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Archäologie

Unterm Rathausanbau wird schon gegraben

Statt Bagger sind in Neunburg „im Berg“ die Kelle und der Pinsel im Einsatz. Relikte aus der Stadtgeschichte sind das Ziel.
Von Ralf Gohlke

Allmählich nähert sich die Grabung den archäologisch relevanten Schichten an der Burgmauer. Foto: Ralf Gohlke
Allmählich nähert sich die Grabung den archäologisch relevanten Schichten an der Burgmauer. Foto: Ralf Gohlke

Neunburg.Bauen im Zentrum der Altstadt bedeutet etwas anderes als einen Neubau auf die „grüne Wiese“ zu setzten. Das gilt insbesondere dann, wenn zu erwarten ist, dass bei den Grabungsarbeiten Relikte aus längst vergangenen Zeiten zum Vorschein kommen könnten. Dass ein Teil der alten Neunburger Stadtmauer am, und partiell sogar durch das Rathaus verläuft, ist kein Geheimnis. Dementsprechend war eine archäologische Begleitgrabung eine der Voraussetzungen zur Genehmigung des geplanten Erweiterungsbaus.

Nach dem Abriss des alten Altmann-Anwesens „im Berg“ wurde das Areal komplett geräumt, einschließlich der noch bestehenden Anbauten und der Bepflanzung. Nachdem die Fläche offenlag, konnte vor circa drei Wochen die Firma Scherbaum aus Bamberg, im Auftrag der Stadt, mit der Sondierung des verbliebenen Materials beginnen. „Dabei ging es auch darum, in welcher Tiefe die archäologisch relevanten Schichten zutage treten würden“, informierte Dr. Christoph Steinmann, zuständig für Bodendenkmäler beim Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg, auf Nachfrage der Mittelbayerischen Zeitung.

Abriss

In Neunburg rollen die Abrissbagger an

Das alte Perlinger-Anwesen muss dem Rasthausanbau weichen. Nun beginnen die Abrissarbeiten – und eine archäologische Grabung.

Ziel der Grabungen sei es unter anderem, neben der Dokumentation eventuell vorhandener Reste von Gebäuden oder Mauern, die Höhen für den künftigen Baukörper festzulegen. Leider gäbe es keine Aufzeichnungen, die diese belegen könnten. Andererseits dürften Bodendenkmäler auch nicht einfach weggebaggert werden. Zunächst sei die etwa einen halben Meter starke Schicht aus Abriss- und Planierschutt abgetragen worden, um an die archäologischen bedeutsamen Schichten zu kommen. „Dabei stellt sich dann auch gleich heraus, welche Bereiche beim Neubau von einer Fachfirma unterstützt werden müssen“, sagte Dr. Steinmann. So müssten zum Beispiel etwa zwei Meter der neueren Burgmauer herausgemeißelt werden, um die notwendigen Verbindungen herzustellen.

Grundlagen

  • Beratung:

    Praktische Bodendenkmalpflege informiert und berät Denkmaleigentümer, Bauherren, Investoren sowie Kommunen und Behörden bei allen Vorhaben im Umfeld von Bodendenkmälern.

  • Ziel:

    Zielsetzung bodendenkmalpflegerischer Arbeit sind entgegen weit verbreiteter Ansicht nicht Ausgrabungen, sondern der unversehrte Erhalt und die Bewahrung der archäologischen Denkmäler.

Allmählich nähere sich die Grabung nun der Schichtung aus dem 14. und 15. Jahrhundert. „Da wird es für uns spannend, denn das war noch die aktive Nutzungsphase der Burg“, so der Experte. Hier seien bereits erste Mauerzüge erkennbar, die möglicherweise zu einem der Tore verliefen.

Da die Grabungen rechtzeitig beginnen konnten und bereits fortgeschritten seien, sah Dr. Steinmann keine Anzeichen dafür, dass sie mit dem Bauzeitplan kollidieren könnten. Das wäre in beiderseitigem Interesse, betonte er. Außer den Mauerresten der ehemaligen Schmiede und einer Absturzstelle der alten Stadtmauer, seien bislang keine überraschenden oder gar spektakulären Entdeckungen gemacht worden. Lediglich einige wenige Keramikscherben seien dabei gewesen. Ein Schatz, oder eine „byzantinische Münze“ seien nicht darunter gewesen.

Fundstück

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