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Verkehr

Unmut über röhrende Motoren

In der Regensburger Straße in Burglengenfeld lassen es „sportliche“ Fahrer krachen. Anlieger leiden – und fordern Hilfe ein.
Von Thomas Rieke

Nicht nur Bikern, auch vielen Autofahrern ist der Sound ihres Pkw wichtig. Viele Hersteller kommen der Nachfrage ganz legal nach und bieten Sportauspuffanlagen an. Daneben gibt es einen Graubereich – und bewusste Manipulationen, die geahndet werden können. Doch die Ermittlungsarbeit gestaltet sich schwierig. Foto: R. Weihrauch/dpa
Nicht nur Bikern, auch vielen Autofahrern ist der Sound ihres Pkw wichtig. Viele Hersteller kommen der Nachfrage ganz legal nach und bieten Sportauspuffanlagen an. Daneben gibt es einen Graubereich – und bewusste Manipulationen, die geahndet werden können. Doch die Ermittlungsarbeit gestaltet sich schwierig. Foto: R. Weihrauch/dpa

Burglengenfeld.Stefan B. (Name von der Redaktion geändert!) hat sich 2016 einen Traum erfüllt: Als zwischen Eichen- und Regensburger Straße ein moderner Geschosswohnungsbau errichtet wurde, sicherten sich der Wenzenbacher und seine Frau eine Einheit, die wie für sie zugeschnitten schien. Auf der Terrasse, so glaubte der 61-Jährige, würden sie an lauen Sommerabenden abschalten und das neue Zuhause genießen können.

Doch die Realität sieht völlig anders aus. B. war kaum eingezogen, da musste er feststellen, dass sich der Verkehr auf der Regensburger Straße wesentlich deutlicher bemerkbar macht als geahnt. Insbesondere nach Feierabend, und bisweilen auch nachts, sowie an Wochenenden fühlt sich B. massiv von Auto- und Motorradfahrern gestört, die es buchstäblich krachen lassen.

Haben Altanlieger resigniert?

Wie Messungen der kommunalen Verkehrsüberwachung bestätigen, nutzen viele Zeitgenossen das Teilstück der ehemaligen B 15 zwischen den Kreiseln als Rennstrecke. B. spricht von „Horden Jugendlicher“ auf „offensichtlich auffrisierten Mopeds“ und meist jüngeren Männern, die in getunten Pkw die Muskeln spielen lassen. „Drei-, viermal geben sie Gas. Die Auspuffgeräusche hören sich wie MG-Feuer an“, beschreibt Stefan B. die Lage. Der Krach dringe sogar bei geschlossenen Fenstern in die gute Stube.

Etlichen anderen Bewohnern der Eichenstraße geht das Remmidemmi ebenfalls auf den Keks. Während nach der Beobachtung Stefan B.s Altanlieger aber weitgehend resigniert zu haben scheinen, formierte sich in der neuen Wohnanlage Protest. Anfang des Jahres gab es deshalb mit Egid Viehauser, dem Leiter der Polizeiinspektion, ein intensives Gespräch.

Vieles, was nervt, ist ganz legal

Der Polizeichef nimmt die Sache sehr ernst. Der Eindruck Stefan B.s sei nicht nur subjektiv, „es wird zu schnell gefahren“. Der Spitzenreiter unter den Bleifüßen brachte es kürzlich auf über 100 km/h. Damit war er doppelt so schnell unterwegs als erlaubt. Viehauser forderte die Betroffenen auf, Kennzeichen zu notieren. Nur so könne man gezielt vorgehen.

Gesagt getan: Die Anlieger legten sieben konkrete Hinweise vor, und ein Beamter der PI, der sich in die Tuning-Materie (und die Frage, wie Manipulationen an Fahrzeugen zu ahnden sind) besonders eingearbeitet ha, nahm die Verdachtsfälle unter die Lupe. Das Ergebnis seiner Recherchen: In keinem Fall gab es eine Möglichkeit, gegen die Kfz-Halter vorzugehen. Das Gros der Fahrzeuge, darunter ein BMW 535i, ein VW Golf GTI und ein Porsche Cayenne 4,8 Liter, Turbo, wurde entweder serienmäßig „sportlich“ ausgestattet oder die eingebauten Anlagenteile sind EG-konform. In einem Fall war der Auspuff durchgerostet. Als die Polizei auftauchte, war der Halter gerade damit beschäftigt, ihn auszutauschen.

