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Klimaschutz

Wie Neunburg Energiewende selbst macht

Neunburg forciert den Ausbau regenerativer Energien. Dazu gehören immer mehr Solaranlagen und eine Nahwärmeinsel.
Roland Thäder

Die zweite Photovoltaikanlage am Marienheim wurde innerhalb von drei Tagen moniert. Sie wurde am Donnerstag fertig und ist ein wichtiges Modul im Energiekonzept der Stadt Neunburg. Foto: Thäder
Die zweite Photovoltaikanlage am Marienheim wurde innerhalb von drei Tagen moniert. Sie wurde am Donnerstag fertig und ist ein wichtiges Modul im Energiekonzept der Stadt Neunburg. Foto: Thäder

Neunburg.Das Neunburger Marienheim verbraucht knapp 300 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr (Stand 2018). Das entspricht in etwa dem Verbrauch von 75 Vier-Personen-Haushalten. Aber es wird noch laufend optimiert. Jetzt ist auf dem Dach des Alten- und Pflegeheims eine zweite Photovoltaikanlage installiert worden. Innerhalb von drei Tagen montierte ein Team der Neunburger Niederlassung der Firma Enerix die Anlage mit 25,2 kWp Leistung. Sie produziert jährlich rund 22000 Kilowattstunden Strom. Ende April geht sie in Betrieb.

Die Photovoltaikanlagen auf dem Marienheim-Dach sind ein wichtiges Modul für die Umsetzung der Energiewende. Im Alten- und Pflegeheim der städtischen Stiftung sei das Energiekonzept vorbildlich umgesetzt worden, was das Institut für Energietechnik von Professor Markus Brautsch an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) für die Stadt Neunburg erarbeitet hat.

Ein Modell für die ganze Stadt

Peter Lottner von Enerix (r.) übergibt Bürgermeister Martin Birner und Tobias Stibich vom Bauamt der Stadt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Held der Energiewende“ und eine Urkunde. Sie bescheinigt, dass das Marienheim mit der zweiten Solaranlage 14 000 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr einspart. Foto: Thäder
Peter Lottner von Enerix (r.) übergibt Bürgermeister Martin Birner und Tobias Stibich vom Bauamt der Stadt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Held der Energiewende“ und eine Urkunde. Sie bescheinigt, dass das Marienheim mit der zweiten Solaranlage 14 000 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr einspart. Foto: Thäder

In der Projektbeschreibung heißt es: Mit der zukünftigen Solarstromproduktion und einer hohen Eigenverbrauchsquote könne das Marienheim seinen Bedarf an extern produzierter Energie reduzieren. Damit würden nicht nur die Belange des Klimaschutzes erfüllt. Auch eine „nachhaltige Einsparung der Betriebskosten“ sei möglich. Einen weiteren Beitrag dazu liefert das neue Blockheizkraftwerk, das das Marienheim mit Strom und Wärme versorgt. Und was hier an der Rötzer Straße entsteht, soll auf die gesamte Pfalzgrafenstadt übertragen und weiterentwickelt werden.

Die neue Photovoltaikanlage

  • Kosten:

    33 000 Euro
    25,2 Kilowattpeak
    14 000 Kilo
    Pro Jahr fünf Prozent des Energieverbrauchs, ca. 2500 Euro plus 700 Euro Einspeisevergütung.

  • Fläche:

    Es werden 136 Quadratmeter auf dem Dach des Marienheims mit 84 Modulen in drei Reihen bedeckt. Der Ertrag beträgt rund 22 000 Kilowattstunden. Die Firma Enerix hat in Ostbayern bereits rund 500 Anlagen installiert.

Ganz aktuell gibt es da eine Reihe von Projekten zur Energiewende, die angegangen werden. So wird im Zuge der Sanierung der Grundschule in der Ledererstraße auf deren Dach ebenfalls eine Photovoltaikanlage installiert. Außerdem wird dort die Erdwärme bereits genutzt. Daneben haben die Stadtwerke erst vor kurzem das Dach des Edeka-Marktes neben der Schwarzachtalhalle für den Bau einer Photovoltaikanlage vermietet. Und die Energiebauern planen am Diendorfer Berg einen Solarpark.

