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Kultur

Wie im Sommer auf Katthult

Das Landestheater Oberpfalz gastiert nun öfter in der südlichen Oberpfalz. In Neusath feierte es eine Premiere.
Von Renate Ahrens

Der Kopf steckt in der Schüssel! Was Michel nur immer für Streiche anstellt! Fotos: Ahrens
Der Kopf steckt in der Schüssel! Was Michel nur immer für Streiche anstellt! Fotos: Ahrens

Nabburg.„Michel!“ Erbost ruft der Vater nach seinem Sohn – was hat er nun wieder angestellt? Wer kennt ihn nicht, den Lausebengel in dem schwedischen Dorf Lönneberga? Sommer auf dem Hof Katthult, das ist der Inbegriff von Idylle und Freiheit. An einem Ort, der perfekter nicht sein könnte, wurde das Erfolgsstück des vergangenen Jahres des Landestheaters Oberpfalz gestern zweimal aufgeführt.

Im Hof des Denkenbauernhofs im Freilandmusuem Neusath-Perschen erzählte man die Geschichte des wohl berühmtesten Jungen aus Schweden in einer Kulisse, die ein Bühnenbild überflüssig machte. Die Episode „Michel in der Suppenschüssel“ wurde von den Schauspielern im Alter zwischen sieben und 35 Jahren mit viel Charme, Können und Herzblut aufgeführt. Die großen und kleinen Besucher fieberten mit den Darstellern mit und klatschten begeistert. Regisseurin Doris Hofmann hätte die Mitwirkenden nicht passender aussuchen können – Michel wurde sogar von einem Mädchen gespielt, der neunjährigen Nele Meier.

Auftritte in Gebäuden mit Flair

Natürlich kenne und liebe sie die Figur des Michels: „Besonders gut gefällt mir, dass Michel immer fröhlich und hilfsbereit ist“, sagt Nele strahlend, und kaum aufgeregt. Schließlich ist sie trotz ihres Alters eine erfahrene Schauspielerin. Parallel wirkt sie im Stück „Alice im Wunderland“ als „Karte Zwei“ mit. Viel Spaß mache das Proben, sagt Nele, wie auch der Regisseurin selbst, die nun, eine Stunde vor dem Auftritt, Lockerungsübungen mit dem Ensemble macht.

Nele als Michel und Mia als Ida haben viel Spaß. Foto: Ahrens
Nele als Michel und Mia als Ida haben viel Spaß. Foto: Ahrens

Heiß ist es heute, auf der Bühne ist kein Schatten. Alle kühlen sich deshalb mit Eiswürfeln den Nacken, und begeben sich schließlich in die Maske. Auch dort kommt man sich vor wie auf Katthult: Schwalben fliegen in die große alte Scheune ein und aus, die Holztore müssen deshalb die ganze Zeit geöffnet bleiben.

Das Landestheater spielt überhaupt am liebsten an Orten wie solchen - auf Burgen, Ruinen oder in alten Gebäude mit Geschichte und Flair. Immer seien sie auf der Suche nach solchen Spielorten, erklärt Anna Kunz, im Landestheater für Organisatorisches zuständig. „Wir stammen schließlich aus dem Burgtheater“, erklärt sie. Die Stadtbühne Vohenstrauß und die Burgfestspiele sind im Laufe der Jahre zu einem der größten und erfolgreichsten Amateurtheater erwachsen und im Jahr 2010 vom Landestheater Oberpfalz übernommen worden.

Im Hof des Denkenbauernhofs kam man sich vor wie auf Katthult im Dorf Schweden. Foto: Ahrens
Im Hof des Denkenbauernhofs kam man sich vor wie auf Katthult im Dorf Schweden. Foto: Ahrens

Seitdem will man verstärkt Auftritte auch in der südlichen Oberpfalz anbieten. „Traumhaft“ sei zum Beispiel die Martin Luther-Aufführung in der säkularisierten Spitalkirche in Nabburg gewesen, oder auch das Theater in Neustadt an der Waldnaab. „Wir können alles bespielen“, versichert Kunz, auch denkmalgeschützte Häuser. Die Menschen sollen nicht ins Theater fahren müssen, sondern das Ensemble will zu ihnen kommen – und die Gäste nehmen das hervorragend an, zeigt sich Kunz zufrieden.

Auch in Neusath hätte man die dreifache Menge an Karten verkaufen können. „Hinter der Bühne“, beziehungsweise in der Scheune, steigt nun die Spannung. Für die Schauspieler ist das „mehr als nur Hobby“, weiß die Dramaturgin Tina Lorenz.

Aus meiner großen Güte heraus

Eine Abkühlung braucht auch Regisseurin Doris Hofmann – sie fiebert genauso mit. Foto: Ahrens
Eine Abkühlung braucht auch Regisseurin Doris Hofmann – sie fiebert genauso mit. Foto: Ahrens

Viele spielen auch in anderen Stücken gleichzeitig mit, jahrelang seien die meisten dabei, oft ganze Familien. Sich in andere Rollen hineinversetzen, kreativ sein, generationenübergreifend im Team wirken und Selbstvertrauen gewinnen, all das würden Kinder beim Schauspielern lernen. Ein „alter Hase“ ist Josepha Reber aus Vohenstrauß. Die Zwölfjährige, die als Erzählkind mitwirkt, spielt bereits seit fünf Jahren mit Begeisterung mit. Zum Beruf möchte sie es jedoch nicht machen, sagt sie, sondern lieber Meeresbiologin werden. Doch dann ist es endlich soweit: Die Geschichte beginnt.

„Ohne den Michel wäre die Welt ein Stückchen ärmer.“ Erzählkind

Man kann sie immer wieder anschauen, die Szene, als Michel den Kopf in die Suppenschüssel steckt - und das dann erneut macht, um Frau Petrell, dem Pfarrer und dem Bürgermeister zu zeigen, wie er denn das gemacht habe.

Vor dem Auftritt macht man Auflockerungsübungen und feuert sich gegenseitig an. Foto: Ahrens
Vor dem Auftritt macht man Auflockerungsübungen und feuert sich gegenseitig an. Foto: Ahrens

Wieder ist es köstlich, als Michel der netten Lehrerin einen Kuss auf den Mund gibt: „Das habe ich aus meiner großen Güte heraus gemacht“, erklärt er ernst. In den Schuppen muss Michel wieder, als er dem Bürgermeister die Torte ins Gesicht klatschte – versehentlich, natürlich. Die Mutter holt seufzend das Heft hervor und schreibt auch diesen Streich auf.

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