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Kultur

Über Arbeit, Brot und Müßiggang

Die 10. Ausgabe der „Burglengenfelder Gespräche“ spannte einen weiten Bogen von der Antike bis zur digitalen Arbeitswelt.
Von Norbert Wanner

Rudolf Busl und Claus M. Ostermair referierten klassische philosophische Ansichten zum Thema „Arbeit“ Foto: bxh
Rudolf Busl und Claus M. Ostermair referierten klassische philosophische Ansichten zum Thema „Arbeit“ Foto: bxh

Burglengenfeld.Es war ein kleines Jubiläum. Die „Burglengenfelder Gespräche für Kunst und Kultur“ gingen unter der Überschrift „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er arbeitet“, in die zehnte Auflage. Gestartet worden war die Reihe 2013 vom Verein „Kultur und Mehr im Städtedreieck“ in Zusammenarbeit mit dem Regionalbüro Regensburg der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Ein sehr aktuelles Thema

Von Europa bis hin zu Themen aus der Geschichte hatte dabei der Bogen gereicht und Harald Zintl, Leiter des Regionalbüros Regensburg sowie Dr. Sebastian Karnatz für „Kultur und Mehr“ versprachen in der Anmoderation des Abends unisono, dass der Bogen weitergespannt wird. Mit dem Schlagwort „Arbeit“ hatten sich die Protagonisten ein sehr aktuelles Thema ausgesucht. Viele Experten und Wissenschaftler prophezeien, dass die zunehmenden Erfolge auf dem Feld künstlicher Intelligenz erstmals in der Geschichte der Menschheit im Rahmen einer neuen technisch-industriellen Revolution weit mehr Arbeitsplätze vernichten werden, als neue dadurch entstehen, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft hätte.

Im ersten Teil ging es um den philosophischen Hintergrund dessen, was Arbeit im Kontext westlichen Denkens bedeutet. Im zweiten Teil wurde es praktischer mit dem Anreißen konkreter gesellschaftlicher Fragen, wie einem Recht auf Müßiggang. Anhand verschiedener Texte, gelesen von Claus M. Ostermair, spürte Rudolf Busl, ehemals Lehrer am Johann-Michael-Fischer Gymnasium, den philosophischen Bedingungen unseres Verständnisses von Arbeit nach und begann mit Bibel und Antike.

Grundeinkommen

  • Gerade die Frage

    des bedingungslosen Grundeinkommens wird immer wieder in der politischen Diskussion aufgeworfen.

  • Dr. Rainer Barbey machte deutlich,

    dass er persönlich kein Anhänger dieser Forderung ist. Sein Ansatz war, dass es eine andere Verteilung der Arbeitszeit, der täglichen, wie der Lebensarbeitszeit braucht.

  • Abgerundet wurde

    Veranstaltung durch die musikalische Begleitung von Johannes Molz und Dr. Karnatz. (bxh)

Genesis 16 bis 19 ist nach seinen Worten die Grundlage dafür, dass ein Aspekt der Arbeit, die damit verbundene Mühsal ist: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen.“ Eine zweite grundlegende Prägung hinsichtlich unterschiedlicher Wertigkeiten von körperlicher Arbeit im Verhältnis zu geistiger Arbeit sah Busl durch Aristoteles begründet in dessen Text „Ausschluss aus der Polis“. Darin legt der griechische Philosoph dar, dass ein Handwerker nie vollwertiger Bürger werden könne, weil ihm die Zeit zu wahrer Arbeit, dem umfassenden Durchdenken von Problemen, fehle, so Busl.

Überforderung und Entfremdung

Von Hegel und Marx über John Locke sowie Adam Smith leitete Busl weitere Facetten rund um den Begriff der Arbeit her. Ihre Bedeutung, für ein erfülltes Leben ebenso wie die Überforderung oder Entfremdung, die sie auslösen kann. Im zweiten Teil des Abends befasste sich Dr. Rainer Barbey, Lehrkraft am Lehrstuhl für neuere deutsche Philosophie an der Uni Regenburg mit praktischen Fragen: Was ist Arbeit? Ist eine Gesellschaft ohne Arbeit denkbar? Gibt es ein Recht auf Arbeitslosigkeit? Welche Aspekte gibt es in Zusammenhang mit der Frage eines bedingungslosen Grundeinkommens?

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