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Vertriebene fordern Erinnerungstafel

Beim 33. Bundestreffen der Falkenauer in Schwandorf ging es um ein Zeichen des Bedauerns. Der Vorsitzende wurde bestätigt.
Von Rudolf Hirsch

Gerd Hampl (3.v.l.) überreichte OB Andreas Feller einen geschnitzten „Falkenauer Wastl“. 2. von links ist Heimatminister Albert Füracker, rechts Festredner Johann Böhm. Foto: Rudolf Hirsch
Gerd Hampl (3.v.l.) überreichte OB Andreas Feller einen geschnitzten „Falkenauer Wastl“. 2. von links ist Heimatminister Albert Füracker, rechts Festredner Johann Böhm. Foto: Rudolf Hirsch

Schwandorf.Johann Böhm war bei der Vertreibung aus seiner tschechischen Heimat acht Jahre alt. Er zog mit seiner Familie nach Unterfranken, fand in der CSU seine politische Heimat, gehörte fast 30 Jahre dem bayerischen Landtag an und war von 1994 bis 2003 dessen Präsident. Bei der Jubiläumsfeier „60 Jahre Patenstadt Schwandorf – Falkenau“ und „33. Bundestreffen des Heimatverbandes der Falkenauer“ hielt er am Samstag im Konrad-Max-Kunz-Saal die Festrede.

Das Argument von Ursache und Wirkung lässt Johann Böhm nicht gelten. Für den heute 81-Jährigen war die Vertreibung der Deutschen aus ihrer angestammten Heimat trotz des von Hitler angezettelten Krieges „nicht zwingend notwendig“. Die Tschechen hätten auch nach der biblischen Botschaft „Wenn dir jemand auf die eine Backe schlägt, halt ihm auch die andere hin“ verfahren können.

Die Vertriebenen aus dem Kreis Falkenau feierten beim 33. Bundestreffen in der Oberfalzhalle.  Foto: Rudolf Hirsch
Die Vertriebenen aus dem Kreis Falkenau feierten beim 33. Bundestreffen in der Oberfalzhalle. Foto: Rudolf Hirsch

Die Vertriebenen erwarten von der Gegenseite zumindest eine Geste des Bedauerns. Eine Erinnerungstafel in der Stadt Sokolov oder der Zusatz „früher Falkenau“ an den Ortsschildern wären für Johann Böhm Zeichen der Erinnerung. Er appellierte an den Schwandorfer Oberbürgermeister, sich in der tschechischen Partnerstadt für derartige Signale starkzumachen. Andreas Feller zeigte Verständnis für die Erinnerungskultur der Vertriebenen, stellte aber gleichzeitig fest: „Die Falkenauer haben ihren Weg in eine bessere Zukunft gefunden.“ Mit seiner grenzübergreifenden Arbeit leiste der Heimatverband einen wichtigen Beitrag zur Verständigung und sei ein „Brückenbauer“ in der städtepartnerschaftlichen Beziehung Schwandorf-Sokolov.

Der Zeitzeuge

  • Person:

    Wilhelm Dörfler wurde im Jahr 1935 im Kreis Falkenau geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam seine Familie nach Schwandorf.

  • Heimatstube:

    Heute betreut Wilhelm Dörfler die „Falkenauer Heimatstube“. Aus dem großen Fundus von Bildern, Karten und Dokumenten gestaltete er eine Ausstellung und zeigte sie in der Oberpfalzhalle.

Für den bayerischen Heimatminister Albert Füracker sind die Vertriebenen „ein Vorbild an Lebensmut und gesellschaftlichem Engagement“. 30 Jahre nach der Grenzöffnung wachse der Kulturraum Bayern-Böhmen wieder zusammen. Der Minister ermunterte die Falkenauer, sich in diesen Prozess mit einzubringen und dabei die Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten.

Dem Festakt ging die Hauptversammlung des Heimatverbandes voraus. Dabei wurde Vorsitzender Gerd Hampl im Amt bestätigt. Er sieht in der Vertreibung von 40000 Deutschen „eine ethnische Säuberung“.

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