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Region Schwandorf
Montag, 18. Juni 2018 23° 3

Freizeit

Ungebetener Gast im Freibad

Der Eichenprozessionsspinner hat sich nun im Erlebnisbad eingenistet. Der Betrieb geht weiter – jenseits der Absperrungen.
Von Hubert Heinzl

  • Der Badebetrieb ist nicht betroffen. Besucher werden gebeten, Absperrungen zu beachten. Foto: Seitz
  • Dieses Raupennest entdeckte die Mittelbayerische am Dienstag in luftiger Höhe an einem Eichenstamm im Erlebnisbad. Foto: Heinzl

Schwandorf.Ausgerechnet im Schwandorfer Erlebnisbad haben sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners eingenistet. Am Freitagabend entdeckten laut Pressesprecher Lothar Mulzer Mitarbeiter der Stadt bei einer Routinekontrolle an mehreren Eichen Raupennester aus feinem Gespinst, die auf den ungeliebten Nachtfalter hinweisen. Die Raupen gelten nicht nur als Pflanzenschädling, weil sie vor allem Eichen teilweise kahlfressen, sondern können auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen: Ab einem bestimmten Stadium entwickeln die Schmetterlingslarven Brennhaare, die zu Hautausschlägen und vereinzelt auch zu starken allergischen Reaktionen führen können.

Nach Bekanntwerden des Befalls hat die Stadt reagiert; die betroffenen Bäume wurden laut Mulzer von Bauhofmitarbeitern „weiträumig abgesperrt“. Über ihre Anzahl machte der städtische Pressesprecher keine Angaben. Auf der weitläufigen Liegewiese im Erlebnisbad wurden vielleicht ein Dutzend Bereiche mit Eichenbestand mit rot-weißem Flatterband abgesperrt – möglicherweise auch nur als Vorsichtsmaßnahme. Bei einer kurzen Foto-Runde im Schwandorfer Freibad konnte die Mittelbayerische nur an einem älteren Baum ein typisches Raupengespinst entdecken – in luftiger Höhe, direkt am Stamm.

Eine Spezialfirma muss ran

Entfernt oder unschädlich gemacht werden die Raupennester nach Angaben der Stadt erst ab dem Mittwoch, 6. Juni. Dann soll eine Spezialfirma aus Nürnberg anrücken, um die Nester zu beseitigen. Eine entsprechende Zusage liege vor, heißt es in der städtischen Mitteilung. Ein früherer Termin sei nicht möglich gewesen, sagte Sprecher Mulzer auf Anfrage, denn die in Frage kommenden Unternehmen seien „gut ausgebucht“. Um Raupen, Raupenhaare und -nester dauerhaft unschädlich zu machen – und das heißt konkret: sie abzusaugen – sind nach seinen Worten ein spezielles Know-How und die entsprechende Schutzausrüstung erforderlich. Privatleuten riet der städtische Pressesprecher bei einem möglichen Befall deshalb dringend davon ab, Maßnahmen auf eigene Faust zu ergreifen.

Ein Video zur Situation im Schwandorfer Freibad sehen Sie hier:

Eichenbestand im Schwandorfer Freibad ist befallen. (Video: Seitz)

Eine gesundheitliche Gefährdung der Badegäste schloss Pressesprecher Lothar Mulzer wegen der umgehend eingeleiteten großräumigen Absperrungen aus. „Wer sich daran hält, braucht auch nichts zu befürchten“, sagte er im Gespräch mit der Mittelbayerischen. „Und das ist auch unsere große Bitte an die Badegäste: Halten Sie sich von den abgesperrten Bereichen fern!“

Auch der Badebetrieb ist nach den Worten Mulzers zumindest vorerst nicht beeinträchtigt. „Das Areal des Erlebnisbads ist so weitläufig, dass es noch ausreichend Liegeflächen gibt. Und die Bäderanlage als solches, also Schwimmerbecken, Nichtschwimmer- und Sprungbecken, sind überhaupt nicht berührt“. Erst wenn das Unternehmen in der nächsten Woche die befallenen Bäume saniere, könne es „eventuell zu Einschränkungen“ kommen.

Das Erlebnisbad ist bereits der zweite Standort, an dem der Eichenprozessionsspinner im Raum Schwandorf heuer aufgetreten ist. Erst vor einigen Tagen hatte eine Burglengenfelder Bürgerin einen Befall an einer einzelnen Eiche im Ortsteil Schlag bei Pottenstetten gemeldet. Die Stadt reagierte ebenfalls und ließ das Raupennest von Bauhofmitarbeitern zu Beginn der Woche entfernen.

Erster Fund im vergangenen Jahr

Im Juli des vergangenen Jahres war ein Nest an einem Baum in beim Hallenbad Dachelhofen von den Raupen befallen und musste ebenfalls aufwendig durch ein Spezialunternehmen von dem Schädling befreit werden. 400 Euro kostete seinerzeit der Arbeitseinsatz – übrigens der erste im gesamten Landkreis Schwandorf, wie das Landratsamt versicherte.

„Wer sich an die Absperrungen hält, braucht nichts zu befürchten.“

Lothar Mulzer, Pressesprecher der Stadt Schwandorf

Bis dahin war der Schädling nur im nördlichen Landkreis Regensburg, im Landkreis Amberg-Sulzbach und vor allem auf dem Mariahilfberg in Amberg aufgetreten. Doch Fachleute gehen davon aus, dass man sich an den ungebetenen Gast wird gewöhnen müssen. Der wärmeliebende Nachtfalter hat sich in den vergangenen Jahren von Franken mit seinen großen Eichenbeständen stetig nach Osten ausgebreitet – wohl auch aufgrund des allgemeinen Klimawandels. Auch im Landkreis Kelheim wurde der Eichenprozessionsspinner schon gesichtet: erst auf dem städtischen Waldfriedhof, dann beim Feuerwehrzentrum und zuletzt ausgerechnet auf dem Gelände des Kelheimer Spaß- und Erlebnisbades „Keldorado“.

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