temperaturen im Frühsommer beginne die Ernte überhaupt rund 14 Tage früher als gewohnt. Das größte Problem sei heuer gewesen, dass es neben der Trockenheit auch Bereiche gegeben habe, in denen die Bestände durch Starkregen und Hagel zum Teil stark beeinträchtigt worden seien. Erst kürzlich seien wieder Niederschläge mit bis zu 38 Litern pro Minuten niedergegangen.

Neben weniger und kleineren Körnern in den Ähren seien auch die Halme nicht sonderlich hoch gewachsen, was zu einen Mangel an Futterstroh in der von Tierhaltung geprägten Oberpfalz führen könne. Josef Wutz hoffte, dass eine geringere Ernte zu einem Preisanstieg führen werde, was einen gewissen Ausgleich bedeuten würde.

Landwirtschaft im Landkreis Schwandorf

  • Situation 1979: Seinerzeit gab es im Landkreis Schwandorf noch insgesamt 4769 landwirtschaftliche Betriebe. Mit 2470 bildeten Kleinbetriebe bis zu zehn Hektar noch den größten Anteil.

  • Entwicklung: Die Zahl der Betriebe ist seither auf 1943 geschrumpft. Im Haupterwerb sind noch 717 tätig und 1226 im Nebenerwerb. Den Schwerpunkt bildet die Tierhaltung.

  • Landwirtschaftsfläche: Im Jahr 1979 betrug die Nutzfläche 61 403 Hektar. Aktuell sind es nur noch 58 038 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen – mit eher weiter rückläufiger Tendenz.

  • Anbau: Mais nimmt mit 11 379 Hektar den größten Raum ein, gefolgt von Wingerste, Winterweizen und Ackerfutter. Die Kartoffel rangiert mit 1091 Hektar erst an achter Stelle.

Kreisobmann Josef Irlbacher unterstrich, dass der Landkreis Schwandorf keine Ausnahme in der Oberpfalz mache. Vielmehr hätten die sehr punktuell aufgetretenen Starkregen das Problem der Bodenerosion noch stärker hervortreten lassen. Die Bemühungen dagegen mit Mulchsaaten und Blühstreifen vorzugehen, müssten noch verstärkt werden. „Wo bei verschiedenen Anlässen die Tische so reich gedeckt sind, wird gern vergessen, dass die Arbeit der Landwirte dahinter steckt und die Vielfalt keine Selbstverständlichkeit ist“, betonte Irlbacher.

Zudem wies er darauf hin, dass auch der Wald den Regen dringend bräuchte. Die Borkenkäferlage habe sich nicht entspannt, sondern eher noch dramatisiert. Er appellierte daher an die Waldbesitzer, erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen, um mögliche Schäden zu begrenzen. Die erhöhte Waldbrandgefahr schloss er da mit ein.

Risiko trägt allein der Erzeuger

Für das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stellte dessen Leiter Reinhold Witt heraus, dass die Wechselhaftigkeit und Unkalkulierbarkeit des Wetters die größte Problemstellung für die Landwirte sei. Um das in den Griff zu bekommen, werde auch vieles ausprobiert, bis hin zum Soja-Anbau. Die Anbaufläche sei von 104 Hektar im Vorjahr auf 247 Hektar angestiegen. Fehler in der Bodenbehandlung würden sich insbesondere beim Mais in einer „ganz schlechten Ernte“ ausdrücken.

„Auch Blühstreifen leiden unter der Hitze“, erklärte BBV-Geschäftsführer Reinhold Witmann. Dennoch würde sich der erhöhte Aufwand lohnen. Er erinnerte zudem an die Problematik, bei großer Hitze Gülle auszubringen. „Die Lager sind voll“, stellte er fest.

Für mehr Wachstum bräuchten die Kartoffeln jetzt Wasser. Foto: ggo
Für mehr Wachstum bräuchten die Kartoffeln jetzt Wasser. Foto: ggo

Steigende Preise wären für Getreideerzeuger von Vorteil, würden aber jene belasten, die aufgrund geringer Ernte Futtermittel zukaufen müssten. Die Wirtschaft mache es sich leicht und verstehe es immer wieder, es so einzurichten, dass die Landwirte allein sämtliche Risiken zu tragen hätten.

Das Thema „Flächenfraß“ beschäftigte schließlich Bezirksbäuerin Rita Blüml. Allein in den vergangenen 50 Jahren seien rund 800 000 Hektar Ackerfläche reduziert worden – mehr, als die gesamte Acker- und Grünlandfläche der Oberpfalz mit rund 510 000 Hektar – und zwar nicht nur für Bauland, sondern auch für naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen. Da werde es schwierig, das Gütesiegel „Bayerische Herkunft“ aufrecht zu halten.

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