MyMz
Anzeige

Wirbel um Aufruf zur Jagd von Habichten

In Schwarzenfeld wurden Rebhühner ausgewildert. Dabei sorgte eine missverständliche Aussage für Ärger.
Von Alex Huber

Der Habicht ist streng geschützt. In Bayern gibt es nur noch zwischen 2100 und 2800 Paare.
Der Habicht ist streng geschützt. In Bayern gibt es nur noch zwischen 2100 und 2800 Paare. Foto: Nagel/picture-alliance/dpa

Schwarzenfeld.Als am vergangenen Mittwoch in Schwarzenfeld die letzten fünf von insgesamt 25 Rebhühnern, die in einer Voliere geboren wurden, ausgewildert wurden, fiel ein Satz, der inzwischen hohe Wellen schlägt. Der Jagdvorsteher, Anton Gradl, hatte offenbar dazu aufgerufen, „Raubzeug“, wie Fuchs oder Habicht, zum Schutz der Rebhühner kurz zu halten. Das Problem: Habichte sind streng geschützt, eine Jagd wäre somit illegal. Auf Gradl prasselt daher jetzt Kritik ein – nicht nur seitens des Landesbunds für Vogelschutz (LBV).

Am Freitagnachmittag hat auch der Verein Wildtierschutz Deutschland Strafanzeige gestellt, diese mittlerweile aber wieder zurückgezogen. Schon kurz vorher hatte Gradl gegenüber der Mittelbayerischen von einem „Missverständnis“ gesprochen und seine „unglückliche“ Aussage revidiert.

Revierpächter Torsten Graf hatte sich in Zusammenarbeit mit dem Markt Schwarzenfeld und der Hegegemeinschaft beim Landesjagdverband Bayern für das Projekt „Rebhühner“ beworben gehabt, wofür es auch vom LBV Lob gab. Landesfachbeauftragter Dr. Andreas von Lindeiner erklärt gegenüber der Mittelbayerischen, dass es „sehr ehrenwert“ sei, dass in Schwarzenfeld Rebhühnern geholfen wird. „Das ist ein richtiger Schritt, weil wir in den letzten Jahren riesige Verluste hatten. Den Habicht zu entfernen, ist aber garantiert nicht das richtige Mittel dafür.“

Nur noch wenige Habichte in Bayern

Gradls Aussage, auf die hin die Mittelbayerische auch einige Leserbriefe erreichten, kann Lindauer deshalb umso weniger verstehen. Er könne sich vorstellen, dass der Hegegemeinschaftsvorsitzende „aus alter Literatur heraus“ wisse, dass sich Rebhühner eine Zeit lang halten können, wenn man die Prädatoren – also Fressfeinde – entferne. „Das darf man aber nur im Rahmen des gesetzlich Genehmigten machen. Was den Fuchs angeht, haben wir durchaus eine ganzjährige Jagdzeit. Bei Greifvögeln ist das aber definitiv nicht erlaubt. Das sind streng geschützte Arten“, sagt Lindeiner. In Bayern gebe es derzeit nur noch zwischen 2100 und 2800 Habichtpaare. „Das ist sehr wenig. Der Habicht hat es nach wie vor nicht leicht.“

Menschen

Marion, 23, Studentin und Jägerin

Wie fühlt es sich an, ein Reh zu töten? Eine Frau aus Neukirchen-Balbini weiß das. Sie hat mit 18 den Jagdschein gemacht.

Vielmehr stelle sich für den Landesfachbeauftragten des LBV die Frage, ob die Rebhühner in Schwarzenfeld vernünftig an das Leben in Freiheit gewöhnt worden sind. „Wenn Rebhühner in unserer Landschaft eine Chance haben wollen, müssen sie auch mit Prädatoren zurechtkommen.“ Dafür bräuchten die Tiere genügend Nahrungsressourcen sowie ausreichend Versteckmöglichkeiten, wie auch der Vorsitzende des LBV Schwandorf, Zeno Bäumler, erklärt. Rebhühner würden nicht deshalb verschwinden, weil es zu viele Fressfeinde gibt, sondern weil die Lebensbedingungen nicht mehr stimmen. „Das liegt an der Art der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Die Schuld kann man aber nicht den Landwirten in die Schuhe schieben, denn die Politik zwingt sie ja zu dieser Art von Bewirtschaftung. Viele Landwirte wollen ja selbst gerne etwas für die Rebhühner tun“, sagt Bäumler. „Teilweise müssen sie aber Hecken, in denen sich die Tiere verstecken könnten, entfernen, weil ihnen ansonsten die Förderung gestrichen werden wird.“

Graf will Rebhühner und Habichte schützen

Revierpächter Torsten Graf zeigte sich nach Gradls Aussage ebenfalls verwundert. „Es ist richtig, dass die Habichtjagd illegal ist. Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat.“ Die Aufforderung des Jagdvorstehers kann sich Graf nur damit erklären, dass im Jagdrevier auch die sogenannte Beizjagd ausgeübt werde. Sprich: Die Jagd mit Hilfe eines Greifvogels auf frei lebendes Wild in dessen natürlichem Lebensraum. „Da hat er wahrscheinlich gemeint, dass wir den Habicht nicht an die Rebhühner bringen dürfen, was wir ja sowieso nicht machen. Da wäre ja das ganze Projekt sinnlos.“ Schließlich wolle Graf eine Artenauffrischung erreichen. „Solange ich Jagdpächter bin, werden diese Tiere nicht bejagd. Anton Gradl hat sich wohl einfach unglücklich ausgedrückt“, erklärt Graf.

Justiz

Abschuss von Hund: Verfahren eingestellt

Vor dem Amtsgericht Schwandorf wurde gegen einen Jäger verhandelt. Er hatte gezielt einen Hund erschossen.

Auch Gradl selbst zeigt sich bestürzt und revidiert seine Aussage. „Das war eine Fehlzündung. Vielleicht habe ich mich da einfach missverständlich ausgedrückt oder wurde falsch verstanden“, erklärt er. „Der Habicht ist geschützt und darf natürlich nicht gejagt werden!“ Fressfeinde der Rebhühner seien neben Füchsen auch Marder, gegen die man die Vögel durchaus schützen könne.

Transparenzhinweis: Ursprünglich hieß es in diesem Artikel, dass Uwe Gradl Hegegemeinschaftsvorsitzender ist. Dass Gradl Hegegemeinschaftsvorsitzender ist, ist falsch. Außerdem heißt er nicht Uwe, sondern Anton. Wir entschuldigen diesen Fehler. Wir haben den Artikel am 4. August um 11 Uhr aktualisiert.

Weitere Nachrichten aus Schwandorf lesen Sie hier!

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über den Facebook Messenger, Telegram und Notify direkt auf das Smartphone.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht