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Tourismus

Wer die Steinberger Holzkugel erklimmt

Viele sind von der Holzkugel begeistert. Sorgen bereiten aber die Parkgebühren. Die Betreiber planen schon die Zukunft.
Von Reinhold Willfurth

Hoch hinaus beim Firmausflug: Diese Kinder aus Kastl haben den Trip zur Kugel genossen. Foto: fu
Hoch hinaus beim Firmausflug: Diese Kinder aus Kastl haben den Trip zur Kugel genossen. Foto: fu

Steinberg am See.Nach dem großen Rummel in den Pfingstferien ist das die Woche für Genießer: Keine Warteschlangen an Kasse und Rutsche, kein Gedrängel an den Bewegungsstationen und auf der Aufsichtsplattform trüben das Erlebnis der Besucher auf und um die Holzkugel am Steinberger See. Vor allem Menschen aus der Region tummeln sich dieser Tage in der neuen Touristenattraktion des Oberpfälzer Seenlands, erklimmen die Kugelspitze und gönnen sich hinterher ein Eis oder ein Bier im Kugel-Biergarten. Manchen Besuchern genügt sogar nur der Blick von unten auf die riesige Holzkonstruktion und auf den See: Nicht immer fällt er gnädig aus.

Familie feiert auf der Holzkugel Vaters Geburtstag

Für Paula, Marlene, Emil, Tanja und Michael Schwimmbeck gilt das nicht. Die Familie aus Neutraubling hat sich am Morgen zum Ausflug ins Seenland aufgemacht, um die Kugel zu erobern. Vater Michael ist in Spendierlaune: Er hat heute Geburtstag. Auch wenn so ein Familienausflug kein billiges Vergnügen sei, findet Michael Schwimmbeck die Preise in Ordnung: „Die müssen ja auch von was leben“, zeigt er Verständnis für die Preispolitik der Investoren.

Die Rutsche im Herzen der Kugel ist vor allem bei Kindern beliebt. Foto: Archiv/Zwick
Die Rutsche im Herzen der Kugel ist vor allem bei Kindern beliebt. Foto: Archiv/Zwick

Paula (11) hat die Rutsche im Herzen der Kugel am meisten genossen. „Du musst dich nur überwinden“, sagt sie auf die Frage, ob sie lange gezögert habe, sich in die Tiefe zu stürzen. Mutter Tanja findet den Raumeindruck toll: „Schon das Raufgehen ist ein Erlebnis“. Die „sehr leckere Gastronomie“ und das „schöne Ambiente“ machen den Kugel-Besuch für sie zu einem besonderen Erlebnis.

Rundum zufrieden sind auch elf Kinder aus Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach, die im Rahmen ihres Firmausflugs die Holzkugel erkundeten. „Die Verbindung von See und Kugel-Erlebnis“ findet Betreuerin Waltraud Geitner hier besonders schön. Dass auch den Kastler Kindern die spiralförmige Rutsche am besten gefallen hat, weiß Hedwig Öchsl. Und Claudia Niebler findet die Bewegungsstationen toll. Anspruchsvoll seien freilich auch die Eintrittspreise, obwohl die Kastler Delegation zum günstigen Gruppenpreis reingekommen sei.

Über 60 000 Menschen besuchten die Holzkugel am Steinberger See bislang

Auch Ministerpräsident Markus Söder tummelte sich bei der Einweihung am 1. April in schwindelnder Höhe im Kugelinneren. Foto: Archiv/Zwick
Auch Ministerpräsident Markus Söder tummelte sich bei der Einweihung am 1. April in schwindelnder Höhe im Kugelinneren. Foto: Archiv/Zwick

Tom Zeller, der zusammen mit Kim Kappenberger die Kugel betreibt, weiß um das Preisbewusstsein seiner Besucher. Mindestens 60 000, so seine Schätzung, haben seit der „sanften Eröffnung“ im Februar ein Ticket gelöst, damit sei man „ein bisschen über Plan“. Und die Kugel-Gastronomie laufe sogar noch besser. Mit Sonderaktionen wie dem „Early Bird“- oder dem „Sundowner-Ticket“ ist das Kugel-Management auf die Besucher zugegangen. Auch Rentner zahlen einen ermäßigten Preis.

