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Region Schwandorf
Sonntag, 23. September 2018 22° 7

Kultur

Wilder Westen in Aufregung

Die Konrad-Max-Kunz-Tage sind heuer besonders erfolgreich – wie auch die Komödie „Western-Schwestern“ des Theaters.
Renate Ahrens

Nicht nur ein Drittel, sondern gleich „ein Viertel“ des Goldschatzes fordert die Bordellbesitzerin. Fotos: Renate Ahrens
Nicht nur ein Drittel, sondern gleich „ein Viertel“ des Goldschatzes fordert die Bordellbesitzerin. Fotos: Renate Ahrens

Schwandorf.Aber natürlich wäre sie verheiratet gewesen, sogar öfter als manch andere Frau, empört sich Lassie Laroque (Margit Berkmann) mit unschuldigem Augenaufschlag. Sie könne doch schließlich nichts dafür, wenn ihre Ehemänner alle gestorben seien - der letzte wäre ihr einfach beim Kartoffelschälen ins Messer gefallen, genau sieben Mal. Die mondäne Bordellbesitzerin bringt große Aufregung in das Kaff im Wilden Westen – und zusammen mit den anderen zehn Schauspielern des SADTheaters jede Menge Spaß in den ausverkauften Sperlstadl.

Die mondäne Bordellbesitzerin bringt große Aufregung in das Kaff im Wilden Westen.
Die mondäne Bordellbesitzerin bringt große Aufregung in das Kaff im Wilden Westen.

Die Komödie „Western-Schwestern“ ist eine gelungene, sehr witzige Parodie auf das Western-Genre, und Regisseurin Christina Fink-Rester, die als altjüngferliche Lehrerin Emily Strong ebenfalls mitspielte, hatte sich viele Besonderheiten einfallen lassen, die für Staunen und Überraschung sorgten – und am Ende für langen Applaus und Begeisterung. Jeder Schauspieler wirkte, als ob ihm die Rolle auf den Leib geschneidert sei.

Nachttopf ins Publikum geleert 

Köstlich komisch war wieder Sebastian Wagner als Sheriff Slow: „Jetzt aber mal langsam“, so seine Devise, die er konsequent durchzog - wie auch bei der Slow Motion-Szene, als er Kitty Fox (Julia Wagner), die Auszubildende zur Animierdame, erblickte und sich in sie verliebte. Dabei wäre er doch nicht langsam, sondern „genau und sorgfältig“, wie er sich verteidigt. Der Sheriff schafft es nicht, das Chaos zu verhindern, denn das Testament des Vaters von Saloonbetreiberin Molly McDonalds (Ilona Glück) bringt heillose und erheiternde Verwicklungen mit sich.

Noch nie waren die Konrad-Max-Kunz-Tage so gut besucht.
Noch nie waren die Konrad-Max-Kunz-Tage so gut besucht.

Den Saloon, den sie zu erben hofft, hatte sich die Bordellbesitzerin ganz anders vorgestellt: „Ist das hier ein Pferdestall oder was?“, so fragt sie entrüstet die Zuschauer – denn diese wurden immer wieder mit ins Geschehen einbezogen. Trapper Old Daddle (Dirk Dürholz) schüttet sogar seinen – zum Glück nur wenig gefüllten - Nachttopf ins amüsiert kreischende Publikum aus. Einiges werde sich gehörig ändern, verkündet Lassie energisch. „So weit kommt es noch, dass ich mich von einer Puffmutter beraten lasse“, wehren sich Molly und ihre Tochter Milly (Linda Sommer).

Traum von Geld und Glück 

Doch natürlich träumen alle von Geld und Glück. Nicht nur Kitty, die eigentlich „Amüsierdame“ sein wollte, möchte eigentlich ein anderes Leben führen - erst unterwegs hatte sie erfahren, was sie beruflich machen sollte. Auch die Lehrerin ist unzufrieden. Sie habe laut Hilfssheriff Sam (Andreas Karl in einer Doppelrolle als Indianer Durstige Stille) Haare auf den Zähnen, die schon „als Zöpfe aus dem Mund wachsen“. Insgeheim beneidet sie jedoch die Animierdame, der „die Nacht gehöre, die Sünde“, während sie selbst vor Langeweile stürbe, so seufzt sie. Allerdings sei wichtig, dass überhaupt gestorben werde, wirft der Vollstrecker (Michael Sandner) ein, der auch Friedhofswärter und Bankbesitzer ist, nach dem Motto: „Ein kleiner Gauner raubt eine Bank aus, ein großer gründet eine.“

Fangemeinde für Kunz-Tage 

Aber die Männer sollten ihr gefälligst auch zu Füßen liegen und entfesselt schreien, klagt Emily sehnsüchtig. In der Pause, die nun folgt, rätseln die Zuschauer: Wird sie das schaffen? Wird Lassie wie angekündigt den Laden in Schwung bringen? Fink-Rester, die auch die künstlerlische Leiterin ist, zeigt sich wie Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Konrad-Max-Kunz-Tage - noch nie waren sie so gut besucht wie heuer, und für jedes Interesse wäre etwas dabei. Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnet Fink-Rester die Kunz-Tage, eine richtige „Fangemeinde“ würde es geben. Neue Ideen seien jederzeit willkommen, so Lehnfeld, ob für den Spielort (heuer zum Beispiel erstmals der Blasturm) oder für das Event selbst. Doch dann geht es bei den Western-Schwestern endlich weiter. Der Saloon scheint tatsächlich ein Bordell zu werden - das „Ende des Paradieses“, entsetzt sich die Nonne (Karin Mager).

Natürlich träumen alle von Geld und Glück.
Natürlich träumen alle von Geld und Glück.

Doch selbst sie als „Donnervogel“ hat geheime Sehnsüchte, zeigt sich am Ende. Wie im echten Leben trügt schließlich oft der Schein, so hat Revolverheldin Snake Laroque (Christina Kostka) eigentlich Angst vor Waffen, wie sie gesteht. Emily wird schließlich zu Lola und hat somit endlich einen Beruf „nach ihrem Geschmack“ gefunden, und Sheriff Slow ist inzwischen vor Aufregung eingeschlafen - mitten beim Küssen der Animierdame.

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Western-Schwestern bringen viel Schwung

  • Als „besonders lustig“

    bezeichnete Regisseurin Christina Fink-Rester bereits den Probenverlauf. Alle hätten viel Spaß gehabt. Heiserkeit, Hexenschuss und ein dickes Knie kurz vor der Premiere sorgten für Aufregung, doch wie immer hatte man alles im Griff. 

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