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Wahrzeichen

Wird Zeit, dass sich was dreht

Die Wasserräder an der Naab kommen einfach nicht in Gang. Schwandorf hat derzeit nicht einmal das Recht, sie zu betreiben.
Von Reinhold Willfurth

Die Wasserräder an der Naab bleiben wohl noch länger an der Kette.Foto: fu/Archiv
Die Wasserräder an der Naab bleiben wohl noch länger an der Kette.Foto: fu/Archiv

Schwandorf.Sie gelten als eines der Wahrzeichen der Großen Kreisstadt. Umso mehr schmerzt viele Schwandorfer der Stillstand der Wasserräder an der Storchennaab – und deren maroder Zustand. Daran wird sich zumindest mittelfristig nichts ändern. Denn der Betrieb der Wasserräder ist auch von der Frage abhängig, wer künftig das Sagen hat über die einzelnen Arme der Naab im Stadtgebiet – und kurioserweise auch, ob die hölzernen Schaufeln an der Storchennaab auch das tun, wofür sie eigentlich gemacht sind: Strom produzieren.

Die Wasserräder an der Naab hat die Stadt vom Stromversorger E.ON „geerbt“. Mit der Überlassung der höchst dekorativen und umweltfreundlichen Stromproduzenten gingen freilich auch Unterhalts- und Haftungspflichten an die Stadt über. Oberbürgermeister Andreas Feller befürchtete bei der Sitzung des Werkausschusses am Dienstag, dass mit dem Betrieb der Wasserräder die Auflage verbunden sein könnte, für den Unterhalt der Naab bis hinauf zum Krondorfer Wehr zu sorgen. Schnell stünden dabei Bußgelder bis zu 50 000 Euro im Raum. „Das möchte ich nicht zahlen“, so Feller wörtlich. Für den OB ist aber grundsätzlich klar: „Die Räder sollen sich drehen“.

Die Rechtslage ist verzwickt

Doch die Rechtslage ist verzwickt. Größtes Hindernis derzeit: Die Stadt besitzt nicht einmal das Recht, um die Räder wieder zu betreiben. Das bestätigte auf Anfrage Manuel Schlegel vom Wasserwirtschaftsamt Weiden. „Derzeit hat die Stadt kein Wasserrecht“, sagt der Vertreter des Freistaats Bayern, der eigentlich für den Unterhalt der Naab zuständig ist. „Kommen aber mehrere Betreiber hinzu, wie an der Naab in Schwandorf, muss man die Unterhaltslast nach einem gerechten Schlüssel aufteilen“, so Schlegel.

Lesen Sie auch: Seit Jahrzehnten steht die Schuierer-Mühle in Schwandorf still. Die Tochter des letzten Müllers erzählt.

Die rechtliche Situation an den Schwandorfer Naabarmen ist kompliziert. Denkbar wäre etwa, dass die Stadt, wie von OB Feller befürchtet, für den Unterhalt der Naab bis zum Krondorfer Wehr zuständig sei. Zu klären sei aber auch, ob die Erben der Schuierer-Mühle ebenfalls dazu herangezogen werden könnten. Erklärtes Ziel des Wasserwirtschaftsamts sei eine gütliche Einigung, betont Schlegel: „Wir wollen das nicht mit dem rechtlichen Hammer durchboxen“. Zusammen mit der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt, werde nach einer Lösung gesucht, mit der alle leben könnten.

Verwaltungsgebäude: Räten wird’s zu bunt

  • Farbenfroh:

    Mehr Farbe hätte sich Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung (SWFS) für die Fassade ihres Verwaltungsgebäudes in Dachelhofen gewünscht – kombiniert mit einer Symbolsprache aus Wasser und Feuer.

  • Veto:

    Doch daraus wird nichts. Der Mehrheit im Werkausschuss geriet der Entwurf von Markus Raab zu bunt, zu unruhig oder zu „pompös“ (Franz Radlinger, CSU). Raab soll seinen Entwurf jetzt noch einmal überarbeiten. Als Wandmalerei im Großformat sollten auf der Fassade laut Entwurf eine riesige Welle, symbolische Flammen, stilisierte Fernwärmeleitungen, ein SWFS-Logo und eine Schwandorfer Stadtsilhouette aufgemalt werden. (fu)

Bis dahin – und dem rechtskräftigen Abschluss einer möglichen Klage von einem der Beteiligten – rührt sich nichts bei den Wasserrädern. Im Werkausschuss wurde der Stillstand an der Storchennaab ausgiebig bedauert, im Fall von Lothar Walz (Freie Wähler) sogar betrauert: „Das haut nicht mehr hin“, sagte Walz, auch im Hinblick auf den „scheintoten“ Zustand der Schwandorfer Wahrzeichen. „Aufgegeben wird nicht“, widersprach OB Feller. Dem Appell von Alfred Braun (SPD), wenigstens die Planung für die Wiedererweckung weiterzuverfolgen, erteilte Werkleiter Walter Zurek mit dem Hinweis auf einen Stadtratsbeschluss von vor zwei Jahren eine Absage. Am 20. Februar 2016 hatten die Räte eine Rathausinterne rechtliche Prüfung beschlossen. OB Feller versprach jetzt für die Stadtratssitzung am 16. April 2018 einen „Zwischenbericht“ der Rechtsabteilung.

Marode Leitungen erneuern

Ein weitaus weniger augenfälliges, aber mindestens ebenso dringliches Wasser-Problem legte Werksleiter Zurek den Stadträten vor: die Sanierung maroder Wasserleitungen im Stadtgebiet und der Bau neuer Leitungen in künftigen Wohngebieten, dargelegt im Strategieplan der Städtischen Waser- und Fernwärmeversorgung (SWFS) bis 2030. Allein in Klardorf müssten nicht weniger als 11,4 Kilometer Gussleitungen aus dem Jahr 1964 erneuert werden. Diese seien vor allem mit Eisenoxid „verseucht“, was zu Verengungen und verfärbtem Trinkwasser führe.

Auch die Wasseraufbereitungsanlage in Klardorf sei „am Ende“, so Zurek. Marode Leitungen müssten auch auf dem Weinberg und in kleinerem Maß in der Altstadt ersetzt werden. „Derzeit Spitz auf Knopf“ sei es mit der Wasserversorgung in Kreith bestellt. Da hier aber mittelfristig ein Wohngebiet geplant sei, wäre laut Zurek eine Ringleitung mit Hochbehälter sinnvoll, der auch Ortsteile wie Sitzenhof und Irlbach mitversorgt. Allein dafür müssten über vier Millionen Euro bereitgestellt werden, die Gesamtkosten bis 2030 beliefen sich auf bis zu 14 Millionen Euro. Die Räte sprachen sich einstimmig dafür aus, die Arbeiten bald anzugehen.

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