mz_logo

Region Schwandorf
Montag, 20. August 2018 28° 2

Energie

Windkraft: Pro und Kontra ausgetauscht

Die Firma juwi stellte den aktuellen Planungsstand des Windkraftprojekts in Thanstein vor. Einige Bürger äußerten Bedenken.
Von Matthias Niebauer

  • Der Ertrag des Pentinger Windrads liegt aktuell hinter den Erwartungen zurück, informierte der Neunburger Bürgermeister in Thanstein. Foto: Probst
  • Die Mitarbeiter der Firma juwi referierten vor zahlreichen Besuchern über ein mögliches Windprojekt in der Gemeinde Thanstein. Foto: gmn

Thanstein.Groß war das Interesse an der Informationsveranstaltung zum Thema Windenergie. Der Träxler-Saal war bis zum letzten Sitzplatz gefüllt, etwa 100 Leute aus der Gemeinde, aber auch aus umliegenden Ortschaften waren unter den Interessierten. Bürgermeister Schauer erinnerte, dass die Gemeinde Thanstein seit über 15 Jahren versuche, Vorrangflächen für Windenergieanlagen auszuweisen. Dieses Vorgehen beruht auf konkreten Anträgen von Besitzern, die ihre Grundstücke für geeignet hielten, allerdings wurden diese Anträge stets vom regionalen Planungsverband Oberpfalz Nord abgelehnt.

Nach etlichen Widersprüchen und Gerichtsurteilen wurde die Planungshoheit jetzt wieder an die Gemeinden zurückgegeben. Zur Feststellung, ob diese Art der Energiegewinnung in Thanstein sinnvoll wäre, fasste der Gemeinderat am 3. August 2017 einstimmig den Beschluss, dass die Firma juwi die Errichtung von Windenergieanlagen in der Gemeinde projektieren solle, so Schauer weiter. Schlussendlich sollten die Bürger in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden.

Wirtschaftlichkeit betrachten

Bevor der aktuelle Stand zum Planungsprojekt in Thanstein durch die Firma juwi erfolgen sollte, bat Versammlungsleiter Gerhard Seidl von der koiné GmbH zunächst den Neunburger Bürgermeister Martin Birner, über das bereits fertiggestellte Windprojekt in Penting zu berichten. Beim Windprojekt in Penting war der Entscheidungsprozess ein langer, denn auf mehrfache Informationsveranstaltungen folgten auch noch einige Besuche bereits errichteter Anlagen. Birner betonte, dass bei der Errichtung immer die Entscheidung der Bürger für die Umsetzung im Vordergrund stand. Zum Abschluss machte er aber auch deutlich, dass die Ausschüttungen aktuell hinter den Erwartungen zurückblieben und die Wirtschaftlichkeit mit entscheidend sein müsse.

Alexander Bromberger von der Firma juwi stellte den aktuellen Planungsstand des Windkraftprojekts in Thanstein vor. Inzwischen kam man zu dem Entschluss, dass lediglich das Gebiet Thanstein Süd für die Errichtung von Windkraftanlagen geeignet sei. Bromberger erklärte, dass das Projekt sich in einem frühen Anfangsstadium befinde. Aktuell würden die wichtigsten Rahmenbedingungen eines Windprojekts geprüft: Artenschutz, Schall, Schatten, Landschaftsbild und Windaufkommen. Die Grundsätze der Windanlagenbauer beschrieb er damit, die Windenergieanlagen mit maximal möglicher Distanz zu den Wohngebäuden zu planen, um Schatten- und Schallbelastung zu minimieren und den Eingriff in den Wald so gering wie möglich zu halten. Vorläufige Schattenberechnungen zeigten aufgrund astronomisch maximal möglicher Beschattungsdauern, dass lediglich in Berg und im Außenbereich von Hebersdorf kritische Werte erreicht werden könnten. Ein Schattenabschaltmodul könnte hier Abhilfe schaffen. Einen Starttermin für eine mögliche Inbetriebnahme konnte Bromberger aufgrund sämtlicher Genehmigungs- und Verfahrensabläufe nicht vor Mitte des Jahres 2021 in Aussicht stellen.

