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Natur

Zu Gast in der Neunburger „Zauberküche“

Christine Ebenschwanger ist eine „Kräuterkundige“. Sie bietet Wanderungen und Workshops für Seifen und Salben an.
Von Roland Thäder

Christine Ebenschwanger in ihrem kleinen Reich, der „Zauberküche“ Foto: ro
Christine Ebenschwanger in ihrem kleinen Reich, der „Zauberküche“ Foto: ro

Neunburg.Es ist gerade bitter kalt im Garten der Kräuterfee Christine Ebenschwanger am Ortsrand von Mitteraschau. Er liegt nur einige hundert Meter vom Feuerwehrhaus entfernt. Kälte hin, Winter her – die Brunnenkresse schmeckt trotzdem fantastisch frisch mit einer würzig-scharfen Note. Ebenschwanger gräbt sie am Rand des kleinen, zugefrorenen Gartenteichs unter der dünnen, puderzuckerartigen Schneeschicht aus. Gäste sind dort jederzeit willkommen, um zu probieren, was saisonal dort wächst – im Moment neben der Kresse noch Salbei.

Viele eingelegte Kräuter stehen in der Laube in Regalen. Foto: ro
Viele eingelegte Kräuter stehen in der Laube in Regalen. Foto: ro

Wir besuchen die Kräuterfee, die uns ihr kleines Reich zeigt. Das ist neben dem Garten die „Zauberküche“, eine Art Gartenlaube, die ihr Mann Harald, Bauleiter bei Steiniger in Neunburg, gebaut hat. Dort stehen jede Menge Liköre, Tinkturen oder Weine in Regalen und auf einem Schrank. Hier hält sie unter anderem Workshops darüber, wie man Salben oder Seifen selbst herstellt. Im Sommer ist Christine Ebenschwanger viel mit Kräuterwanderungen oder dem Sammeln derselben beschäftigt. Aber nun, im Winter, hat sie Zeit, um mit uns bei Schoko-Brownies, griechischem Bergtee und einem Gläschen Zirbenlikör über ihre Passion zu sprechen – die Welt der Kräuter.

Die Kräuterfee stellt Salben aus Blutwurz, Arnika und Spitzwegerich her

Jetzt erledigt sie typische Winterarbeiten. Es stehen Töpfe mit Ölen auf dem Herd. Darin bilden Blutwurz, Arnika und Spitzwegerich die Basis für Salben. Denn am kommenden Wochenende findet wieder ein Workshop statt. Außerdem absolviert sie gerade eine Fortbildung zur „Kräuterpraktikerin“ nach Hildegard von Bingen. Dafür erstellt sie derzeit eine winterliche Hausapotheke. Gewürze, wie Zimt, Muskat und Nelken, aber auch Quitten und Mispeln ziehen darin ein.

Hier haben wir noch mehr Fotos von unserem Besuch bei der Kräuterfee:

Im Garten und der Zauberküche der Kräuterfee

Angefangen hat alles 2006, eine Krankheit war der Ausgangspunkt. „Damals habe ich auch nicht mehr als Gänseblümchen, Brennnessel und Löwenzahn gekannt, aber jeder kennt doch noch was aus seiner Kindheit“, erzählt die Kräuterfee lachend. Dann absolvierte sie einen Kräuterworkshop. „Kräuterkundige“ darf sie sich seitdem nennen. Die Urkunde hängt an der Wand. Doch damit war ihre Wissbegier gerade erst erweckt worden.

Die Kräuterfee zeigt dem MZ-Reporter ihre Seidenkiefer. Foto: ro
Die Kräuterfee zeigt dem MZ-Reporter ihre Seidenkiefer. Foto: ro

„Wenn etwas massig im Garten wächst, dann braucht der Körper das auch“, zeigt sich Christine Ebenschwanger im Gespräch überzeugt. Dabei ging es in diesem Fall um Gundermann, der sowohl als Tee, als auch im Salat sein Aroma hervorragend entfaltet. „Ich brauche keinen perfekten Garten“, outet sie sich als Anhängerin des Prinzips, der Natur ihren Lauf zu lassen, statt alles zu stutzen und zu ordnen. 2009 wurde der einstige verpachtete Reitplatz dann in den heutigen Kräutergarten verwandelt. Mit Granitsteinen angelegte Kräuterschnecken, ein Hochbeet, kleine Teiche, Ruheoasen, eine Zirbe, eine Seidenkiefer und die Steinpyramiden ihres Mannes stechen darin sofort ins Auge. Zur Begrenzung haben die Ebenschwangers eine „essbare Hecke“ angelegt.

Vier Rezepte von der Kräuterfee

Im selbst gebauten Gewächshaus gedeihen bis zum Herbst Salbei und Safran. Wilde Himbeeren haben sich ihren Weg von außen nach innen gebahnt. Die Extrakte der Damaszener Duftrosen finden in Salben Eingang. „Das Einzige, was bei mir bislang eingegangen ist, ist Eukalyptus“, sagt die Kräuterexpertin. Arnika wachse auf dem Boden nicht, aber den bekomme sie von ihrer Schwester Sigrid, die am Druidenstein in Kröblitz wohnt.

Kreativität: Orientalischer Traum heißt diese von Christine Ebenschwanger neu zusammengestellte Seife. Foto: ro
Kreativität: Orientalischer Traum heißt diese von Christine Ebenschwanger neu zusammengestellte Seife. Foto: ro

Auch wenn wir es uns im Moment noch nicht vorzustellen vermögen, in etwa sieben Wochen wird das Birkenwasser wieder schießen. Am 7. und 12. März hatten die Bäume in den vergangenen Jahren ihren Schub. Um es aufzufangen, schneidet Christine Ebenburger dann einen Ast ab, hängt eine Flasche daran und fängt das Wasser auf, das dann eingefroren und damit haltbar gemacht wird.

Gesammeltes Kräuterwissen in Buchform

Ihr Wissen hat sie im vergangenen Jahr auch schon in einem kleinen Ringbüchlein mit dem Titel „Typisch Kräuterfee – Grüße aus dem Kräutergartl in Neunburg“ zusammengefasst. Darin stehen Informationen zu Giersch, Gänsefingerkraut Schafgabe und Co., wofür die Kräuter hilfreich sind und Rezepte. Erschienen ist das Taschenbuch im Eigenverlag. Es kostet zehn Euro und ist u.a. in der Tourist-Info in Neunburg, in der Buchhandlung am Tor, im Pressezentrum und im Marktladen in Schwarzhofen erhältlich.

Christine Ebenschwanger ist es ein Anliegen, Menschen mit ihrem Wissen um die Kräuter zu helfen – um Geld gehe es ihr nicht. Die Seifen verschenkt sie an Freunde und Verwandte. Und wenn sie einmal eine Auszeit braucht, geht sie mit ihrer Freundin Andrea und deren Huskys auf dem Jakobsweg auf Pilgerschaft.

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