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Region Schwandorf
Dienstag, 14. August 2018 24° 3

Kultur

Vier Stunden Spitzen-Blasmusik gehört

„Mission Böhmisch“ und Eudaimonia erhielten in der Neunburger Schwarzachtalhalle vom Publikum stehende Ovationen.
Von Ralf Gohlke

  • Das gemeinsame Spiel beider Kapellen zählte mit zu den Höhepunkten der Hommage an die böhmisch-mährische Blasmusik. Foto: R. Gohlke
  • Simon Distler interpretierte mit seinem Solo auf der Tuba eindrucksvoll den „Gesang eines Krokodils“. Foto: ggo

Neunburg.Die Europameister haben ihr Heimspiel erfolgreich absolviert. Diesmal ging es allerdings nicht um sportliche Leistungen, sondern um Blasmusik auf höchstem Niveau. Unter dem Titel „Böhmisch küsst Mährisch“ hatten sich die Orchester „Mission Böhmisch“ unter der Leitung von Daniel Käsbauer und „Eudaimonia“ unter der Leitung von Tanja Dusel erneut zu einer Hommage an die Tradition der bayerisch-böhmischen Blasmusiktradition in der Schwarzachtalhalle zusammengefunden. Am Ende eines fast vierstündigen Konzertabends mit vielen Höhepunkten gab es für beide Ensembles stehende Ovationen vom begeisterten Publikum und den entsprechenden Ruf nach Zugaben, der gern erfüllt wurde.

Brillantes Solo auf der Tuba

Stolz übernahm Bürgermeister Martin Birner (links) die Notenurschrift des Marsches, den Daniel Käsbauer zum Stadtjubiläum komponiert hat. Foto: ggo
Stolz übernahm Bürgermeister Martin Birner (links) die Notenurschrift des Marsches, den Daniel Käsbauer zum Stadtjubiläum komponiert hat. Foto: ggo

Der Begriff des „Heimspiels“ galt vor allem für den gebürtigen Seebarner Daniel Käsbauer sowie einige Musikanten von „Mission Böhmisch“ aus der Region. „Beim Konzert vor einem Jahr war die Halle halb voll, heute sind wir ausverkauft“, freute sich Käsbauer über das große Publikumsinteresse. Mit einer der Gründe dafür dürfte das erfolgreiche Abschneiden der Musikanten heuer bei der Europameisterschaft der Blasmusik in Bamberg gewesen sein, bei der sie sich gegen eine starke Konkurrenz als Außenseiter den Europameistertitel holten. (unser Medienhaus berichtete).

Die Europameister in voller Aktion Foto: ggo
Die Europameister in voller Aktion Foto: ggo

Aus dem Grund waren auch die Insignien des Titelgewinns, der Pokal, eine „Bierliesel“ sowie die Urkunde auf einem Tisch aufgebaut worden. Auch das Bühnenlogo der Kapelle enthielt den Zusatz „Europameister der böhmischen und mährischen Blasmusik in der Höchststufe 2017“.

Tanja Dusel bei ihrem brillanten Trompetensolo Foto: ggo
Tanja Dusel bei ihrem brillanten Trompetensolo Foto: ggo

Den musikalischen Reigen eröffnete Tanja Dusel und ihre Kapelle „Eudaimonia“, die bereits 2016 mit „Mission Böhmisch“ auf der Bühne der Schwarzachtalhalle musizierte. „Auf nach Mähren“, lautete die Auftaktmelodie, der sich gleich die Polka „zur Premiere“ von Tanja Dusel anschloss. Nach zwei weiteren Titeln aus ihrer Feder, stellte sie mit dem „Valse brillante“ auf der Trompete ihre hohen technischen Fähigkeiten, aber auch ihr musikalisches Gefühl als Solistin eindrucksvoll unter Beweis.

Gemeinsam animierten die Musiker das Publikum zum Mitklatschen. Foto: ggo
Gemeinsam animierten die Musiker das Publikum zum Mitklatschen. Foto: ggo

Eher seltener ist da schon die Tuba als Soloinstrument zu hören. Dass dies aber durchaus funktioniert, bewies Simon Distler mit dem „Gesang eines Krokodils“. Schließlich unternahm „Eudaimonia“ nach vielen weiteren Polka-Titeln auch einen Ausflug in die Welt der Filmmusik. „Bastians flight“ aus Michael Endes „unendlicher Geschichte“ lieferte einen Eindruck von der Vielseitigkeit der Kapelle. Am Ende ihres Auftritts holte sich Tanja Dusel dann alle Musikanten auf die Bühne und in einer großen Session erklangen „Von Freund zu Freund“ und „Kaiserin Sissi“. Als Zugabe gab es noch „unter der Burg“, was auch als unter der „Neunburg“ zu verstehen sei, ergänzte die Dirigentin.

