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Infrastruktur

Weichenstellung für die Bahn

Bei der Bahnlinie von Schwandorf nach Prag stehen die Signale auf Grün. Im Verbund ist jetzt endlich ein Ausbau in Sicht.
Von Hubert Heinzl

Beim Ausbau der Bahnstrecke von Schwandorf über Furth i. Wald nach Prag ist eine entscheidende Hürde genommen. Als Teil der Metropolenbahn erhält sie im Bundesverkehrswegeplan ab Herbst oberste Priorität. Foto: Archiv/fu
Beim Ausbau der Bahnstrecke von Schwandorf über Furth i. Wald nach Prag ist eine entscheidende Hürde genommen. Als Teil der Metropolenbahn erhält sie im Bundesverkehrswegeplan ab Herbst oberste Priorität. Foto: Archiv/fu

Schwandorf.Infrastrukturpolitik machen, das heißt vor allem dicke Bretter bohren. Diese Erfahrung musste nicht nur CSU-Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier machen, Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur, sondern auch schon die Riege seiner Vorgänger. Seit Jahren schon bemühen sich Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker aus Ostbayern um eine Verbesserung der Zugverbindung nach Prag.

Jetzt ist endlich die vielleicht wichtigste Etappe erreicht: Der Ausbau der sogenannten Metropolenbahn, das heißt, der Bahnlinien Nürnberg – Amberg – Schwandorf und München – Regensburg – Schwandorf und von dort über Cham und Furth i. Wald bis in die tschechische Hauptstadt wird laut Holmeier bis September im aktuellen Bundesverkehrswegeplan hochgestuft. Aus einem möglichen Projekt unter vielen wurde ein Vorhaben des „vordringlichen Bedarfs“, das bis zum Jahr 2030 mit aller Kraft vorangetrieben werden soll.

Ziel der Maßnahme ist die Elektrifizierung des gesamten Streckenverbunds und ein zweigleisiger Ausbau dort, wo es sachlich geboten erscheint. Zeit wird’s – denn für die 500 Kilometer lange Strecke zwischen München und Prag braucht der Zug immer noch fast sechs Stunden. Nach Abschluss der Maßnahme könnte sich die Fahrtdauer um ein Drittel reduzieren.

Kosten von 500 Millionen Euro

Holmeier ist optimistisch, dass das Langzeit-Projekt jetzt endlich die Kurve kriegt. „Es geht jetzt wirklich zack-zack vorwärts“, sagt er zur Mittelbayerischen und meint damit, dass eine realistische Chance besteht, das Projekt bis zum Jahr 2030 zu realisieren. Wenn im Herbst die formalen Voraussetzungen bestehen, sind aber erst einmal die Planer dran. Der Freistaat will nach Angaben Holmeiers in diesem Prozess nicht außen vor bleiben, sondern vielmehr für Tempo sorgen. „Laut Aussage der Bayerischen Staatsregierung“, erklärt er, „ist man bereit, für die Strecke Schwandorf – Furth i. Wald – Grenze die Planung bis zum Baurecht zu finanzieren“. Die Gesamtkosten schätzen Fachleute auf rund 500 Millionen Euro – davon entfallen allein auf den Abschnitt von Schwandorf bis zur Grenze rund 350 Millionen Euro.

Unbestritten ist für den Bundestagsabgeordneten, dass der traditionelle Bahnknotenpunkt Schwandorf auch in dieser Funktion erhalten bleibt. „Eine Einbindung des Bahnhofes Schwandorf ist zwingend erforderlich. Schwandorf muss Mobilitätsdrehscheibe bleiben“, sagt Holmeier angesichts von früheren Entwürfen, in denen die Bahntrasse schon mal einen Bogen um die Große Kreisstadt machte. Solche Visionen sind offenbar vom Tisch. „Die Forderung der Stadt Schwandorf, den Bahnhof einzubinden, wird voll unterstützt, von der Kommunalpolitik bis zur Bundespolitik. Die Züge von München/Nürnberg nach Prag sollen in Schwandorf zu einem Zug zusammengeführt werden“, verspricht der Abgeordnete.

Auch mit dem barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe geht es voran, wenngleich ebenfalls in Trippelschritten. In Furth i. Wald wurde im April der erste Spatenstich für einen solchen zeitgemäßen Umbau gefeiert; die Bahnhöfe in Maxhütte-Haidhof und Pfreimd sind bereits barrierefrei. Doch im offiziellen Ausbauprogramm des Freistaats unter dem wohlklingenden Namen „BABSI 21“ (Bayerisches Aktionsprogramm für barrierefreie Stationsinfrastruktur) sind keine weiteren Baumaßnahmen rund um die künftige Drehscheibe Schwandorf vorgesehen. Bewegung gibt es zurzeit eher hinter den Kulissen: Der barrierefreie Ausbau am Standort Amberg soll bis 2021 wenigstens durchgeplant werden. Beim Haltepunkt Bodenwöhr stehen laut Holmeier diese Arbeiten kurz vor dem Abschluss, und auch für Schwarzenfeld laufen die Planungen.

Holmeier: „Immer wieder Geld“

Wann die einzelnen Vorhaben umgesetzt werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Zwar versichert Holmeier, dass es für einzelne Maßnahmen „immer wieder Geld“ aus den verschiedensten Fördertöpfen geben werde. „Wichtig ist zunächst einmal, dass die Planungen fertig sind“, sagt er. Doch gerade bei den Bahnhöfen entlang der Trasse Regensburg – Hof sind schnelle Lösungen nicht in Sicht. Nach wie vor nimmt der Freistaat den Bund als Bauherren in die Pflicht. Die Barrierefreiheit des Bahnhofs Schwandorf soll deshalb weiter „im Rahmen des Ausbaus des Ostkorridors von Regensburg bis Hof realisiert werden“, so der Abgeordnete. Aber das kann dauern.

Der Freistaat hat deshalb eine Art Notschalter aktiviert. Für den Fall, dass sich die Elektrifizierung der Bahnlinie von Regensburg nach Hof über Gebühr hinzieht, gibt das Bayerische Verkehrsministerium in seinem jüngsten Konzept zur Barrierefreiheit eine Art „Planungsgarantie“ entlang der gesamten Trasse. Das Kostenvolumen liegt bei sieben Millionen Euro.

Metropolenbahn

  • Vordringlicher Bedarf:

    Der Ausbau der Bahnlinien von München/Regensburg und Nürnberg nach Schwandorf, Cham und Furth i. Wald („Metropolenbahn“) ist im aktuellen Bundesverkehrswegeplan in die Maßnahmen der obersten Priorität, den „vordringlichen Bedarf“, gerückt. Beim „Bahngipfel“ Furth i. Wald im Juli 2017 hatte der damalige Verkehrsminister Dobrindt das zugesagt, bis September will der Bund die formalen Voraussetzungen schaffen.

  • Barrierefreiheit:

    Für den barrierefreien Umbau der Bahnhöfe an den Ausbaustrecken ist nach Auffassung der Staatsregierung der Bund zuständig. Der Freistaat will aber auf jeden Fall die Planungskosten absichern. (hh)

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