MyMz
Anzeige

Natur

Unken quaken endlich wieder

Vor zwei Jahren wurde der ehemalige Standortübungsplatz Bodenwöhr zum Naturschutzgebiet. Was hat sich seitdem verändert?
Von Renate Ahrens

  • Gebietsbetreuerin Birgit Simmeth zeigt den Besuchern seltene Tier- und Pflanzenarten, die man hier wieder findet. Fotos: Ahrens

Bodenwöhr.Vorsichtig taucht Birgit Simmeth die Becherlupe ins Wasser und sucht eine Kaulquappe einer Gelbbauchunke. Hund Finja trinkt unterdessen genüsslich in diesem kleinen Kunstbecken, das man als Artenhilfsmaßnahme für seltene Amphibienarten hier im neuen Naturschutzgebiet „Wald- und Heidelandschaft östlich von Bodenwöhr und Bruck“ eingerichtet habe, erklärt die Gebietsbetreuerin für den Naturpark Oberpfälzer Wald und das Oberpfälzer Seenland.

Eine sechs Kilometer lange Ringstraße führt entlang Wiesen und durch Wälder, wunderbar duftet es nach Kräutern, würzigen Kiefern und den vielen bunten Blumen. Zitronenfalter und Weißlinge flattern von Blüte zu Blüte. Bis auf das Zirpen der Heuschrecken ist nichts zu hören.

Neue Heimat für seltene Arten

Vögel würden um diese Zeit im Sommer schon nicht mehr so oft zwitschern, da die Brutpflege und somit die Revierverteidigung meist abgeschlossen sei, erklärt Anette Lafaire aus Cham, die seit der Gebietsreform als Gebietsbetreuerin des Naturparks Oberer Bayerischer Wald auch für dieses Gebiet zuständig ist.

Birgit Simmeth zeigt nun eine kleine Kaulquappe herum. Bei der Kartierung der Fläche im Jahr 2008 sei der Bestand der Gelbbauchunken äußert gering gewesen, sagt sie, nun habe er sich erholt. Denn vor zwei Jahren wurde diese 283 Hektar große Fläche östlich von Bodenwöhr und Bruck, etwa drei Kilometer von beiden Ortschaften entfernt, zum Naturschutzgebiet ausgewiesen. Offenes Land und Wald wechseln sich ab, was das Besondere hier sei, und bilden einen wertvollen Rückzugsort für gefährdete Arten.

 Hier in diesem Kunstbecken haben sich seltene Amphibien eingelebt.
Hier in diesem Kunstbecken haben sich seltene Amphibien eingelebt.

Am Freitag hatte man bei einem geführten „gemütlichen Feierabendspaziergang“ Gelegenheit, sich ein Bild zu machen, was sich in der Zeit alles getan hat. Immer wieder bleiben die Gebietsbetreuerinnen stehen und entdecken etwas Interessantes: leuchtend gelben Hornklee, Blatt- und Strauchflechten, Johanniskraut, echtes Labkraut, pinkfarbene Heidenelken, Hasenklee und natürlich Heidekraut und viele Tiere.

Noch vor zehn Jahren sind hier am ehemaligen Standortübungsplatz Panzer gerollt, haben Manöver und Übungen stattgefunden. „Jeder Naturschützer freut sich über Truppenübungsplätze, da dort die Natur völlig unberührt bleibt“, sagt Lafaire.

Das Gebiet besteht aus wärmeliebenden Sandkiefernwäldern.
Das Gebiet besteht aus wärmeliebenden Sandkiefernwäldern.

Der Gemeinderat Bodenwöhr hatte sich damals dafür eingesetzt, dieses Naherholungsgebiet für die Bürger weiterhin zur Verfügung zu stellen. Besucher sind deshalb erlaubt, allerdings darf man von 15. Februar bis 15. Juli die Ringstraße nicht verlassen, da viele in der Heidelandschaft brütende, seltene Vögel sehr störanfällig seien.

Früher Panzer und Manöver

Die vom Aussterben bedrohte Heidelerche etwa braucht als Bodenbrüter eine offene Fläche. Birgit Simmeth lässt die Besucher des Feierabendspaziergangs ihren melodiösen Gesang über eine App am Handy hören. Bereits im Jahr 2010 gab es hier 16 Brutpaare, seitdem hat sich die Heidelerche weiter vermehrt, wie auch seltene Arten wie Neuntöter und Baumpieper, erläutert sie.

Früher hätten hier die Panzer und die schweren Gefährte die Pflanzen kurzgehalten, heute machen das schonend die Mähmaschinen. Schafe habe man einmal versuchsweise eingesetzt, doch diese hätten zu wenig abgegrast, wissen die beiden Gebietsbetreuerinnen zu berichten.

Das 283 Hektar große Gebiet zählt zu den schutzwürdigsten Sandlebensräumen im Landkreis und der Oberpfalz.
Das 283 Hektar große Gebiet zählt zu den schutzwürdigsten Sandlebensräumen im Landkreis und der Oberpfalz.

Immer lauter zirpen und knarren die Heuschrecken – ein gutes Zeichen, dass sie sich wohlfühlen, betont Anette Lafaire. Sogar die Blauflügelige Ödlandschrecke ist hier heimisch geworden. Da – ein Warzenbeißer! Vorsichtig bugsiert ihn Birgit Simmeth in die Becherlupe. Diese Laubheuschreckenart könne tatsächlich gehörig beißen, lacht sie. Früher habe man sie, wie der Name schon sagt, Warzen abbeißen lassen.

Nun hat die Gruppe einen kleinen Tümpel erreicht, auf dem Wasserpflanzen ranken. An diesem macht es sich gerade eine Ringelnatter gemütlich, und am Rand sitzt eine Erdkröte. Sie alle genießen dieses einzigartige Naturschutzgebiet – ein Refugium für Pflanzen, Tiere und Menschen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht