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Stadtentwicklung

TV-Gelände: Mehrheit für Ideenwettbewerb

Das Grundstück in Burglengenfeld soll mit besonderer Sorgfalt überplant werden. Es gibt aber auch einen Alternativvorschlag.
Von Thomas Rieke

Die alte Turnhalle des TV an der Regensburger Straße. Sie ist marode, hat aber stadtbildprägenden Charakter. 3. Bürgermeister Gruber hat nun vorgeschlagen, dass die Stadt sie kauft und saniert – und damit vor Investorenplänen rettet. Foto: Rieke
Die alte Turnhalle des TV an der Regensburger Straße. Sie ist marode, hat aber stadtbildprägenden Charakter. 3. Bürgermeister Gruber hat nun vorgeschlagen, dass die Stadt sie kauft und saniert – und damit vor Investorenplänen rettet. Foto: Rieke

Burglengenfeld.Was soll auf dem Gelände des Turnvereins an der Regensburger Straße entstehen, wenn der traditionsreiche TV1875 tatsächlich umziehen möchte? Diese Frage bewegt nach wie vor die Gemüter in Burglengenfeld. Weil das Grundstück aufgrund seiner Lage und Größe (14 000 Quadratmeter) von besonderer Bedeutung ist, forderte die BWG seit Mitte September einen Ideenwettbewerb. Mithilfe der SPD hat sie sich damit am Mittwoch im Stadtrat durchgesetzt. Das Abstimmungsergebnis lautete 13:10 für den entsprechenden Antrag der Wählergemeinschaft.

3. Bürgermeister Josef Gruber (rechts), zusammen mit Bürgermeister Thomas Gesche Archivfoto: bbs
3. Bürgermeister Josef Gruber (rechts), zusammen mit Bürgermeister Thomas Gesche Archivfoto: bbs

Vorausgegangen war eine leidenschaftliche Diskussion, die Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) eröffnete. Er sagte, anders als von Kritikern dargestellt, habe sich die Stadt bereits „gute Ideen“ für die künftige Nutzung des TV-Areals aufzeigen lassen. Mehrere Investoren, denen vorab erklärt worden sei, was sich die Stadt wünsche, hätten Konzepte geliefert und Bereitschaft signalisiert, den vom TV geforderten Kaufpreis zu zahlen. Zu den Wunschvorstellungen der Stadt gehörten neben „Wohnen“ (auch sozialer Wohnraum) Einzelhandel mit „nahversorgungsrelevantem Sortiment“ sowie viel Grün. Ein Ideenwettbewerb sei somit unnötig. Er koste nur Geld, ohne dass jemand garantieren könnte, ob die gelieferten Vorschläge auch umsetzbar wären.

Schreiner beklagt „Hinterzimmerpolitik“

BWG-Sprecher Albin Schreiner Archivfoto: Schreiner
BWG-Sprecher Albin Schreiner Archivfoto: Schreiner

BWG-Sprecher Albin Schreiner ließ sich dadurch überhaupt nicht beeindrucken. Er wiederholte seinen Vorwurf, Gesche habe seit Monaten „Hinterzimmerpolitik“ betrieben und die Bürger bewusst ausgegrenzt. Das, was die Investoren dann in der extra anberaumten (nicht-öffentlichen) Ratssitzung am 1. Oktober präsentierten, sei ein Armutszeugnis gewesen. „Keine Lösung konnte überzeugen“, konstatierte Schreiner. Die „Massivität“ der geplanten Bebauung sei „nicht zu überbieten“. Aus Sicht der Investoren sei das zwar legitim, für die Stadt jedoch ein Offenbarungseid.

Sinn eines Wettbewerbs

  • Grundsätzliches:

    Der Auftraggeber, zum Beispiel eine Kommune, sucht für ein bestimmtes Projekt oder zu einem bestimmten Themenkreis Ideen, von denen eine oder mehrere prämiert werden. Zur Umsetzung kommt nicht zwingend das Konzept des Erstplatzierten. Die Architektenkammer und das bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr begrüßen solche Wettbewerbe.