Willi Meier ist der Herr über drei Blockheizkraftwerke. Foto: ro
Willi Meier ist der Herr über drei Blockheizkraftwerke. Foto: ro

Im Altstadtkern soll eine Nahwärmeinsel entstehen. Am Donnerstagnachmittag fanden dafür Gespräche mit der Kirchenverwaltung der Pfarrei St. Josef statt. Dabei ging es um den Anschluss der Stadtpfarrkirche an das Nahwärmenetz der Stadtwerke, sagte Geschäftsführer Willi Meier der Mittelbayerischen. Die Stadtwerke betreiben im Schloss eines von drei Blockheizkraftwerken, das für die Versorgung von Museum und Musikschule sowie der Proberäume der Stadtkapelle installiert wurde. Inzwischen ist auch die frisch sanierte Fronfeste, eine Art Mehrgenerationenhaus, ans Netz angeschlossen wordehttps://www.mittelbayerische.de/region/schwandorf-nachrichten/die-spannendste-baustelle-neunburgs-21416-art1765335.htmln. Ebenfalls angeschlossen werden soll das alte Vermessungsamt (Steuerberater), das den Stadtwerken gehört, und das Anwesen Am Berg 1, das gegenwärtig Markus Sowa und seine Mutter, Stadträtin Marianne Deml, sanieren. Darüber hinaus werden nach Fertigstellung des Rathausanbaus sowohl das alte als auch das neue Rathaus ans Nahwärmenetz angedockt, informiert Meier.

Erdgas fürs Blockheizkraftwerk

Das zweite Blockheizkraftwerk der Stadtwerke versorgt Schulzentrum, Dreifachturnhalle und Hallenbad. Das dritte steht auf dem Betriebsgelände in Bärnhof. Daran angeschlossen ist das eigene Betriebsgebäude mit dem Wasserversorger Nord-Ost-Gruppe und die Netzleitstelle des Bayernwerks. Diese Heizkraftwerke verfügen über eine Leistung zwischen 34 Kilowatt und 190 Kilowatt elektrischer Leistung. Die thermische Leistung liegt etwa 50 Prozent darüber. Früher wurden sie teilweise mit Rapsöl betrieben. Der Wartungsarbeit sei aber zu hoch für einen wirtschaftlichen Betrieb gewesen. Heute wird Erdgas verwendet.

Das Blockheizkraftwerk ist eine ökologischere Art, Energie zu erzeugen, als getrennt Strom und Wärme zu produzieren. Außerdem liegt der Wirkungsgrad von 90 Prozent weit über dem der herkömmlichen Kraftwerke mit bis zu 38 Prozent“, erläutert Willi Meier.

Die Photovoltaikanlage bei den Stadtwerken neben der Bayernwerk-Leitstelle war einst die größte PV-Anlage Europas. Nach 30 Jahren verfügt sie immer noch über eine Leistungsfähigkeit von 95 Prozent. Sie wurde erweitert. Einige Module auch ersetzt. Die Stadtwerke Neunburg produzierten allein 2017 17, Millionen Kilowattstunden aus regenerativen Energien.  Foto: Thäder/Archiv
Die Photovoltaikanlage bei den Stadtwerken neben der Bayernwerk-Leitstelle war einst die größte PV-Anlage Europas. Nach 30 Jahren verfügt sie immer noch über eine Leistungsfähigkeit von 95 Prozent. Sie wurde erweitert. Einige Module auch ersetzt. Die Stadtwerke Neunburg produzierten allein 2017 17, Millionen Kilowattstunden aus regenerativen Energien. Foto: Thäder/Archiv

Aber Neunburg ist nicht erst seit gestern auf dem Weg zur Energiewende. Bereits vor 30 Jahren wurde auf dem Gelände in Bärnhof eine Photovoltaikanlage erstellt, die damals die größte Europas war. Heute beträgt deren Leistung nach Erweiterungen 700 Kilowatt. Umso mehr freuten sich Neunburgs Bürgermeister Martin Birner und Bauamtsmitarbeiter Tobias Stibich, als ihnen nun Peter Lottner vom Neunburger Enerix-Büro T-Shirts mit dem Slogan „Held der Energiewende“ überreichte. Dieser Titel soll nicht als Marketinggag zu verstehen sein, sondern als Programm für die ganze Stadt.

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