Die Bewohner aus der Eichenstraße ließen nicht locker. Anfang Mai lieferte ein Anlieger die Kennzeichen sechs weiterer Ruhestörer, und erneut machte sich der Spezialist der PI an die Arbeit. Die Untersuchungen sind noch nicht beendet, aber schon jetzt deutet sich an, dass ein Treffer zu verzeichnen ist. Am Auspuff eines Audi RS6 fehlte das Prüfzeichen. Der Halter konnte es nur in Papierform vorweisen und behauptete, die Firma, bei der er die Anlage erwarb, hätte ihm gesagt, er solle den Aufkleber selbst anbringen; das hätte schon seine Richtigkeit.

Der Polizeibeamte gab sich damit freilich nicht zufrieden und setzte die Zulassungsstelle des Landratsamts in Kenntnis. Die Behörde wird nun ein Gutachten erstellen lassen. Sollte dieses ergeben, dass der Auspuff unter genormten Prüfbedingungen zu laut ist, könnten der Verlust der Betriebserlaubnis und ein Bußgeld die Folge sein. Ein Punkt in Flensburg drohte nur dann, wenn der Wagen in Fahrt negativ aufgefallen wäre. Dann hätte ihn die Polizei auch umgehend beschlagnahmen dürfen.

PI-Chef Viehauser berichtet, die Anlieger aus der Eichenstraße freuten sich über den Einsatz der Polizei; es sei Dankbarkeit zu spüren. Stefan B. ließ indes gegenüber der MZ keinen Zweifel aufkommen, dass er die Bemühungen für unzureichend hält. Es sei der falsche Ansatz, die Ruhestörer zuhause aufzusuchen und die geparkten Fahrzeuge in Augenschein zu nehmen. Stattdessen sollten Ordnungsamt und Polizei werktags zu den kritischen Abendstunden sowie an Wochenenden in der Regensburger Straße verstärkt Präsenz zeigen und Verkehrssünder einbremsen. Ob der Wunsch in Erfüllung geht, bleibt fraglich. Viehauser sagte, im Rahmen ihrer Möglichkeit, werde die Inspektion weiter versuchen, die Lage zu beruhigen. Doch man müsse auch sehen, dass die Polizei viele andere Aufgaben habe. „Das Personal wird dort eingesetzt, wo es am dringendsten gebraucht wird.“

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Technik, die den Prüfmodus erkennt...

  • Untersuchung beim TÜV:

    Um zu klären, ob eine Anlage regelkonform ist, wird nicht selten ein Gutachten erstellt, zum Beispiel beim TÜV oder einer anderen autorisierten Prüfstelle. Das Geräusch eines Auspuffs wird unter bestimmten Bedingungen (beschleunigte Vorbeifahrt, 7,5 Meter Abstand) gemessen. Das Standgeräusch ist laut Andreas Bauer, Prüfstellenleiter beim TÜV Schwandorf, nur ein Referenzwert.

  • Fragwürdige Parallelen:

    Einige Pkw sind mit Technik ausgestattet, die den Prüfmodus erkennt, was unwillkürlich an die Dieselaffäre erinnert. Klappen im Auspuff werden geschlossen, so bleibt der Pegel des Messgeräts im grünen Bereich. Einige Sportfahrzeuge sind serienmäßig so ausgerüstet; aber auch der Zubehörmarkt lockt mit entsprechendem Angeboten.

  • Risiko des Halters:

    Wer an seinem Fahrzeug Manipulationen vornimmt, riskiert nicht nur eine Geldbuße und einen Punkt in Flensburg, sondern das Erlöschen der Betriebserlaubnis. Soweit kommt es aber offenbar im Landkreis Schwandorf nur sehr selten. Zwischen 1. Januar 2017 und heute sind laut Zulassungsstelle nur neun Fälle dokumentiert. Einer betraf einen Bewohner aus dem Städtedreieck.

  • Oft wird nachgebessert:

    Wesentlich höher ist nach Auskunft von Pressesprecher Hans Prechtl die Zahl derer, die zum Ausbau oder zur Reparatur aufgefordert wurden und dieser Aufforderung auch nachkamen. Eine genaue Zahl von Tuning-Fällen ließ sich aber nicht herausfiltern, zumal mehrere Möglichkeiten wie etwa auch die Diesel-Affäre hineinspielen.

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