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Region Schwandorf
Mittwoch, 15. August 2018 25° 6

Vernissage

Vom Flugzeugwerk zum Flüchtlingslager

Zur Sonderausstellung über das „Waldlager“ im Heimat- und Bauernmuseum Mappach kamen viele ehemalige Bewohner.

Viele ehemalige Bewohner des Waldlagers kamen zur Eröffnung und tauschten Erinnerungen aus. Foto: taf
Viele ehemalige Bewohner des Waldlagers kamen zur Eröffnung und tauschten Erinnerungen aus. Foto: taf

Bruck. Auf sehr großes Interesse stieß die Eröffnung der Sonderausstellung im Heimat- und Bauernmuseum in Mappach. Auf einer Historischen Wanderung zum ehemaligen Waldlager im vergangen Jahren, entstand die Idee zu dieser Ausstellung.

Nach der Begrüßung durch den zweiten Vorsitzenden Anton Baier berichtete Museumsleiter Dietmar Meier, dass bei dieser Wanderung im vergangen Jahr Matthias Ruder mit dabei war. Dieser stellte sich als Fachmann dafür heraus, was die frühere Nutzung dieses Geländes anbelangte. Ruder erklärte sich sofort bereit, bei einer Ausstellung zu diesem Thema mitzuarbeiten. Am Sonntag nun hatte er einen Vortag ausgearbeitet, der sich mit der Entwicklung dieses Geländes vom Flugzeugwerk zum Flüchtlingslager befasste.

Die Regensburger Messerschmittwerke war durch Luftangriffe der amerikanischen Bomberverbände gezwungen, sich alternative Produktionsstätten zu suchen. So kam man auf die Idee, die Produktion der Flugzeuge in den Wald zu verlagern. Unter diesen sogenannten Waldwerken nahm das Werk im Einsiedler Forst, eine Sonderstellung ein. Später sollte es als Flüchtlingslager dienen. Im September 1944 wurde die Arbeit im Wald bei Mappach aufgenommen. Hier wurde von Kriegsgefangenen der Rumpf, hauptsächlich des Jagdflugzeugs Masserschmitt Bf 109 K-4, montiert und der Motor eingesetzt. Danach wurden die halbfertigen Maschingen zur Endmontage nach Cham-Michelsdorf gebracht. Gut getarnt blieb die Produktionsstätte von den alliierten Flugzeugen unentdeckt. Ein Luftbild, das auch in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt, trotz einiger Hallen, die gebaut worden waren, keinerlei Anhaltspunkt, der vermuten ließe, was hier im Wald entstand.

Am 23. November 1945 wurde dieser Lager, wohl nach Hinweisen aus der Bevölkerung, von dem Amerikanern entdeckt. Nachdem die ehemaligen Zwangsarbeiter das Lager nach und nach räumten, begann 1946 die Geschichte als Flüchtlingslager. Als Massenaufnahmelager waren damals 650 Personen dort untergebracht. Die Nutzungsdauer sollte nur sechs Monate betragen, daraus wurden dann aber acht Jahre. 360 Personen lebten später hier und gründeten ein eigenes Dorf. Es entstand eine Schule, ein Wirtshaus, ein Kramerladen, ein Fuhrunternehmen und es wurde eine kleine Kirche gebaut und eine Fußballmannschaft zusammengestellt. Es gab Bemühungen die Menschen in die Umgebung umzusiedeln, was aber anfangs nicht gelang.

Trotz vieler widriger Umstände hatten die Zwangsvertriebenen hier eine neue Heimat gefunden. Sie bauten Gemüse an, hielten Kleintiere und später entstand sogar ein Kindergarten. Ab 1950 leerte sich dann aber das Lager doch und 1954 verließ die Familie Axmann als letzte dieses Behelfszuhause. Zur Ausstellungseröffnung kamen viele frühere Bewohner. Zum Teil hatten sie auch ihre Kinder und Enkel mitgebracht und oft hörte man ein, „Mei, da kann ich mich noch gut daran erinnern oder ein, weißt du noch?“

Auch wenn die Haare der damaligen Kinder nun schon grau geworden sind, und sich in manche Gesichter die Falten des Lebens eingegraben haben, bei Ansehen der Zeitungsartikel und vielen Fotos, wurden sie wieder Kinder, die Kinder vom Waldlager bei Mappach. (taf)

Die Öffnungszeiten

  • Die Ausstellung

    , in der neben den viele Bildern und Zeitungsberichten über die Zeit als Flüchtlingslager auch viele Fundstücke aus den Zeiten als im Waldlager noch Flugzeuge zusammengebaut wurden, zu sehen sind, kann zu den Öffnungszeiten besichtigt werden.

  • Geöffnet ist das Heimat- und Bauernmuseum

    sonntags von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Zu finden ist das Museum in Mappach, Museumsstraße 1.

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