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Heimatgeschichte

Verwirrspiel um Doppelwappen beendet

Das Allianzwappen von Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz und seiner Gemahlin Dorothea von Dänemark ist am Neunburger Alten Schloss angebracht.
Von Kreisheimatpfleger Theo Männer

Das Doppelwappen am Neunburger Schloss

Neunburg.Unwillkürlich kommt einem der Spruch des alten Zengers aus dem „Hussenkrieg“ in den Sinn: „Nix als a Deischung“ – wenn man das angebliche Wappen von König Christoph am Neunburger Alten Schloss ins Visier nimmt. Tatsächlich nämlich ist es eindeutig das Wappen des Wittelsbacher Pfalzgrafen und Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz und seiner Gemahlin Dorothea von Dänemark, stellt Kreisheimatpfleger Theo Männer fest.

Renommierte Historiker, kleine Lokalforscher und beflissene Stadtführer stimmten bis dato überein, dass es sich beim fraglichen Wappen auf der Burghofseite des Alten Schlosses um ein Doppelwappen des Königs Christoph von Dänemark, Schweden und Norwegen – des Sohnes von Pfalzgraf Johann – handeln müsse. „Schuld“ daran ist wohl der Oberpfälzer Historiker Joseph Rudolf Schuegraf, der in seiner „Chronik der Stadt Neunburg vor dem Böhmerwald“ (1835/37) zu dem Wappen notierte: „Ober dem berührten Hauptportale (des Alten Schlosses) wird man mit dem Anblicke eines gedoppelten Wappens überrascht. Es ist das pfälzische und kombinierte dänisch-norwegisch-schwedische Wappen des Königs Christoph, eines Sohnes Pfalzgraf Johanns ...“

1857 bis 1933 vermauert

Beim Umbau des Schlosses 1857 für die Zwecke eines Bezirksgerichtes durch August von Voith wurde die Nische mit dem Wappen vermauert. Noch auf einem alten Plan des Landbauamtes von 1822 im Staatsarchiv Amberg war das Wappen skizziert, kann aber nicht genau identifiziert werden (KDM NEN, S 53). Wann das Wappen ursprünglich entstand, ob zu Lebzeiten Christophs oder später, bleibt offen. Dr. Georg Hager, Konservator am Bayerischen Nationalmuseum und am Kgl. Generalkonservatorium der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns, stützte sich 1906 bei der Beschreibung des Alten Schlosses im Band Neunburg der „Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern“ auf die Schuegraf`sche Interpretation. Hager konnte aber nur Schuegraf zitieren, weil ja seit 1857 die Nische mit dem Wappen zugemauert wurde – wie ein Aktenvermerk des Landbauamts im Staatsarchiv Amberg von 1934 belegt.

Schuegrafs Linie folgten auch Stadtarchivar und Heimatforscher Anton Neckermann in seinem kleinen Stadtführer, OB Kurt Romstöck in seinem Buch „Die Neumarkter Residenz und ihre Regenten“ (1980) und Theo Männer in der Festschrift zum Pfalzgraf-Johann-Jahr (1983). Diese Auffassung vertraten verständlicherweise bis dato auch alle Neunburger Stadtführer.

Es ist zweifellos das Verdienst von Peter Pauly und Dr. Reiner Reisinger, bei der Erklärung des Wappens in ihrem Artikel „Ein gedoppelt Wappen am Schloss zu Neunburg“ in der Zeitschrift „Oberpfälzer Heimatspiegel“ Widersprüche in der bisherigen Interpretation entdeckt zu haben. Das Rätsel konnte aber nicht gelöst werden.