  • Praxis:

    In Burglengenfeld wurde bisher für das Schulzentrum, das Parkhaus und den Marktplatz ein Ideenwettbewerb durchgeführt. Aber auch für das Grundstück, auf dem früher die Grundschule stand. Bürgermeister Gesche erwähnte dieses Beispiel am Mittwoch ausdrücklich, um zu untermauern, dass Wettbewerbe nicht unbedingt zu einer optisch gelungenen Lösung führen müssen. (ht)

Als Ursache für das Dilemma sieht Schreiner, dass die Aufgabe „von Anfang an falsch angegangen“ worden sei. Gesche habe versucht, an Stadtrat und Öffentlichkeit vorbei Fakten zu schaffen. Dadurch sei viel Zeit verloren gegangen. Ein Ideenwettbewerb sei nun unumgänglich und werde im Übrigen von allen relevanten Instanzen für genau solche Fälle empfohlen. Das Gelände des TV sei von enormem Wert. Was darauf entstehe, könne wegweisend für die gesamte Stadt sein, sagte Schreiner. Die Stadt habe dementsprechend die Pflicht, ihre Handlungshoheit bestmöglich auszuüben.

Wettbewerb: Kosten ohne Erfolgsgarantie?

Gesche versuchte zu kontern. Er beteuerte, die Investoren hätten natürlich nicht ins Blaue hinein geplant, sondern nach Vorgaben der Stadt, die sich dabei auf die Erkenntnisse aus dem ISEK-Gutachten gestützt habe. Ein Wettbewerb verteure das Verfahren unnötig und ziehe es in die Länge. Ein besonderer Qualitätsgewinn sei dennoch alles andere als selbstverständlich, wie am Quartier auf dem früheren Schulareal an der Kallmünzer Straße zu sehen sei. Dafür sei ein Wettbewerb ausgelobt worden, das Ergebnis gefalle ihm trotzdem nicht, sagte Gesche.

CSU-Fraktionaschef Michael Schaller brach eine Lanze für die gescholtenen Investoren. Das, was sie für das TV-Areal geliefert hätten, sei so schlecht nicht gewesen. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass sie diese Vorarbeit kostenlos erbrachten. Aus Sicht Schallers reicht es aus, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Befürworter eines Ideenwettbewerbs sollten bedenken, dass der Grundeigentümer einen solchen ablehne.

Gesche: Stadt arbeitet an mehreren Fronten

SPD-Fraktionsvorsitzender Sebastian Bösl forderte „Klarheit, wie die Stadt vorgehen möchte“. Seit einem Jahr erkundige er sich, ob ein Zeitplan existiere; die Antwort sei stets dieselbe und stelle ihn nicht zufrieden. „Es geht wild durcheinander.“ Gesche antwortete, der Eindruck sei falsch. Die Stadt arbeite in der Sache an mehreren Fronten gleichzeitig. Nachdem es sich um ein Großprojekt handle, sei ein schneller Erfolg trotz bei größten Einsatzes nicht zu erzwingen.

Das Sportheim des TVB: Es ist in die Jahre gekommen. Strittig ist, ob es nur deshalb nicht mehr so genutzt wird, wie in früheren Tagen. Foto: Rieke
Das Sportheim des TVB: Es ist in die Jahre gekommen. Strittig ist, ob es nur deshalb nicht mehr so genutzt wird, wie in früheren Tagen. Foto: Rieke

3. Bürgermeister Josef Gruber (CSU) stellte infrage, ob es überhaupt zu einer so großen Veränderung kommen muss – oder ob der TV nicht bleiben könne, wo er ist. Die Wünsche der Stadt hinsichtlich einer neuen Nutzung („Es geht ums Stadtbild!“) ließen sich nach seiner Einschätzung nicht mit den Kaufpreisvorstellungen des Vereins in Einklang bringen. Um ihm dennoch zu helfen und auf gesunde Beine zu stellen, sollte die Kommune einen anderen Weg gehen. Gruber schlug vor, dem Verein die alte, stadtbildprägende Turnhalle abzukaufen und zu sanieren. Mit dem Erlös habe der TV eventuell schon genügend Mittel, um die restlichen Anlagen, insbesondere das Sportheim, auf Vordermann zu bringen.

Stadtbaumeister warnt vor zu hohen Erwartungen

Stadtbaumeister Franz Haneder Archivfoto: ba
Stadtbaumeister Franz Haneder Archivfoto: ba

Schon ahnend, wie das Abstimmungsergebnis lauten würde, klinkte sich Stadtbaumeister Franz Haneder in die Debatte ein. Er sagte, aus seiner Sicht sei tatsächlich noch nicht abschließend geklärt, ob der TV wirklich umziehen will. Außerdem verwehrte er sich gegen den Vorwurf seitens der BWG, die Verwaltung habe es versäumt, sich Gedanken über die Nutzung des Sportgeländes zu machen. Auch wenn sich die Mehrheit der Räte nun für einen Ideeenwettbewerb ausspreche, dürfe man nicht annehmen, dass schon bald der große Wurfe gelinge. Die Kommunalwahl 2020 vor Augen, sagte Haneder: „Bis zur konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats passiert erst mal gar nichts!“

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