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Kultur

Das „Zwickl“ öffnet den Horizont

Schwandorfs Dokumentarfilmfestival hat 25 Filme im Programm, die absolut sehenswert sind, findet Initiatorin Anne Schleicher.
Von Elisabeth Hirzinger

„Heirate mich“ gehört zu Anne Schleichers Dokumentarfilm-Favoriten. Foto: Hirzinger
„Heirate mich“ gehört zu Anne Schleichers Dokumentarfilm-Favoriten. Foto: Hirzinger

Schwandorf.Ohne Anne Schleicher gäbe es kein „Zwickl“, kein Filmfestival, bei dem zum Eintrittspreis von zwei Euro preisgekrönte und unbekannte, aber nichtsdestotrotz sehenswerte Dokumentarfilme gezeigt werden. Sie hatte die Idee von der „Kultur für alle“, eine Idee die zum Selbstläufer wurde und die heuer zum fünfjährigen Jubiläum von Zwickl mit (dem Themenblock) Liebe gefeiert wird.

Wochenlang hat Anne Schleicher mit Freunden und Bekannten im eigenen Wohnzimmer Dokumentarfilme geschaut und selektiert. Übrig geblieben sind 25 Filme, die das Publikum zum Lachen, zum Nachdenken und zum Diskutieren anregen sollen. Der Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin fällt es sichtlich schwer, für die MZ-Reporterin die Auswahl noch weiter einzugrenzen. Clement Hoffer, der vorab auch alle Filme gesehen hat, geht es genauso.

Nach dem Film wird diskutiert

Die beiden haben das Programmheft vor sich liegen und blättern vor und zurück. Klar, den Eröffnungsfilm muss man gesehen haben. „The Human Scale“ zeigt die „einzigartigen Möglichkeiten“ der Städtebauer und Architekten auf – präsentiert Visionen von menschlichem und nachhaltigem Stadtleben, die sich aus Sicht der Veranstalter für eine aktuelle Debatte über die Entwicklung der Stadt Schwandorf geradezu anboten.

Deshalb gibt es anschließend an den zweiten Vorführtermin am 24. September eine Podiumsdiskussion zu dem Thema. Gesprächsteilnehmer sind Dr. Stefan Leuninger und Annegret Michler, die den Stadtplanern seit Jahren beratend zur Seite stehen, und Dr. Matthias Segerer von der IHK.

Hier, im Eingangsbereich von Blumen Heinz, wird Anne Schleicher die Kinobesucher willkommenheißen. Foto: Hirzinger
Hier, im Eingangsbereich von Blumen Heinz, wird Anne Schleicher die Kinobesucher willkommenheißen. Foto: Hirzinger

„Wichtig ist, dass für jeden was dabei ist“, sagt Anne Schleicher und tippt auf Seite elf. Die „Blume der Hausfrau“ ist ein „saulustiger Film“ über das Arbeitsleben von fünf Staubsaugervertretern, vier Italiener und ein Deutscher, die Regisseur Wessely in die Wohnungen begleitet.

Es folgt ein Schwenk von der Staubsauger-Mafia-Geschichte zum Wakeboarderfilm, gedreht von dem Burglengenfelder Andy Kolb. Der zweifache Weltmeister im Wakeskaten hat auf fünf Kontinenten die besten Wakeboarder der Welt mit „dynamischer Kamera“ gefilmt.

Sehen Sie hier den Festivaltrailer für das Zwickl 2016:

Stolz sind Anne Schleicher und Clement Hoffer auch auf die Auswahl an Beziehungsfilmen, die sie für die Zwickl-Tage getroffen haben. Ihr absoluter Favorit ist „Heirate mich“, ein Film, der in Kuba beginnt, wo Erik, „ein komischer Typ“, der Kubanerin Gladis einen Heiratsantrag macht. Die Kamera ist stets nah dran. Auch beim Schwangerschaftstest im Bad, wo klar wird, dass Gladis, die das nicht wollte, schwanger ist. Und während sie die Katastrophe noch rauchend verarbeitet, flippt Erik im Hintergrund vor Freude aus.

