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Projekt

Wo Kinder zu Fachkräften werden

Der Landkreis Schwandorf plant ein Technikerlebniszentrum. Bodenwöhr wäre aus vielen Gründen der beste Standort.
Von Renate Ahrens

„Begeistern durch Machen“ lautete das Motto bei einer Bildungsaktion vor zwei Jahren an der Schule Bodenwöhr. Es funktionierte. Foto: Renate Ahrens
„Begeistern durch Machen“ lautete das Motto bei einer Bildungsaktion vor zwei Jahren an der Schule Bodenwöhr. Es funktionierte. Foto: Renate Ahrens

BODENWÖHR.Kinder haben an sich großen Spaß an Technik. Sie sind von Natur aus neugierig und wollen der Sache auf den Grund gehen. Das wurde zum Beispiel bereits vor zwei Jahren deutlich, als der Verein TfK (Technik für Kinder) aus Deggendorf mit Initiatorin Susanne Freudenstein an der Schule Bodenwöhr einen „Technikbegeisterungskurs“ abhielt.

An mehreren Nachmittagen waren die Schüler in ihrer Freizeit eifrig bei der Sache, als sie mit eigenen Händen eine elektrische Sirene oder einen Wechselblinker auf einer Rigipsplatte herstellen durften. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, so die Vereinsverantwortlichen, dass die Entscheidung für einen Technikberuf bei 80 Prozent bereits in der Kindheit begründet ist. Fußball lernt man im Verein, aber wo lernt ein Kind „Technik“?

Wo lernt man „Technik“?

Auch der Bodenwöhrer Bürgermeister Georg Hoffmann ist sich dieses Dilemmas bewusst. Immer weniger Familien hätten eine eigene Werkstatt, oft nicht einmal einen Schraubenzieher, sagt er. Der Fachkräftemangel werde immer dramatischer. Es sei so wichtig, Kindern einen Bezug zum Handwerk und zur Technik nahezubringen, erklärt Hoffmann, der mit seinen drei Töchtern schon immer gerne gewerkelt hat, vor allem mit Holz. „Die Schulen können diese Aufgabe immer weniger übernehmen. Zu viele Wahlfächer wie im IT-Bereich, stehen auf dem Programm. Das Handwerk kommt leider zu kurz.“

Handwerk

Ein bodenständiger Champion

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Darüber diskutierte man bereits vor einem Jahr bei einem Ideenwettbewerb mit Studierenden in Bodenwöhr. Eine Belebung einer CO2-neutralen Ortsmitte sei das Ziel. Aber wie könne man Fachkräfte gewinnen?

Gerade Bodenwöhr würde sich als Standort für einen „Handwerkercampus“ oder Ähnliches wegen seiner Vergangenheit als wichtiger Industriestandort gut eignen, waren damals alle überzeugt. Georg Hoffmann ging dieser Impuls nicht aus dem Kopf, und so suchte er ein Gespräch mit Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Oberpfalz. Und die Sache kam ins Rollen. Weitere Gespräche wurden geführt, Gedanken gesammelt und Pläne geschmiedet – und die Idee nahm konkrete Formen an.

Eine „Bildungskette“ mit Modellcharakter

  • Ziel:

    Das TEZ soll „etwas Exklusives“ werden. Vergleichbares sei nicht bekannt, betonte Franz Pfeffer. Man wolle dem „Trend zur Akademisierung“ gegensteuern und Faszination für Technik wecken. Alle Generationen sollen profitieren – zum Beispiel könne man die „Hüttenwerksrentner“ integrieren.

  • Förderung:

    Mit 500 000 Euro könne man rechen, also rund 80 Prozent der Kosten. Eine „Revitalisierung des Ortskerns über Bildung“ zu machen, sei faszinierend.

  • Darum Bodenwöhr:

    Industriegeschichte geht hier im „Ruhrgebiet des Mittelalters“, wo es den ersten Hochofen der Oberpfalz gab, weit zurück. Der gesamte Ort war Produktionsfläche. Der Kontext mit der Hüttenwerksgeschichte sei der Königsweg, erklärt Hoffmann. Bodenwöhr liege außerdem in der Mitte des Landkreises, verfüge über genügend engagierte Ehrenamtliche und auch über innovative Unternehmen als Unterstützer oder Sponsoren. Ein Bahnhof und neue Mobilitätskonzepte sind ebenfalls vorhanden.

Bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch konnte Franz Pfeffer, Bildungsreferent im Landratsamt Schwandorf, voller Vorfreude schon einen Plan vorstellen. Für die Förderung der Weiterbildung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen und Mentoren, wolle man noch heuer ein generationenübergreifendes MINT-Projekt (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) realisieren. Die entsprechenden finanziellen Mittel können über ein Förderprogramm bereitgestellt werden - bis zu 80 Prozent, erklärte Pfeffer erfreut.

Alle Generationen sind beteiligt

Dieses „TEZ“ (Technikerlebniszentrum) soll ein ehrenamtlich betreuter Bildungsort werden, an dem durch die ältere Generation handwerkliches Handeln in spielerischer Atmosphäre an die Heranwachsenden weitergegeben wird – auch außerhalb der Schulzeiten. Die Nutzungsmöglichkeiten reichen von Besuchen durch Schulklassen, festen Betreuungsangeboten zum Erleben von Technik und Handwerk, Ferienprogramminhalten bis zu Angeboten der Erwachsenen- und Lehrerbildung. „Damit kann eine wesentliche Lücke in der MINT-Förderung geschlossen werden“, so Pfeffer.

Bodenwöhr eigne sich hervorragend für dieses Projekt - aus mehreren Gründen. Als mögliche Standorte hat man das alte Rathaus, das Forstmaschinengebäude, den Gasthof Schießl oder – und dieses Gebäude werde präferiert – das „Magazin“ auf dem Fischerhausgelände im Auge. Im Rahmen des Kommunalen Denkmalkonzepts und des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts, für die Bodenwöhr bereits im vergangenen Jahr aufgenommen wurde, hat man diese historischen Gebäude bereits wissenschaftlich untersucht. Das TEZ würde sehr gut in dieses Konzept passen, erklärte begeistert auch Professor Georg Sahner, der das Denkmalkonzept begleitet. Die Räte sahen das genauso, befürworteten das Projekt und beschlossen einstimmig, Fördergelder zu beantragen.

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