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Theater

Zwei Boandlkramer und zwei Geister

Der Festspielverein Pottenstetten feierte mit „Die Gspenstermacher“ Premiere – erstmals auf der Gemeindehausterrasse.
Von Monika Buckenleib

Schippe und Schaufe plagt das schlechte Gewissen, weil sie Vevi und Rosa das Gift haben trinken lassen.  Fotos: Monika Buckenleib
Schippe und Schaufe plagt das schlechte Gewissen, weil sie Vevi und Rosa das Gift haben trinken lassen. Fotos: Monika Buckenleib

Pottenstetten.Die Geister, die Beate Weinfurtner, die neue 1. Vorsitzende des Festspielvereins rief, waren die Laienschauspieler aus Pottenstetten, allen voran die Spielleiterinnen Julia Graf und Johanna Kruschwitz. Sie führten erstmalig auf der Terrasse des Gemeindehauses die schwarze Komödie „Die Gspenstermacher“ von Ralph Wallner nach einem Jahr Pause auf. Eine neue Lokalität musste gefunden werden, da der bisherige Spielort hinter dem Feuerwehrhäusl aufgrund eines Hausbaus nicht mehr zur Verfügung stand. Dazu waren einige Vorbereitungen notwendig, denn wegen der Hanglage musste der Zuschauerraum geebnet werden.

1. Vorsitzende Beate Weinfurtner (Mitte) mit Spielleiterinnen Julia Graf (links) und Johanna Kruschwitz (rechts). Foto: Monika Buckenleib
1. Vorsitzende Beate Weinfurtner (Mitte) mit Spielleiterinnen Julia Graf (links) und Johanna Kruschwitz (rechts). Foto: Monika Buckenleib

Mit Hilfe von Mitgliedern des Festspielvereins und Bauhofmitarbeitern war es schließlich wunderbar gelungen. Eine neue Freilichtbühne war mit vereinten Kräften geschaffen. „Der Innenhof hier ist wie ein Nest; es ist total gemütlich, schwärmte Julia Graf“. Die Technik (Markus Graf, Andy Karl, Ramona Karl) agierte mit Sound und Special Effects vom Baumhaus des Kinderspielplatzes aus. Die hohen Bäume mit ihren raschelnden Blättern bildeten eine perfekt schaurige Kulisse für diese Komödie. Pünktlich zu Beginn der Vorstellung hörte glücklicherweise der Regen auf, wie Johanna Kruschwitz bereits vom „Agrarwetter“ her wusste.

Gruseln im Mondschein

Als es schließlich dunkel wurde und nur noch der Mond die finstere Nacht erhellte, begann die Gruselkomödie in der Dorfschenke im Moortaler Moos. Die beiden Boandlkramer Schippe und Schaufe, in schwarzem Anzug, Zylinder und blutverschmiertem Hemd, erfahren, dass sie nur noch nach Leichen bezahlt werden. Deshalb freuen sie sich, dass zwei Dorfbewohner aus der Giftflasche mit dem Totenkopf, tranken, denn „ohne Leich‘ wird man nicht reich“. Es trifft dann ausgerechnet – wer das Stück noch sehen will, sollte ab hier nicht mehr weiterlesen – die beiden Erzfeindinnen Vevi Veichtl und die Wirtin Rosa Moderer.

Rund ums Theater

  • Festspielverein:

    Er besteht aus ca. 80 Mitgliedern. 1. Vorsitzende ist Beate Weinfurtner (Mitte), 2. Vorsitzender Florian Schott. Spielleiterinnen sind Julia Graf (links) und Johanna Kruschwitz (rechts).

  • Schauspieltruppe:

    Dabei sind Andreas Graf, Julia Graf, Florian Schott, Beate Weinfurtner, Wolfgang Meindl, Johanna Kruschwitz, Fabian Graf; knieend: Anna Hölzl und Maximilian Hofmann.

  • Aufführungen:

    Die Laienspielgruppe führt das Stück insgesamt drei Mal auf. Für die letzte Vorstellung am Samstag, 17. August, um 20.30 Uhr gibt es noch Restkarten bei Jutta Graf, Tel. (0 94 71) 82 84. Der Eintritt kostet sieben Euro. (bbm)

Die Frauen buhlen um das einzige begehrenswerte Mannsbild im Dorf, den Schuaster-Jackl, der sich wenigstens die Zähne putzt und zumindest zwei Unterhosen hat – eine für Sommer und eine für den Winter. Nun, im Tode vereint, spuken sie als Gespenster mit weiß geschminkten Gesichtern und weißem Bettlaken über dem Dirndl, im Dorf herum, erschrecken die Bewohner und machen sich einen Spaß daraus, dem Stanglbauer Chilipulver aufs Klopapier zu streuen oder die Hühner freizulassen. Einzig, durch die Wände zu gehen, war ihnen nicht möglich, wie sie schmerzhaft erfahren mussten. Sehen konnten die Untoten nur die Totengräber aufgrund eines Fluches, den ihnen die Dorfverrückte Philomena auferlegt hatte. Das völlig überraschende Ende wird nicht verraten, nur soviel: Die Liebe kommt nicht zu kurz und sogar der Tod hat was Gutes, wie die Wirtin resümierte.

Makabere Sprüche

Die Zuschauer amüsierten sich köstlich und hatten viel zu lachen über den schwarzen Humor und die teils makabren Sprüche der Moorgeister: „Die Mannsbilder braucht man nicht und die Weiberleit im Publikum schauen selbst aus wie Gespenster“. Als eine „tote Maus“ in die Zuschauermenge flog, waren laute Schreckensrufe zu hören. „Humor und das Makabre waren grandios gemischt“, begeisterte sich Rieke aus Niederhof, „so ein tolles Stück; super gespielt, vor allem die Gespenster.“

Das Ensemble (von links): Andreas Graf, Julia Graf, Florian Schott, Beate Weinfurtner, Wolfgang Meindl, Johanna Kruschwitz, Fabian Graf; knieend: Anna Hölzl und Maximilian Hofmann Foto: Monika Buckenleib
Das Ensemble (von links): Andreas Graf, Julia Graf, Florian Schott, Beate Weinfurtner, Wolfgang Meindl, Johanna Kruschwitz, Fabian Graf; knieend: Anna Hölzl und Maximilian Hofmann Foto: Monika Buckenleib

Die ca. 200 Zuschauer in der voll besetzten Arena belohnten die unterhaltsame Darbietung der jungen Schauspieltruppe mit einem großen Schlussapplaus und Bravo-Rufen. Das freute die hoch motivierten Schauspieler ungemein, die mit großem Ehrgeiz das Stück einstudiert hatten. 23 Proben waren notwendig, bis das Stück bühnenreif war. Die Termine auf die Reihe zu bekommen, war nicht immer leicht, wie Julia Graf erzählte: „Es sind Schüler und Studenten dabei, die Prüfungen hatten und ein Schichtarbeiter mit wechselnden Arbeitszeiten, aber irgendwie haben wir es auf die Reihe gekriegt. Wir waren ja alle hoch motiviert“. Die 1. Vorsitzende Beate Weinfurtner erinnerte an den verstorbenen Festspielleiter Josef Graf, der allen fehlt. Sie versprach, in jedem Jahr mit ihrer jungen sympathischen Truppe, ein Stück aufzuführen. Die Bevölkerung kann sich also schon freuen.

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