Der Blumenladen wird für die Dokumentarfilmtage ausgeräumt und umgestaltet. Foto: Hirzinger
Der Blumenladen wird für die Dokumentarfilmtage ausgeräumt und umgestaltet. Foto: Hirzinger

Die Macher der Dokumentarfilmtage haben auch die Naturfreunde gedacht und mit der „Magie der Moore“ einen Film ins Programm genommen, den der renommierte Naturfilmer Jan Haft an 500 Tagen und 80 Orten drehte. Mit speziellen Kameras hat er die Wunder der Natur eingefangen.

„Sinnlich und berührend“

Ein „sehr berührender und emotionaler Film“, ist für Anne und Clement „I shot my love“, in dessen Mittelpunkt der israelische Regisseur Tomer Heymann und der deutsche Tänzer Andreas stehen, die sich im Berliner Nachtclub Bernhain kennengelernt haben. Aus einer Affäre wurde eine Beziehung und mit Heymanns Handkamera, die ständig präsent ist, entstand ein intimes Porträt dieser Beziehung, „ein sinnlicher Film“.

Wie finde ich die große Liebe? Diese Frage stellt sich auch für die Protagonisten von „Match me!“, die auf unterschiedliche und ungewöhnliche Art versuchen, den Partner fürs Leben zu finden. Und noch ein Film liegt den beiden am Herzen. Es ist „Das Salz der Erde“, ein Film, in dem Wim Wenders mit dem Sohn des Fotografen Sebastiao Salgado das abenteuerliche Leben des Brasilianers erzählt, der über 40 Jahre mit seiner Kamera festgehalten hat, wovor andere gerne die Augen verschließen.

Clement Hoffer und Anne Schleicher haben zusammen mit Freunden und Bekannten die Filme ausgewählt. Foto: Hirzinger
Clement Hoffer und Anne Schleicher haben zusammen mit Freunden und Bekannten die Filme ausgewählt. Foto: Hirzinger

Filme wie dieser, die eine andere Welt zeigen, sind für Anne Schleicher das größte Potenzial der Dokumentarfilmtage: „Sie öffnen den Horizont der Zuschauer.“ Im Übrigen wird vom 17. bis 25. September im alten Metropolkino (Blumen Heinz) und im Union-Kino jeder Film zweimal gezeigt, damit auch alle die Chance haben, jeden Film zu sehen.

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Eine kleine Film-Auswahl

  • Die Gewählten:

    Regisseurin Nancy Brandt (sie kommt am 21.9. ins Metropolkino) begleitet fünf junge Bundestagsabgeordnete, die vieles verändern wollten und sich dabei selbst verändert haben. Ein „witziger Film“, der Klischeebilder bestätigt und zeigt, wie motivierte junge Leute „vom Verwaltungsapparat in Berlin verschluckt werden“.

  • Zündfunk:

    Der Dokumentarfilm begleitet die Redaktion des „jungen, alternativen und intellektuellen Senders“bei der Arbeit. Es ist ein „leichter, lockerer Film“, bei dem man auch Gäste wie „The Notwist“ oder Adam Green sieht. Produzent Ingo Fliess, Regisseur Gereon Wetzel und Protagonist Roderich Fabian sind am 24. 9. im Metropolkino.

  • Sonita:

    Sie ist 18, lebt in Teheran in einer Flüchtlingsunterkunft und rappt. Ihre Familie will sie zurück nach Afghanistan holen und an einen Mann verkaufen. Aber Sonita hat sich emanzipiert, stellt sich gegen ihre Familie und schafft es sogar, mit einem Stipendium nach Amerika zu gehen. Der Film wird in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt.

  • Hubert v. Goisern:

    Regisseur Marcus H. Rosenmüller spannt in einem „einfühlsamen Musikerporträt“ den Bogen von den Anfängen des Alpenrockers über seine Expeditionen bis zu den Erfolgen mit „Brenna tuats guat“. Sein Manager und Wegbegleiter Hage Hein kommt am 25. 9. zum Saalgespräch ins Metropolkino.

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