MyMz
Anzeige

PFREIMD.

„Wir haben mit friedlichen Mitteln Goliath bezwungen!“

Eine Widerstands--Eiche kündet vom Kampf der Bevölkerung. Zum 20. Jahrestag des WAA-Endes wurde eine Gedenktafel dort enthüllt.

Bei der Gedenktafel-Enthüllung an der Widerstands-Eiche (v.li.): BN-Kreisvorsitzende Hannelore Lanzl, Sebastian Schönauer (BN-Bayern), MdL Franz Schindler, Klaus Pöhler (BN-Ortsverein), Altlandrat Hans Schuierer und Bürgermeister Arnold Kimmerl. Foto: hcr

Ohne den Widerstand der Bevölkerung und Bürgerinitiativen wäre vor 20 Jahren der Bau der WAA in Wackersdorf nicht gestoppt worden. Als Symbol für eine „unverstrahlte“ Zukunft hat man vor 20 Jahren, als am 30. Mai 1989 der Baustopp der WAA bekannt gegeben wurde, vor der evangelischen Kirche in Pfreimd eine Eiche gepflanzt. In einer Feierstunde erinnerten die damaligen Widerständler an den fast zehn Jahre dauernden Kampf gegen die Wiederaufbereitungsanlage mit der Enthüllung einer Gedenktafel und Segnung der Eiche.

Hannelore Lanzl, die damalige BI-Vorsitzende und BN-Vorsitzende der Ortsgruppe Pfreimd, bezeichnete den Baustopp als „Ereignis, das uns eine schwere Last von Gemüt und Seele genommen hat.“ Sie würdigte Altlandrat Hans Schuierer zusammen mit MdL Franz Schindler als unermüdliche Kämpfer an vorderster Front.

Bürgermeister Arnold Kimmerl sagte, die Eiche, standhaft, aufrecht und fest verwurzelt symbolisiere die Menschen, die damals Widerstand geleistet hatten. Er enthüllte zusammen mit den Ehrengästen die Gedenktafel.

Die Bewahrung der Schöpfung, damals so wichtig wie heute, stellte der evangelische Pfarrer Werner Herrmann in den Mittelpunkt seiner Ansprache und segnete zusammen mit Stadtpfarrer Pater Mathiew Antony die Eiche.

An die politischen Umstände des Widerstands erinnerte Pfarrer Leo Feichtmeier von der Franziskus-Marterlgemeinde: „Der Staat ist damals mit Wasserwerfern und CN-Gas gegen das eigene Volk vorgegangen. Das hat gezeigt, dass es richtig war zu sagen, selbst wenn die WAA eine gute Sache gewesen wäre, darf man sie nicht mit solchen Mitteln durchsetzen.“

Sebastian Schönauer, der stellvertretende Vorsitzenden des Bund Naturschutz in Bayern, rief dazu auf, auch heute wachsam zu sein. „Wir brauchen Menschen die aufstehen, auch wenn sitzenbleiben bequemer wäre“, sagte er. Ein Jahrzehnt hätten sich die Menschen der Oberpfalz mit dem „Wahnsinnsprojekt einer Atomfabrik“ herumschlagen müssen.

Nun erlebe man, 20 Jahre nach dem WAA-Ende, einen neuen Versuch, die Atomkraft in Deutschland und weltweit hoffähig zu machen. „Wieder nur Werbeslogans, die an der Realität vorbei gehen“, sagte Schönauer dazu. Es bestehe kein Bedarf an weiteren Kernkraftwerken. „Wir produzieren 40 Prozent mehr Strom als gebraucht wird.“ Die jetzige Debatte orientiere sich lediglich an Kapitalrenditen der Stromkonzerne.

An die Zeit des Widerstandes erinnerte Altlandrat Hans Schuierer. „Wir hatten Krieg in Wackersdorf. Wir waren Methoden wie in der Diktatur von Chile ausgesetzt, uns standen 3000 Polizisten gegenüber, ich hatte 18 Anklagen. Es wurden drei Milliarden D-Mark in den Sand gesetzt und es gab über 3000 Verfahren gegen WAA-Gegner.“ Eins aber bleibt für Schuierer festzuhalten: „Wir haben mit friedlichen Demonstrationen wie David den Goliath in die Knie gezwungen.“

Seine Erfahrungen als Widerständler schilderte Klaus Pöhler von der damaligen BI-Schwandorf und BN-Kreisvorsitzender. „Statt Frieden zu bewahren hat der Staat den Krieg gebracht. Aber wir waren stark und haben Sand ins Getriebe geschüttet.“

Die Schilderungen wurden mit Gedichten von Friedrich Brandl und Kurt F. Stangl vertieft. Musikalisch begleitete Wolfgang Mages den Festakt.(hcr)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht