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Verkehr

Weg für barrierefreien Bahnhof ist frei

Der Bodenwöhrer Bahnhof soll barrierefrei werden. Die Planungen sind abgeschlossen, der Zeitplan ist noch nicht fix.
Von Renate Ahrens

Landrat Thomas Ebeling, CSU-Ortsvorsitzender Georg Hoffmann und MdB Karl Holmeier freuen sich über den geplanten Umbau. Fotos: Ahrens
Landrat Thomas Ebeling, CSU-Ortsvorsitzender Georg Hoffmann und MdB Karl Holmeier freuen sich über den geplanten Umbau. Fotos: Ahrens

BODENWÖHR.Thomas Schmidt ist aufgrund einer Erbkrankheit praktisch blind. Der 57-Jährige wohnt ganz in der Nähe des Bahnhofs Bodenwöhr und fährt täglich alleine mit dem Zug nach Regensburg zu seinem Arbeitsplatz in der Telefonzentrale eines Krankenhauses. Das stellt ihn Tag für Tag vor große Herausforderungen. „Wenn der unebene Asphalt am Bahnhof nass oder glatt ist, ist schon der Weg zum Bahnsteig nicht einfach“, erklärt der gelernte Krankenpfleger, der auch noch leicht gehbehindert ist. Vier hohe Stufen sind es dann hinauf zum Regio-Zug. „Ich taste mit dem Blindenstock die Kanten“, erklärt er – vor allem beim Aussteigen abends auf dem Heimweg sei jedoch die letzte Stufe besonders tief. Für ihn und viele andere Reisende könnte es bald leichter werden.

Politiker sind zuversichtlich

Die Oberpfalzbahn ist sowohl für Pendler als auch für Touristen attraktiv.
Die Oberpfalzbahn ist sowohl für Pendler als auch für Touristen attraktiv.

Für Menschen mit Behinderung ist Mobilität schließlich die Voraussetzung zur Teilhabe an der Gesellschaft, darüber waren sich auch MdB Karl Holmeier, Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeisterkandidat Georg Hoffmann (CSU) bei einem Ortstermin am Bahnhof in Bodenwöhr einig. Nicht nur die Verbindungen der Straßen, sondern auch die der Schienen seien dabei wichtig. Holmeier konnte am Bahnsteig eine gute Nachricht verkünden: Die Planungen für einen barrierefreien Ausbau des kleinen Bahnhofs in der Hammerseegemeinde seien abgeschlossen. „Überall, wo Planungen fertig sind, wurde auch gebaut“, zeigte er sich zuversichtlich. Einen genauen Zeitplan gebe es noch nicht.

Bereits vor etwa sechs Jahren hatte sich der Bodenwöhrer Seniorenbeirat mit Vorsitzendem Günter Makolla an die Deutsche Bahn gewandt und Verbesserungen gefordert – allerdings ohne Erfolg. Zu wenig Ein- und Ausstiege verzeichne man hier, so die Begründung laut Makolla. Probleme würden vor allem die DB-Regio-Züge bereiten, sagt auch er. Auf etwa 70 bis 80 Zentimeter schätzt Makolla die Höhe, die beim Ein- und Ausstieg bewältigt werden muss. „Für Gehbehinderte oder Mütter mit Kinderwagen ist das sehr schwierig.“ Die modernen Züge der Oberpfalzbahn dagegen könnten abgesenkt werden.

Förderung kleiner Stationen

  • BABSI 21:

    Das Ende 2016 beschlossene „Bayerische Aktionsprogramm für barrierefreie Stationsinfrastruktur 2021“ (BABSI 21), bündelt und erweitert bereits existierende Bundes- und Landesprogramme. Das Ziel ist, den barrierefreien Ausbau von Bahnstationen voranzutreiben.

  • ZIP:

    Ebenso Bestandteil ist das Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP) des Bundes, das auf den barrierefreien Ausbau kleinerer Stationen abzielt. Die Finanzierung der Vorhaben übernehmen dabei der Bund und die Länder in einer Komplementärfinanzierung.

  • Konzept:

    Das ZIP umfasst in Bayern kleine Bahnhöfe, die weniger als 1000 Ein-, Aus- und Umsteiger pro Tag aufweisen – wie Bodenwöhr.

  • Infos:

    Die DB-Mobilitätsservice-Zentrale gibt unter Tel. (01 80) 6 51 25 12 oder E-Mail msz@deutschebahn.com bei Bedarf Informationen und Hilfestellungen bereits vor der Fahrt.

MdB Holmeier sagte nach dieser Absage Unterstützung zu und wandte sich, ebenso wie der CSU-Ortsverband, vor etwa zwei Jahren mit der Aufforderung an die Deutsche Bahn, eine Planung für den Ausbau des Bahnhofs vorzulegen. Erst dann sei es möglich, beim Bund Fördermittel zu bekommen, hatte er bei einem Ortstermin erklärt.

„Alle, ob Pendler, Touristen oder Radfahrer, haben Vorteile durch die Barrierefreiheit.“

MdB Karl Holmeier

Groß ist die Freude nun über den Erfolg. Bodenwöhr sei ein Tourismusort mit wunderschönem See und ausgeprägtem Radwegenetz, erklärte Hoffmann. Sehr positiv sei bereits auch die Aufnahme Bodenwöhrs in den Regensburger Verkehrsverbund (RVV) im April 2016 gewesen. Nun sei man wieder einen Schritt weiter: „Alle, ob Pendler, Touristen oder Radfahrer, haben Vorteile durch die Barrierefreiheit.“ Landrat Ebeling zeigte sich ebenfalls sehr erfreut, schließlich hätte man auch schon in anderen Orten des Landkreises, wie in Maxhütte, Verbesserungen umgesetzt.

Bodenwöhrer Bahnhof ist wichtig für die gesamte Region

Der Bahnhof Bodenwöhr sei überhaupt wichtig für die gesamte Region. „Vor allem seit die Verbindung von Nürnberg nach Prag als Transitstrecke besondere Bedeutung erlangt hat, kommt auch unserem Heimatort eine zentrale Stellung zu. Unser Bahnhof ist inzwischen attraktiv für Pendler in alle Richtungen“, erläuterte Hoffmann. Auch an der Auslastung des Pendlerparkplatzes am Bahnhof Bodenwöhr könne man erkennen, dass sich die Haltestelle „Bodenwöhr Nord“ großer Beliebtheit erfreue und die Bahn als Beförderungsmittel an Attraktivität gewonnen habe. „Ein Bahnhof ist ein Plus an Lebensqualität, das nicht viele Orte im ländlichen Raum vorweisen können“, meinte Hoffmann.

Alles zur Bürgermeisterwahl in Bodenwöhr lesen Sie hier.

Bürgermeisterkandidat Hubert Süß (Bürgerliste) betonte, die Verantwortlichen vor Ort müssten darauf achten, dass mögliche Synergien beim Umbau zur Barrierefreiheit genutzt werden, um das gesamte Umfeld des Bahnhofs auf einen ordentlichen Stand zu bringen.„Die Initiative unseres damaligen Seniorenbeirats unter Federführung von Günter Makolla trägt damit nach Jahren Früchte“, sagte Süß.

Der Mitbewerber der SPD, Stefan Rauch, wollte sich zu dem Thema auf Nachfrage der MZ nicht zitieren lassen.

Optimistische Prognose

Doch wie geht es nun weiter? Die Planungen sind abgeschlossen – jetzt geht es um die Finanzierung, erklärte Holmeier. Zum Glück gäbe es Förderprogramme, wie das neue „ZIP“, mit dem bereits 118 Bahnhöfe – so auch Schwarzenfeld– in den Haushalt 2019 aufgenommen seien. „Rund 330 Millionen Euro sind an Bundesmitteln bereitgestellt“, sagte Holmeier. Und: „Wir wollen so bald wie möglich bauen.“

Bilanz

Bahn treibt Abgeordnete zur Verzweiflung

Marianne Schieder (SPD) und Karl Holmeier (CSU) reagieren mit Unverständnis auf die Zustände in Schwandorf.

Laut der Prognose des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr könnte das realistisch sein: Im Jahr 2021 sollen 49 Prozent aller bayerischen Stationen barrierefrei sein – heute sind es nur 39 Prozent (in der Oberpfalz wird eine Steigerung von 37 auf 53 Prozent erwartet). Die Bundesmittel für das neue Förderprogramm dürften laut einem Schreiben von Andreas Scheuerer, Bundesminister für Verkehr, mit dem Haushaltsjahr 2020 bereitgestellt werden.

Damit ist noch längst nicht alles getan: Thomas Schmidt hofft außerdem auf eine Verbesserung in Schwandorf, wo er täglich umsteigen muss. Günter Makolla freut sich zwar sehr über eine baldige Barrierefreiheit in Bodenwöhr, würde sich aber auch richtige Toiletten wünschen – statt der beiden Dixie-Toiletten, die die Gemeinde nach einer Forderung des Seniorenbeirats dort aufgestellt hat.

Ob Umleitungen, Sperrungen oder Bauarbeiten: Hier finden Sie alles zum Verkehr im Landkreis Schwandorf.

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