Diana Ferenz und Patrick Oroudji begeisterten auch als Sänger. Foto: ggo
Diana Ferenz und Patrick Oroudji begeisterten auch als Sänger. Foto: ggo

Anders als beim Konzert 2016 fiel dem Publikum gleich auf, dass „Mission Böhmisch“ diesmal mit der Klarinettistin Carola Stauber und der Flügelhornistin Diana Ferenz auch zwei Damen in ihren Reihen hatte. Letztere agierte im Rahmen des Abends noch des Öfteren zusammen mit dem Hornisten Patrick Oroudji als einfühlsames Gesangsduo. Die Anmoderation der einzelnen Konzertabschnitte übernahm Florian Forster, ansonsten an der Tuba aktiv. Der „Astronautenmarsch“ und „Wir feiern heute ein böhmisches Fest“, aus der Feder von Daniel Käsbauer sowie die „Fuchsgraben Polka“ bildeten den Auftakt.

Marsch zum Jubiläum komponiert

Tanja Dusel und ihre Kapelle „Eudaimonia“ in Aktion Foto: ggo
Tanja Dusel und ihre Kapelle „Eudaimonia“ in Aktion Foto: ggo

Die Modereration selbst übernahm Käsbauer aus besonderem Anlass einige Märsche und Polkas später für den „Marsch ohne Titel“. Dazu bat er Bürgermeister Martin Birner auf die Bühne. Den „Straßenmarsch“ hatte Käsbauer nämlich erst am Mittwoch zu ehren des Stadtjubiläums „1000 Jahre Neunburg“ komponiert, als kleines Dankeschön an seine Heimat. Tatsächlich stand auf der Urschrift, die er an den Bürgermeister übergab, nur „Titel“. Er hoffte auf die Kreativität der Neunburger, die nun Vorschläge unterbreiten und bei der Stadt einreichen sollen. Das Werk, dessen Uraufführung im Anschluss erfolgte, kam schon mal gut an. Martin Birner nutzte die Gelegenheit, sich für „einen Abend mit bester Blasmusik von Spitzenmusikern“ zu bedanken. Kräftig sang am Ende bei den Zugaben sogar das Publikum mit, bevor es die Akteure mit großen Applaus entließ.

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Die Akteure

  • Mission Böhmisch:

    Musikalischer Leiter und Dirigent, Daniel Käsbauer; Gründung im November 2013 zunächst als Projekt „Böhmisch“; Zielsetzung: Egerländer Blasmusik nicht nur unterhaltend zu spielen, sondern konzertant darzubieten; Initiator Daniel Käsbauer holte sich ambitionierte Laien- und Berufsmusiker dazu, um das Projekt weiter auszubauen, mit dem Endziel, eine Kapelle im Egerländer Stil zu kreieren; der Name „Mission Böhmisch“entstand aus dem Antrieb, die böhmische Blasmusik hochzuhalten und ansprechend darzubringen; von Beginn an ließ Käsbauer eigene Werke ins Programm einfließen; die bisherige Krönung war Rang eins bei der Europameisterschaft 2017 in Bamberg.

  • Blaskapelle Eudaimonia:

    Musikalische Leitung und Dirigentin Tanja Dusel; Gründung im Sommer 2015; die Gründerin hatte diese Art der Musik „mit den ungeraden Achteln“ schon als kleines Mädchen in ihren Bann geschlagen; daraus entstand ihr große liebe zur Trompete, die sie bis zur Höchststufe beherrscht; der Name „Eudaimonia“ entstammt der antiken Philosophie, in welcher der Begriff so etwas wie die „Glückseligkeit“ des Menschen bezeichnete; diesen Zustand möchte die Kapelle für sich selbst und ihre Zuhörer in jeder einzelnen Note wiederfinden, aus reiner Freude an der Musik; als Mitglied verschiedener Kapellen ist Tanja Dusel ebenfalls schon Europameisterin.

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