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Mein Verein

Wo sich die Stammbaum-Fans treffen

Alle zwei Monate treffen sich die Mitglieder der „Gesellschaft für Familienforschung“ in Schwandorf zum Erfahrungsaustausch.
Von Ingrid Hirsch

Cousin- und Cousinen-Treffen der Familien „Harrer“: mittendrin Rich und Bonnie Harrer aus Amerika Foto: xih
Cousin- und Cousinen-Treffen der Familien „Harrer“: mittendrin Rich und Bonnie Harrer aus Amerika Foto: xih

SCHWANDORF.Wer Ahnenforschung betreiben möchte, kommt nicht umhin, sich mit alten Schriften zu beschäftigen. Bei ihren monatlichen Treffen befassen sich deshalb die Mitglieder der „Gesellschaft für Familienforschung“ mit den Zeichen der Deutschen Schrift. Arbeitskreisleiterin Rita Scharl ist geübt im Studium der Quellen, die Aussagen zum Leben der Vorfahren enthalten. Unterlagen für die Familien- und Hofforschung besitzen die Pfarr- und Standesämter sowie private Archive.

Tauf-, Sterbe- und Heiratsmatrikel befinden sich im bischöflichen Zentralarchiv in der Bezirkshauptstadt Regensburg. Im Staatsarchiv in Amberg lagern zudem Protokolle, Kataster, historische Karten, Steuerlisten, Hypothekenbücher, Eheverträge und Prozessakten. Wer sie lesen und auswerten möchte, muss die Schriftzeichen beherrschen.

Seit dem Jahr 1991 ist die Forschung nach der eigenen Vergangenheit im Verein „Gesellschaft für Familienforschung“ organisiert. Alle zwei Monate treffen sich die Mitglieder im Sportparkrestaurant Schwarzenfeld zum Erfahrungsaustausch. „Der Arbeitskreis hilft Menschen, die mit der Erforschung der Familiendaten beginnen, sowie bereits erfahrenen Familienforschern bei der Erfassung ihrer Daten“, sagt Rita Scharl, die die treibende Kraft der hiesigen Familienforscher-Gemeinde ist.

Die Frage der eigenen Herkunft

Am Anfang stehe immer die Frage nach der eigenen Herkunft: „Woher komme ich, wer sind meine Vorfahren, welche Berufe hatten sie, gibt es in der Familiengeschichte Besonderheiten?“ Rita Scharl aus Lindenlohe befasst sich seit 33 Jahren mit der Ahnenforschung.

Rita Scharl (rechts) leitet den Arbeitskreis für Familienforschung, der sich alle zwei Monate trifft. Foto: xih
Rita Scharl (rechts) leitet den Arbeitskreis für Familienforschung, der sich alle zwei Monate trifft. Foto: xih

Neben alten Schriftzeichen eignete sie sich auch wichtige kirchenlateinische Begriffe an, die in den historischen Unterlagen regelmäßig vorkommen. Von Kindheit an interessiert sich die ausgebildete Heilpraktikerin für Familiengeschichten. Zuerst hat sie die „Oma ausgefragt“ über die Geschichte der Familie Harrer aus Säulnhof bei Stulln. Rita Scharl stammt aus diesem Hof, den ihr Urgroßvater 1909 gekauft hat. Ihr Bruder bewirtschaftet das Anwesen, das sich bis ins Jahr 1453 zurückverfolgen lässt, heute noch. Sie selbst hat in einen Hof in Lindenlohe eingeheiratet. Die Ahnenforscherin organisiert regelmäßig Cousin- und Cousinen-Treffen.

Alle Teile der Serie „Mein Verein“ finden Sie hier.

Im vergangenen Jahr kamen sogar Rich und Bonnie Harrer aus Amerika und feierten bei Bier und Brotzeit auf dem Schwandorfer Volksfest. Vorfahre Wolfgang Harrer wurde 1799 in Kaltenbrunn geboren und wanderte 1845 nach Amerika aus. Rich Harrer, einer seiner Nachkommen, lebt heute in Michigan. Rita Scharl nahm Kontakt mit ihm auf und lud ihn mit seiner Ehefrau nach Schwandorf ein. Rich und Bonnie Harrer lernten dadurch erstmals ihre Verwandten kennen. 30 von ihnen waren gekommen.

Selbst Schriften herausgegeben

Rita Scharl hat drei Chronikbücher und acht Hefte mit familienkundlichen Beiträgen verfasst. Foto: xih
Rita Scharl hat drei Chronikbücher und acht Hefte mit familienkundlichen Beiträgen verfasst. Foto: xih

Drei Chronikbücher und acht Hefte mit familienkundlichen Beiträgen hat Rita Scharl mittlerweile herausgegeben. Als der Stadtteil Lindenlohe 1994 das 1000-jährige Bestehen feierte, schrieb sie die Festschrift. Auch zur 825-Jahr-Feier der Gemeinde Stulln brachte sie im Jahr 1999 eine Chronik heraus.

Die Gesellschaft für Familienforschung wurde 1991 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensumstände der früheren Generationen und die Hintergründe von Wanderungsbewegungen zu erforschen. Die Mitglieder leisten engagiert Hilfestellung bei der Quellenarbeit, organisieren Exkursionen zu Archiven und Ausstellungen und bieten Leseübungen in alten Schriften an.

Der Verein

  • Die Aufgabe

    Die Gesellschaft für Familienforschung veröffentlicht regelmäßig familienkundliche Beiträge und Forschungsergebnisse. Daneben erscheinen „familiengeschichtliche Hefte“ und historische Chroniken. Die Fachbibliothek der Gesellschaft verwaltet Rita Scharl in Lindenlohe, Tel. (0 94 31) 2 17 89 und per E-Mail r.scharl@gmx.de

  • 250 Mitglieder

    In der Oberpfalz hat die Gesellschaft für Familienforschung 250 Mitglieder. Sie ist gemeinnützig und in regionalen Arbeitskreisen flächendeckend vertreten.

Rita Scharl hat bei ihren Nachforschungen erfahren, dass die Kindersterblichkeit in den früheren Jahrhunderten sehr hoch war, häufig Brände gewütet und Kriege ganze Landstriche vernichtet haben.

Das nächste Arbeitskreistreffen ist am 3. März um 19 Uhr wieder im Sportpark Schwarzenfeld. Dann befassen sich die Teilnehmer mit der Ahnenforschung im Internet. Rita Scharl wird dabei Portale vorstellen, die sich zielführend für die Recherche nutzen lassen. (xih)

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