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Ganz Diendorf im Jubiläumsmodus

1000 Jahre urkundliche Erwähnung, 25 Jahre Kapellenweihe: Der Neunburger Ortsteil hat am Sonntag gute Gründe für sein Fest.
Von Bettina Mehltretter, MZ

Die Diendorfer freuen sich auf die 1000-Jahr-Feier ihres Dorfes. Auf dem Bild: Josef Ettl sen., mit 83 Jahren der zweitälteste Diendorfer, seine Frau Anna, mit 87 Jahren die älteste, und die jüngsten Dorfbewohner Matthias (zwei) und Josef Esche (vier Jahre) mit ihren Eltern Karin und Andreas.Foto: Mehltretter
Die Diendorfer freuen sich auf die 1000-Jahr-Feier ihres Dorfes. Auf dem Bild: Josef Ettl sen., mit 83 Jahren der zweitälteste Diendorfer, seine Frau Anna, mit 87 Jahren die älteste, und die jüngsten Dorfbewohner Matthias (zwei) und Josef Esche (vier Jahre) mit ihren Eltern Karin und Andreas.Foto: Mehltretter

Diendorf.Heinrich Hess steht vor dem Groll-Anwesen im Ortskern von Diendorf. In der Hand hält er ein hölzernes Schild. Der Dieterskirchener Maler Robert Bergschneider hat es restauriert. Nun ist auf der früheren Ortstafel wieder deutlich zu lesen, was über Jahrzehnte hinweg verwittert ist: „Ort Diendorf – Gmde. Meißenberg – Lkr. Neunburg v.W.“. Zum 1000-jährigen Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes, das am Sonntag mit einem Fest an der Kapelle gefeiert wird, will Hess das Schild wieder an dem Gebäude aufhängen. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt der Diendorfer.

Er und die anderen Bewohner des Dorfes rüsten sich für ihr Fest. Ganze Wohnhäuser erhalten einen frischen Anstrich, genauso die Tür zur Kapelle, deren 25-jähriges Weihejubiläum ebenfalls gefeiert wird. Das Bushäusl wird gerade noch renoviert. Und an der Gemeindeverbindungsstraße, die am Dorf vorbei führt, wirbt eine Tafel für das Fest. „1000 Jahre Tenindorf“ ist darauf zu lesen. In der Schenkungsurkunde des Kaisers Heinrich II. aus dem Jahr 1017 wurde Diendorf (Tenindorf) neben Neunburg (Niwnburg), Wenigrötz (Retsiz inferior), Gütenland (Gotilinlant) und Hillstett (Hullissteti) als königliches Eigengut erwähnt.

Wenn das Dorf feiert, wird auch Josef Ettl sen. dabei sein. Er wird die Glocke der Kapelle St. Anna Selbtritt zum Läuten bringen; das ist sein Job im Kapellenverein. Ettl ist mit 83 Jahren der zweitälteste Bewohner des Dorfes und der, der am längsten dort lebt. Geboren ist er in dem Hof, dessen Existenz im Dorf wohl am weitesten zurückgeht, bis ins 13. Jahrhundert. Seit Ettls Kindheit hat sich das Dorfbild gravierend verändert: An der Stelle alter Höfe sind neue Gebäude entstanden, auch anstelle von Ettls Geburtshaus. Nach und nach haben die Landwirte des früheren Bauerndorfes ihre Kühe verkauft. Und ab dem Jahr 1979 wuchs der Ort um eine Siedling weiter in Richtung Industriegebiet.

Kapellenverein belebt das Dorf

Josef Ettl kann von den schlechten Tagen des Dorfes erzählen, etwa von Bränden, aber auch von den guten. „An die Tanzabende in den Wintern nach dem Krieg erinnere ich mich gern“, erzählt er. Damals haben sich die jungen Diendorfer samstags in den Stuben der einzelnen Höfe getroffen; der Mehrer Lenz hat seinen Plattenspieler mitgebracht. Heute, 70 Jahre später, bringt der Kapellenverein die Leute zusammen: bei Arbeitseinsätzen und Andachten an und in der Kapelle und bei der Jahresversammlung.

Heinrich Hess ist seit Gründung an der Vorsitzende. Ab dem Herbst 1991 hat sein Verein dank Maurer-, Zimmerer- und Elektrikerkenntnissen im Dorf und dank befreundeter Handwerker die Kapelle binnen eines halben Jahres fast ausschließlich in Eigenleistung gebaut.

Ansturm auf kleines Diendorf

Einer, der dabei häufig nach dem Rechten gesehen und die Diendorfer vor allem bei der Gestaltung des Innenraums der Kapelle beraten hat, ist der damalige Stadtpfarrer Andreas Hanauer. „Ihm sind wir bis heute dankbar“, sagt Hess. Geweiht hat die Kapelle im September 1992 aber Weihbischof Wilhelm Schraml. Hess denkt gern an diese Zeit zurück: „So viele Leute wie damals hat Diendorf noch nie gesehen.“ Hunderte kamen zum Gottesdienst und zum gemütlichen Beisammensein im Anschluss. Jeder Diendorfer, der helfen konnte, packte mit an, um die Besucher zu verköstigen.

Dieser Gemeinschaftsgeist ist bis heute spürbar. Seit der Weihe teilen sich alteingesessene und inzwischen auch junge Familien die Pflege ihres Schmuckstücks, der Kapelle mit dem angrenzenden Spielplatz. Und auch zur Feier ihres Doppeljubiläums werden wieder alle im Einsatz sein, um die Besucher zu versorgen.

Das Festprogramm

  • Der Termin

    Der Kapellenverein Diendorf veranstaltet anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung vor 1000 Jahren und der Weihe der Kapelle vor 25 Jahren am Sonntag ein Kapellenfest.

  • Der Ablauf

    Nach einer Andacht um 14 Uhr, die Stadtpfarrer Stefan Wagner abhält und die die Gütenlander Veehharfen-Gruppe mitgestaltet, gibt es Kaffee, Kuchen und Gegrilltes. Bevölkerung willkommen.

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