Daraufhin stellte Hans-Gerhard Pfänder von der Firma juwi ein mögliches „Bürgerwindmodell“ vor, über welches jeder Bürger Miteigentümer an den Windrädern werden könne. Eine Möglichkeit hierbei wäre, eine Kommanditgesellschaft zu gründen und somit jeder, der sich beteiligen wolle, zum „Aktionär“ des Bürgerwindrades werden könne.

Die Zuhörer hatten dann die Möglichkeit, Fragen auf einem Zettel anonym zu stellen oder offen mit den Referenten zu diskutieren. Ein erster Einwand einer Bürgerin aus der Nähe von Oberviechtach bezog sich auf Schwindelgefühle, Benommenheit und einen ständigen Druck auf den Ohren, denen fast 50 Prozent der Bewohner in der Nähe eines dort errichteten Windrades ausgesetzt seien. Außerdem seien bauliche Schäden an den Gebäuden entstanden, die auf die Vibrationen zurückzuführen seien, die durch den Betrieb der Anlage entstünden.

Bezüglich des Finanzierungsmodells kam gleich mehrfach Kritik, unter anderem sei die Erwartungshaltung jährlich mehr als 20.000.000 KWh aus den Windrädern beziehen zu können, aufgrund Erfahrungswerten aus anderen Projekten zu hoch eingestuft. Weiterhin stellte ein Anwohner aufgrund der vorherrschenden extremen Windbedingungen die Schallbelastung in Frage, die im Ortsteil Berg zu erwarten sei. Bromberger entgegnete mit dem Argument, dass zur Genehmigung externe Gutachten noch einmal Klarheit bringen würden. Zum Thema gesetzliche 10H-Regelung stellte sich einigen Bürgerinnen und Bürgern die Frage, ob der Errichtung auch landkreisübergreifend, zum Beispiel durch die Stadt Rötz, zugestimmt werden müsse. Das Planungsrecht liegt jedoch hier bei der Gemeinde, diese könne den Bebauungsplan auch entgegen der 10 H-Regel auslegen, so die Windkraftexperten.

„Heimat nicht verkaufen“

Stellvertretend für den Schwarzwihrberg-Verein äußerte ein Mitglied den Unmut, der sich hier zu diesem Thema breitmache. Ein derartiger Eingriff in ein Schutz- und Naherholungsgebiet, welches für Radfahrer oder Wanderer (Goldsteig) unverzichtbar erscheine, sei für die Vereinsmitglieder höchst bedenklich. Deswegen appellierte er zum Schluss an die Vernunft: „Wir dürfen nicht für Geld unsere Heimat verkaufen“. Zum Abschluss dankte 1. Bürgermeister Walter Schauer allen Besuchern und Referenten für den positiven Abend. Das weitere Vorgehen werde innerhalb des Gemeinderats reiflich überlegt; es solle keine Spaltungen der Dorfgemeinschaft geben, so Schauers Zielsetzung.

Weitere Nachrichten aus Neunburg lesen Sie hier.

Daten zum Windrad

  • Nabenhöhe Windrad:

    160 Meter

  • Gesamthöhe:

    250 Meter

  • Siedlungsabstände:

    in Berg und Hebersdorf bei 1100 Meter, in Thanstein bei 1280 Meter.

  • Maximal zu erwartende Schallwerte inklusive Zuschläge:

    37,9 [dB(A)] im Außenbereich Hebersdorf, 36,6 [dB(A)] in Berg und 34,1 [dB(A)] in Thanstein. Diese liegen damit allesamt unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten, die z.B. in Wohnungsgebieten bei 40 [dB(A)] liegen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht