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Kinder

Zahlenspiele rund um die Geburtshilfe

Noch ist unklar, ob das Schwandorfer Barbara-Krankenhaus von einem neuen Programm des Freistaats profitieren wird.
Von Hubert Heinzl

Im vergangenen Jahr kamen im Schwandorfer Barbara-Krankenhaus 721 Kinder zur Welt. Foto: dpa/Waltraud Grubitzsch
Im vergangenen Jahr kamen im Schwandorfer Barbara-Krankenhaus 721 Kinder zur Welt. Foto: dpa/Waltraud Grubitzsch

Schwandorf.Zumindest der Schwandorfer Kreistag hat seine Hausaufgaben gemacht. In seiner Sitzung am 12. März betraute er das Barbara-Krankenhaus förmlich mit der Sicherstellung der stationären Geburtshilfe im Landkreis Schwandorf. Dies ist Voraussetzung, um in den Genuss von Fördergeldern zu kommen, die der Freistaat Bayern mit dem „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“ für Kliniken und Hebammen im ländlichen Raum in Aussicht gestellt hat. Bei einer Beteiligung des Landkreises an der Finanzierung könnten bis zu einer Million Euro aus dem Fördertopf abgegriffen werden, die der gynäkologischen Abteilung in St. Barbara zugutekämen.

Denn die arbeitet defizitär, wie an fast allen Krankenhäusern. Geschäftsführer Dr. Martin Baumann, der dem Kreisausschuss am Montag die Geburtshilfe in St. Barbara vorstellte, nannte zwar keine Zahlen. Doch er verdeutlichte den personellen Aufwand, der für die „Wohlfühlgeburten“ (O-Ton Baumann) in dem Schwandorfer Haus betrieben werden muss. Die Hauptabteilung, die 2015 gegründet wurde, besteht neben der äzrtlichen Leitung aus sechs Assistenzärzten, 17 Hebammen und acht Kinderkrankenschwestern. Eine Hebamme ist immer im Krankenhaus präsent, zwei weitere stehen in ständiger Rufbereitschaft. Dazu kommen Assistenzärzte und Anästhesisten – und Chef- oder Oberärztinnen, die auch nach ihrer regulären Arbeitszeit in zehn Minuten im Kreißsaal sein können, dank einer eigenen Dienstwohnung in Schwandorf.

721 Geburten im Vorjahr



All das hat seinen Preis, der von den Krankenkassen nicht eins zu eins übernommen wird. Laut Dr. Baumann muss also querfinanziert werden, um der „Verantwortung für die Daseinsvorsorge“ gerecht zu werden. Die Bedeutung des Barbara-Krankenhauses für werdende Eltern hat in den vergangenen Jahren sogar noch zugenommen, wie der Geschäftsführer erläuterte. Noch vor 14 Jahren gab es im Landkreis Schwandorf vier Krankenhäuser, in denen Mütter ihre Kinder zur Welt bringen konnten – inzwischen ist St. Barbara das einzige Haus mit einer entsprechend gewachsenen Versorgungsfunktion. Bis auf den Raum Oberviechtach kann das Krankenhaus von allen Orten im Landkreis innerhalb einer halben Stunde erreicht werden, rechnete Dr. Baumann vor. Die Zahl der Geburten hat sich nach seinen Worten zuletzt auf 721 eingependelt – nach einem Allzeithoch von 762 im Jahr 2016, das der Geschäftsführer auch auf den Bevölkerungszuwachs durch die Flüchtlinge zurückführte. Noch 2004 wurden in Schwandorf lediglich 520 Kinder geboren.

„Es gibt nicht eine bestimmte Zahl, die wir anvisieren“, versicherte Dr. Baumann den Kreisräten, man werde auf jeden Fall an der Geburtshilfe in Schwandorf festhalten. Bei den Zuschussmöglichkeiten spielen Zahlen gleichwohl eine wichtige Rolle. Gefördert werden nach seinen Worten nur Krankenhäuser mit 300 bis 800 Geburten – was auf St. Barbara durchaus zutrifft. Komplizierter sieht es mit einer weiteren Bedingung aus, an die die Förderung geknüpft ist: Mindestens 50 Prozent aller Geburten von Kindern aus dem Landkreis müssten demnach auf das Schwandorfer Krankenhaus entfallen. Diese Quote, wenn sie denn am Ende verbindlich ist, erreicht das Barbara-Krankenhaus mit einem Anteil von 48 Prozent derzeit nicht.

„Am falschen Ende gespart“

Dr. Baumann wartet deshalb auf die Richtlinien aus München, wie die Förderung der Geburtshilfe konkret ausgestaltet werden soll. „Wir haben ein großes Interesse, dass es nicht an dieser Hürde scheitert. Das wäre am falschen Ende gespart“, sagte er und rief die Kreisräte dazu auf, sich für eine Förderung mit Augenmaß einzusetzen. Denn alle anderen Bedingungen erfüllt das Barbara-Krankenhaus nach seinen Worten problemlos – von der Lage im ländlichen Raum bis hin zu einem ausgeklügelten Qualitätsmanagement.

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Geburtshilfe

  • Standort:

    Das Barbara-Krankenhaus ist inzwischen der einzige Standort im Landkreis Schwandorf mit einer stationären Geburtshilfe. Noch im Jahr 2004 gab es weitere gynäkologische Abteilungen auch in Nabburg. Oberviechtach und Burglengenfeld.

  • Geburten:

    Die Geburtenzahl in St. Barbara pendelte sich nach 520 (2004) und einem Allzeithoch von 762 (2016) zuletzt auf 721 ein. 2017 wurden insgesamt 1206 neue Landkreisbürger geboren. (hh)

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