MyMz
Anzeige

Musik

Video-Dreh in Maxhütter Tongrube

Dreharbeiten in Rohrhof: Die Band „Eclipse Sol-Air“ produziert das Video für den Titelsong des neuen Albums.
Von Norbert Wanner

Die Grube Rohrhof ist für Bandfrontmann Philippe Matic-Arnauld des Lions der ideale Ort für das Video zum Titelsong des kommenden Albums. Sein Dank galt Eigentümer Stephan Ebensberger für die spontane Zusage, die Grube nutzen zu können. Foto: Wanner
Die Grube Rohrhof ist für Bandfrontmann Philippe Matic-Arnauld des Lions der ideale Ort für das Video zum Titelsong des kommenden Albums. Sein Dank galt Eigentümer Stephan Ebensberger für die spontane Zusage, die Grube nutzen zu können. Foto: Wanner

Maxhütte-Haidhof.In einer staubigen, windigen Ödnis steht ein überdimensionierter Pick-Up vor einer einsamen rot-weißen Zapfsäule. Davor fläzt ein Mann mit Frack und Zylinder auf einem Sofa. Die Szenerie suggeriert ein durch und durch postapokalyptisches Bild. Man erwartet, dass sich die Tür öffnet, Mel Gibson aussteigt und noch einmal in die Rolle von Mad Max schlüpft. Wird der Blick weiter, rückt mehr in dieses Bild. Es taucht auf: eine Kamera samt Zubehör wie Schwenkarm und Diffusor; ein Regisseur, Komparsen, alles was es braucht um einen Film zu drehen. Bis dahin könnte immer noch Gibson ins Bild treten, was allerdings mitten in Maxhütte-Haidhof doch eher unwahrscheinlich ist.

Ort der Szenerie ist die Grube Rohrhof, in der über Jahrzehnte Ton abgebaut wurde. So sitzen im Auto nicht der Hollywoodstar, sondern Mitglieder der Band „Eclipse Sol-Air“, und auf dem Sofa fläzt der Kopf der Band, Philippe Matic-Arnauld des Lions. Mit ihm muss erst einmal die Frage geklärt werden, ob das ein Künstlername ist: Ist es nicht, wie Matic-Arnauld bereitwillig erklärt. Der Name verweist auf „alten französischen Adel“, allerdings ohne Schloss an der Loire. Es ist auch kein abendfüllender Hollywoodspielfilm mit Blockbusteranspruch, der in der Szenerie der Grube gedreht wird.

Regensburger Wurzeln

Am Ende der Dreharbeiten wird ein vier Minuten langes Video, passend zum Titelsong des derzeit in Arbeit befindlichen vierten Albums der Band mit Regensburger Wurzeln stehen. Zwar sind die Mitglieder in Sachen Studium und Arbeit inzwischen über ganz Bayern verteilt, aber kennengelernt haben sie sich alle in der alten Reichsstadt. Matic-Arnauld ist selbst ein Regensburger, der seine ersten musikalischen Gehversuche unter anderem bei den Domspatzen machte.

Heute ist der Frontmann Aufnahmeleiter für die PULS-Redaktion des Bayerischen Rundfunks und auch als Schauspieler für die Stadtmaus aktiv, was ebenso wie die Kontakte in die Landeshauptstadt von großem Vorteil war.

So fungiert Hubertus Hinse von der Stadtmaus als Regisseur und für die Technik konnten Studenten des Abschlussjahrgangs der Bayerischen Akademie für Fernsehen gewonnen werden. Ein professioneller Dreh war Matic-Arnauld wichtig. Eine zweistellige Anzahl von Szenen steht im Drehbuch, in der die geschilderte nur ein kleiner Ausschnitt ist. Dieses Ganze führt auf eine surrealistische Reise in das Thema des Albums hinein.

Wie der Titel schon andeutet, geht es um Erde und Mensch, um Natur und den Gegensatz, der sich zwischen Mensch und Natur auftut. So wird das Video zeigen, wie der Mensch die Erde im wahrsten Sinne des Wortes aussaugt und wie es auch der Titelsong thematisiert: „Kostbarkeit der Begierde ist durch nichts zu ersetzen … Möchte dich nur ganz leicht verletzen…“.

Diese ersten vier Minuten sind sozusagen das Zugeständnis von Matic-Arnauld an den Kommerz, denn anschließend geht es weiter. Der Titelsong ist ein Doppelsong, mit einer Länge von elf Minuten, dessen erste Hälfte rockig ist und sich gut als Singleauskoppelung eignet. In der zweiten Hälfte kommen verschiedenste musikalische Anleihen zum Vorschein – Markenzeichen der Band, wie man feststellt, wenn man sich ein wenig in ihre Musik einhört. Lange komplexe Arrangements, Musik, die sich über zehn Minuten und mehr entwickelt, samt der unüberhörbaren klassischen Vorbildung eines Teils der Bandmitglieder, fallen auf.

Auferstehung des „Krautrocks“

Dieser Aufbau ist ein eindeutiger Fingerzeig auf die großen musikalischen Vorbilder der Band, die Mike Oldfield oder Pink Floyd heißen. Insgesamt vier bis fünf Songs soll das fertige Album umfassen, erzählt Matic-Arnauld im Gespräch mit unserem Medienhaus – wie der Titelsong, alle in deutscher Sprache gehalten. Nach Englisch- und mehrsprachigen Stücken ist deutsch bewusst gewählt; denn mit dem Album soll der deutschsprachige „Krautrock“ wieder auferstehen.

Unter diesem selbstironieschem Signet versammelten sich Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts westdeutsche Bands, die meist experimentelle Rockmusik machten. Die Hoffnung der Band ist es, mit dem neuen Album dieser Musikrichtung wieder Leben einzuhauchen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht