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Sport

Viel Lob für die tolle Atmosphäre

Beim Regental-Triathlon ging die Rekordzahl von 150 Athleten an den Start. Aber die Teilnehmer bezeichnen ihn als gemütlich.
Von Renate Ahrens

Freistil war beim Schwimmen erlaubt. Fotos: Renate Ahrens
Freistil war beim Schwimmen erlaubt. Fotos: Renate Ahrens

Nittenau.Kein bisschen Sport habe sie noch vor zehn Jahren gemacht, sagt Stefanie Gesierich aus Zeitlarn, schon fertig im Schwimmanzug für den Start zum Regental-Triathlon. Das Rauchen wollte sich die junge Frau damals abgewöhnen. Und um den drohenden Gewichtsverlust abzuwenden, fing sie an zu laufen – erst ein wenig, dann immer mehr, und heute ist die 36-Jährige Extremsportlerin. Inzwischen nimmt sie an Marathons teil und ist mit ihrem Lauffreund Klaus Huber schon den Berg beim „Vertical Up“ in Kitzbühel hinaufgelaufen. Erst vor kurzem kam sie gar von einer halbjährigen Radtour durch Asien zurück. „10 000 Kilometer ging es vom Baikalsee bis Laos. Es war eine absolut beeindruckende Reise“, berichtet sie strahlend, hüpft von einem Bein zum anderen und kann es kaum erwarten, ins Wasser zu springen. Da kommen ihr doch die 20 Kilometer Radfahren hier in Nittenau sicher lächerlich vor? Die 36-Jährige schüttelt den Kopf. „Im Gegenteil. Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden. Es ist so überschaubar und gemütlich hier“, schwärmt sie.

Die Mütze hilft

Doch nun geht es endlich los. Neben ihr steht Richard „Ritschie“ Gottschalk mit einer lustigen Schwimmmütze mit Ohren. „Das sind meine Beschleunigungshörner“, erklärt der 29-Jährige todernst. „Sie sind besonders aquadynamisch.“ Bisher, so versichert er, hätten sie immer geholfen. Ob das wohl stimmt? Jedenfalls, sagt er noch schnell, bevor er an den Start geht: „Das hier ist der gemütlichste Triathlon überhaupt.“ Am Beckenrand fiebert gerade Peter Höfele aus Regensburg mit. Freistil sei hier erlaubt, erklärt der Trainer, ohne den Blick von den Schwimmern zu wenden. „Kraulen ist am schnellsten.“ Wichtig sei es, gleichmäßig und ruhig zu schwimmen und die Atmung zu kontrollieren. 400 Meter müssen geschafft werden, das sind sechs Bahnen. Und tatsächlich: Ritchie kommt als einer der Ersten aus dem Wasser. Doch das hat längst nichts zu bedeuten, schließlich gibt es vier Startgruppen, erst am Ende kann der Sieger ermittelt werden. Mit dabei ist auch Jochen Stöberl. Der 38-Jährige ist schon beim Iron Man in Hawaii mitgelaufen, doch den Regental-Triathlon versäumt er nie. „Als Nittenauer ist das für mich Pflicht und ein guter Test für den Iron Man in Hamburg, welche Schraube ich noch drehen muss“, sagt er. Gut kann er sich an seinen ersten Triathlon im Jahr 2005 erinnern. Ganze 13 Teilnehmer waren dabei – heuer gibt es mit 150 Startern einen neuen Rekord. Viel mehr könnten es sein, erklärt Michaela Bock, Vorsitzende der Radsportabteilung des TSV Nittenau. Aber die Kapazität im Freibad sei erreicht. Jochen Stöberl hat zuletzt 2014 gewonnen und will auch heuer auf dem Siegertreppchen stehen.

Tipps vom Trainer

Ob Ritchie da eine Chance hat? Die Konkurrenz ist groß. Mittlerweile rennen die Schwimmer zum Fahrrad, ziehen Schuhe und Helm an, und ab geht es zur Radstrecke. Am Rand des Freibads macht gerade eine Gruppe von sechs Jugendlichen vom TV Burglengenfeld Dehnübungen. Zum ersten Mal sind die 14-Jährigen dabei, ihr Trainer gibt ihnen letzte Tipps. Schon der sechste Regental-Triathlon ist es dagegen für Dr. Christopher Kolbeck. Der 33-jährige Marketingmanager ist nach einer Krebserkrankung beinamputiert. „Mit Prothese kostet jeder Schritt 40 Prozent mehr Energie als mit zwei Beinen“, erklärt der athletische Regensburger, der schon Deutscher Meister und vor zwei Wochen Bayerischer Meister im Paratriathlon wurde. Hier werde er schauen, ob die „Technik stimmt“. Nach jeder Disziplin muss er die Prothese wechseln, das allein dauere fünf Minuten. „Letzter will ich nicht werden“, versichert er entschlossen. Schließlich strebt er heuer einen Marathonlauf an – nur drei beinamputierte Sportler weltweit haben das geschafft.

Aus Richtung Marktplatz fahren die Radler zum Start der Laufstrecke an der Regentalhalle. Gesamtsieger wird tatsächlich Jochen Stöberl. Doch auch Ritchie ist glücklich: Die Mütze hat ihn wie geplant weitergebracht. Er wird Sechster und in seiner Altersklasse sogar Zweiter.

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