Dieser Aufsatz veranlasste Kreisheimatpfleger Theo Männer nachzugrübeln und in seinen Unterlagen nachzukramen. Dabei tauchte ein Schreiben des „Wappen-Papstes“ Ottfried Neubecker von 1983 auf, in dem dieser auch das Wappen am Schloss streifte und antwortete, dass seiner Meinung nach das Doppelwappen nicht dasjenige König Christophs sei, sondern das Allianzwappen des pfälzisch-wittelsbachischen Pfalzgrafen und Kurfürsten Friedrich II. und seiner Gemahlin Dorothea von Dänemark. Leider ging diese wichtige Nachricht in der Hektik und im Stress des Pfalzgraf-Johann-Jahres 1983 unter. Paulys Anstoß erinnerte Neubecker an ein Wappen an der ehemaligen Regierungskanzlei, jetzt Landgericht, in Amberg. Ein Blick in den Band Amberg der „Kunstdenkmäler“ (1909) und ein Kurzbesuch in Amberg (2008) brachten die nötige Bestätigung. In der Festschrift „575 Jahre Hussitenschlacht bei Hiltersried“ (2008) konnte die neue Erkenntnis aus redaktionellen Gründen leider nur in zwei Zeilen als Tatsache untergebracht werden. Bis heute fehlte die Zeit für eine ausführliche Darlegung. Zwischenzeitlich konnten aber auch zusätzliche weitere Details zur Geschichte des Wappens gefunden werden. Bei einer Recherche im Staatsarchiv Amberg tauchten neue interessante Unterlagen auf. Nämlich, im Sommer 1933 wurde durch das Landbauamt Amberg die Renovierung der Außenfassade des Amtsgerichtsgebäudes, also des Alten Schlosses, durchgeführt. Dabei wurde die Vermauerung der Nische (oben 15 cm, unten 29 cm tief) entfernt und das fragliche Doppelwappen wieder freigelegt. Das Landbauamt meinte damals, dass das Wappen von einem einheimischen Maler auf Putz gemalt und beim Umbau 1857 stark beschädigt worden sei.

Bezirksamtmann Franz Härtl regte 1934 beim Landbauamt an, das freigelegte Wappen durch den in Neunburg weilenden Münchner Kunstmaler Otto Pöppl restaurieren bzw. rekonstruieren zu lassen. Das Landbauamt konstatiert, dass es sich beim Wappen „heraldisch um die gleichen Wappen, die am Amberger Landgerichtserker in Stein gehauen sind, handle“, also die von Friedrich II. und seiner Gemahlin Dorothea. Eine Anfrage des Landbauamtes an das Landesamt für Denkmalpflege um eine „gefällige Stellungnahme“ blieb entweder unbeantwortet oder die Antwort konnte nicht gefunden werden. Eine Anfrage des Staatsarchivs Amberg an das Hauptstaatsarchiv München bezüglich des Neunburger Wappens führte zum Ergebnis, dass München vier verschiedene Siegel von König Christoph verwahre, das Neunburger Doppelwappen ließe sich allerdings nicht belegen. Während das Landbauamt offensichtlich von einem Wappen Friedrichs II. ausging, recherchierte das Staatsarchiv Amberg nach Christophs Wappen. Hinzu kommt: Kunstmaler Pöppl stand offensichtlich unter Zeitdruck. Die Renovierung musste abgeschlossen werden. Sie erfolgte im August 1934. Nach welcher Vorlage – Christoph oder Friedrich – bleibt offen.

1934 restauriert

Aufschlussreich wären die sechs Lichtbilder vom Wappen, von denen in einem Schreiben des Landbauamtes Amberg an das Landesamt für Denkmalpflege die Rede ist. Leider konnten sie nicht ausfindig gemacht werden. Eine qualifizierte Befundung und Dokumentation wurde ebenfalls unterlassen, so dass weder die zeitliche Herstellung des Wappens noch der Zustand vor der Renovierung fixiert werden konnten. Zu dem ganzen Verwirrspiel ist noch zu sagen, dass im Juni 1936 das Landbauamt Amberg in einem Aktenvermerk feststellte, dass bei der „Erneuerung“ des Wappens 1934 durch Otto Pöppl „irrtümlich in Anlehnung an das Wappen am Landgerichtsgebäude Amberg das Kurfürsten-Zeichen“ im pfälzischen Teil des Doppelwappens aufgenommen wurde (also pro Friedrich II.!). Im ursprünglichen Wappen sei das Zeichen nicht vorhanden gewesen (also pro Christoph!). Gemeint ist der kleine rote aufgesetzte Schild mit dem Reichsapfel. In einer Aquarell-Studie des Wappens, die sich im Original im Neunburger Museum befindet, lässt Otto Pöppl allerdings das Kurfürstenzeichen wieder weg. Wir wissen nicht, ob dieses schön aquarellierte Wappen vor oder nach der „Auffrischung“ des Originalwappens am Schloss angefertigt wurde.

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