Wir haben die Besucher gefragt, was sie von den Preisen rund um die Holzkugel halten:

Das sagen Besucher zu den Preisen für die Holzkugel.

Das dürfte die 81-jährige Dame aus Steinberg, die heute die Kugel zum zweiten Mal erklommen hat, freuen. „Ich wollte einfach sehen, wie es im Juni von dort oben ausschaut“, sagt die Seniorin verschmitzt. Ihre Tochter, stolze Besitzerin einer Jahreskarte, sitzt ihr auf der Bierbank gegenüber: Die Steinberger Gemeinderätin Erika Oberndorfer ist davon überzeugt, dass die Holzkonstruktion kein trojanisches Pferd für die Region ist.

Für Ärger, vor allem unter heimischen Gästen, sorgen die Parkgebühren rund um den Steinberger See. Foto: Archiv/smx
Für Ärger, vor allem unter heimischen Gästen, sorgen die Parkgebühren rund um den Steinberger See. Foto: Archiv/smx

„Arbeitsplätze für unsere Bürger“ erwartet sie sich von dem Aufschwung durch die Kugel, und mit dem Erscheinungsbild hat sie nach anfänglicher Skepsis längst ihren Frieden gemacht. Mit 150 000 Gästen pro Jahr kalkulieren die Betreiber, und Oberndorfer fände es toll, wenn sich mehr Gemeindebürger auf diesen Zustrom einstellen würden, etwa durch die Bereitstellung von Zimmern.

Auf dem Steinberger See wird’s manchem zu eng

Genau dieser Rummel rund um den einst eher stillen Steinberger See ist es, der manche Einheimische skeptisch bleiben lässt. Und für sie ist die Kugel nur die Spitze einer Entwicklung, für die sie auch das hässliche Wort „Kommerz“ bemühen.

Kulturprogramm und Öko-Urlaub

  • Biergarten:

    Ab Juli soll der Biergarten an der Kugel bis mindestens 21.30 Uhr geöffnet werden – abends dann möglichst ohne Parkgebühren, so der Wunsch der Betreiber. Das letzte Wort hat hierzu die Gemeinde Steinberg.

  • Kulturprogramm:

    Regelmäßig sollen in und um die Kugel Kulturveranstaltungen stattfinden. Den Anfang macht eine Ausstellung mit neuen Werken des Holzbildhauers Willi Leo Hengge am 12. Juli. Eintritt für die Kugel frei.

  • Ferienhäuser:

    „Ein Aushängeschild für ökologischen Urlaub in Bayern“ sollen laut Tom Zeller die Ferienhäuser am Seeufer werden. Nach Finanzierung und Planung soll voraussichtlich im Frühjahr Baubeginn sein.

So wie Josef Bäuml. Der passionierte Segler aus Büchelkühn trinkt vor der Kugelwirtschaft in aller Ruhe sein Weizen und hat nach eigenen Angaben keinen Drang, ein Ticket zu kaufen. Nach zehn Jahren hat er kürzlich sein flottes Kielboot verkauft, aus Sorge, bei Wellengang und Gegenlicht einen Schwimmer zu verletzen, von denen sich immer mehr auch jenseits der Uferzone tummelten. „Für die Gemeinden ist die Kugel super, aber mit der Ruhe auf dem See ist’s vorbei“, sagt Bäuml.

Die Ferienhaussiedlung der Kugel-Betreiber soll ein ökologisches Vorzeigeprojekt werden. Visualisierung: Archiv/Inmotion Park
Die Ferienhaussiedlung der Kugel-Betreiber soll ein ökologisches Vorzeigeprojekt werden. Visualisierung: Archiv/Inmotion Park

Auch ein Paar aus Bogen überlegt bei einem Getränk im Biergarten noch, ob es die Kugel besteigen soll. Während die Frau die Ansicht „cool“ findet, aber gleichzeitig Verständnis zeigt für die Ängste der Einheimischen, setzt ihr männlicher Begleiter auf den Gewöhnungseffekt. Gislund Kramer aus Schwandorf hat hingegen mit dem Steinberger See abgeschlossen und ihre Aktivitäten an den Klausen- und den Brückelsee verlegt.

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