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Dienstag, 25. September 2018 14° 1

Unterhaltung

Wilder Westen am Regenufer

Das Westernfest Action City war für Nittenau offenbar überdimensioniert. Die Veranstalter stehen vor einem Schuldenberg.
Von Philipp Seitz

Die Indianer zeigten in der Nittenauer Westernstadt in ihren selbst geschneiderten Outfits den Tanz der Jäger und Krieger. Foto: Dietmar Zwick
Die Indianer zeigten in der Nittenauer Westernstadt in ihren selbst geschneiderten Outfits den Tanz der Jäger und Krieger. Foto: Dietmar Zwick

Nittenau.Am Nittenauer Volksfestplatz erwachte eine kleine Westernstadt zum Leben. Stunt-Shows, Musik, ein buntes Kinderprogramm und Line-Dance-Workshops sollten die Besucher in großen Mengen anlocken. Doch die Theorie sollte in der Praxis nicht aufgehen. Nach dem Nittenauer Westernevent stehen die Veranstalter vor einem großen Schuldenberg. Mehr als 20 000 Euro müssen Jürgen Knab und sein Reiter-Kollege Manfred Weigl aus Nittenau nach ersten Schätzungen draufzahlen. Die Besuchermassen blieben am Ende aus. Statt der mindestens 4000 Westernfans fanden am Ende nur 1500 den Weg nach Nittenau.

Eigentlich wollten Jürgen Knab und Manfred Weigl ein kleines Countryfest im kleinen Rahmen organisieren, doch das Ganze geriet aus den Fugen. Am Ende entstand ein zweitägiges Fantasiefest im Country-Style mit Indianern, Cowboys und Pferden. Von ihrem Konzept waren Knab und Weigl eigentlich überzeugt. „Bei uns wird mindestens zehn Mal so viel Action geboten sein wie in Pullman City“, betonten sie bei einem Pressegespräch im Vorfeld. Doch nun herrscht Ernüchterung, ja „blankes Entsetzen“, wie Knab am Montag ziemlich enttäuscht sagte.

Alle Pläne beerdigt

Für Knab steht fest: Es wird keine Fortsetzung von Action City, wie das Nittenauer Westernfest betitelt war, geben. Warum weniger Besucher zur Westernstadt gekommen waren, als erwartet, kann sich Knab nicht erklären: Das Wetter habe mitgespielt und auch das Programm hätte sich sehen lassen können. „Wir rätseln noch immer, warum so wenig Besucher gekommen sind.“ Offenbar würden derartige Großveranstaltungen „in dieser Gegend nicht funktionieren“.

„Wir rätseln noch immer, warum so wenig Besucher gekommen sind.“

Jürgen Knab, Organisator des Westernfestivals

In den sozialen Netzwerken gab es für das Westernfest nicht nur Lob. Kritisiert wurde unter anderem der Eintrittspreis. Doch diesen verteidigen Knab und Weigl. Das sei angemessen für ein derartiges Großereignis. „Auch die Getränkepreise waren deutlich günstiger als auf der Dult“, sagt Knab. „Ich finde nicht, dass wir überzogene Preise verlangt haben.“ Für ihn sei es ein schwacher Trost, dass die Besucher vor Ort zumindest auf ihre Kosten gekommen seien und viel Freude an den Darbietungen gehabt hätten.

In Nittenau erwachte die Geisterstadt Action City zum Leben:

Nittenaus zweiter Bürgermeister Albert Meierhofer, der auch den symbolischen Anstich beim Westernfest übernommen hatte, war von dem Event zumindest sehr angetan. „Am Programm hat es sicherlich nicht gelegen“, sagte Meierhofer unserem Medienhaus. „Das war wirklich sehr gut.“ Er vermutet, dass der Eintritt den ein oder anderen Besucher abgeschreckt haben könnte. Außerdem habe das Westernfest an diesem Wochenende mit sehr vielen Veranstaltungen im näheren Umkreis konkurriert: „Da war das Volksfest in Schwandorf, der Zirkus in Nittenau und die Dult in Regensburg. Und auch die Wochen zuvor war immer sehr viel los.“

Standort war nicht der Grund

Dass der wirtschaftliche Misserfolg und die mangelnde Besucherzahl von Action City allein am Standort Nittenau gelegen habe, glaubt Meierhofer nicht. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Andere Veranstaltungen und auch die Festivitäten der Vereine werden ja auch stets gut von der Bevölkerung angenommen.“

Weitere Informationen zu Action City finden Sie hier:

Eine Geisterstadt erwachte zum Leben

  • Die Shows

    in der kleinen, verlassenen Westernstadt Action City verfolgten an beiden Tagen nach Veranstalterangaben rund 1500 Besucher. Die Indianer, wie zum Beispiel Robby Two Hawks, hatten echte Indianer als Vorfahren. Sein Vater war Indianer und seine Mutter ist Deutsche.
    kam vor allem der siebenjährige Weißkopfseeadler Leica gut an. Er durfte auf den Arm genommen werden. In den Shows zeigte etwa die 16-jährige Anna eine indianische Freiheitsdressur mit ihrem Pferd. Wild her ging es auch bei der Stunt-Show.

  • Für die kleinen Besucher

    gab es neben den Shows die Möglichkeit, Pfeil und Bogen zu schießen sowie Stiefel, Cowboyhut oder Hufeisen zu werfen. Des Weiteren durften sie auch Nuggets schürfen. Zudem erzählte eine Squaw, die auch Lakota konnte, Geschichten aus der Indianerzeit.
    war bei den Shows einiges geboten. So tauchten eine Motorrad-Gang, die Trausnitzer Burgdeifel, Indianer und Sheriffs auf. Schon hallten Schüsse zwischen den Wigwams am Regenufer entlang, die bewaffneten Männer gerieten sich in die Haare und die Fäuste flogen. (szd)

Jürgen Knab hat für sich das Thema Westernfest derweil abgehakt. „Die Rechnung ist einfach nicht aufgegangen“, sagt er. Einen Traum hat er sich dennoch erfüllt. Schon als kleiner Junge war Jürgen Knab ein großer Western-Fan. Ein Wunsch von ihm sei es schon immer gewesen, ein eigenes Countryfest zu organisieren. „Dieses Thema und eine Wiederholung sind für mich aber jetzt gestorben“, sagt Knab. In seinen Worten schwingt Enttäuschung mit. Und das, obwohl sich der Volksfestplatz zumindest zwei Tage lang in eine Westernstadt verwandelt hatte. Schüsse hallten durch die Luft, Pferde ritten durch das Gelände und die tasmanischen Teufel tanzten am Regenufer.

Die schönsten Bilder vom Westernevent Action City in Nittenau sehen Sie hier:

Nittenau: Wilder Westen mitten in Nittenau

Ein Hingucker waren bei den Shows und vielen Darbietungen die mit viel Liebe für das Detail geschneiderten Kostüme aller Mitwirkenden. Und auch der Auftritt der Trausnitzer Burgdeifl kam bestens an. Entsprechend schmerzt es Knab, dass das Konzept nicht genügend Besucher anlockte. Einen großen Gewinn wollten sie nie machen, hatte er schon im Vorfeld gesagt, doch ein Verlust sollte es nicht werden. Nun ist Action City in Nittenau Geschichte. Die Westernstadt ist mittlerweile verschwunden. Ganz lassen will er es aber nicht: „Vielleicht werde ich wieder ein Westernfest in kleinerem Rahmen organisieren.“

Beeindruckend waren auch die Kostüme der Darsteller:

Lesen Sie mehr: Eine Show voller Action und Schüsse – das war beim Nittenauer Westernfestival geboten.

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