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„Schaulaufen“ nach allen Noten

Begabte Musiker spielten für das „Jahrtausendkonzert“ des Sinfonieorchesters der Bayerischen Philharmonie in Neunburg vor.
Von Karl Stumpfi

  • Der Neunburger Christoph Greger vom Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach (Violoncello) Fotos: Karl Stumpfi
  • Probespieltermin der Bayerischen Philharmonie mit Chefdirigent Mark Mast im Musikfachraum der Staatlichen Gregor-von-Scherr-Realschule

Neunburg.Acht besonders begabte Schüler und ein Erwachsener mit Streichinstrumenten sowie vier routinierte Blechbläser aus der Region erhielten eine Einladung zum Probespiel vor Maestro Mark Mast. Zielsetzung: Aufnahme in das Profi-Orchester der Bayerischen Philharmonie beim „Jahrtausendkonzert“!

„So viele -b- habe ich noch nie auf einem Notenblatt gesehen!“ Sogar der älteste unter den insgesamt 13 Vorspielkandidaten macht keinen Hehl aus seinem Lampenfieber. Wenige Minuten, bevor es nach wochenlangem Üben ums Ganze geht, ist die Hochspannung förmlich greifbar. Noch herrscht „Studio-Atmosphäre“ im Schulhaus an der Katzdorfer Straße. Im grellen Scheinwerferlicht zeichnet ein Kamerateam des Regionalfernsehsenders OTV Interviews auf: Chefdirigent Mark Mast (Bayerische Philharmonie), geschäftsführender Vorstand Peter Wunder (Kunstverein Unverdorben) und 1. Bürgermeister Martin Birner geben Statements zum bevorstehenden Kultur-Großereignis im Stadtjubiläumsjahr 2017 ab: „Tage der Bayerischen Philharmonie“ während des 5. Neunburger Kunstherbsts!

Musikraum als „Casting-Bühne“

Im Vorraum hat KVU-Vorsitzende Beate Seifert eine Kaffee- und Kuchentafel für die Musiker und deren Begleitern arrangiert. Der Appetit hält sich zunächst in Grenzen. Es ist kurz vor 17 Uhr. Alles ist fokussiert auf ein „Schaulaufen“ nach allen Noten, wie es dergestalt in der Region nie gegeben hat. Terminlich eingereiht zwischen Wien und München sowie Freiburg und Stuttgart: Vorspielen für das große Sinfonieorchester der Bayerischen Philharmonie in Neunburg!

Einen Vorgeschmack dessen, was die Zuhörerinnen und Zuhörer am 30. September/1./2. Oktober in der Schwarzachtalhalle erwartet, vermittelte der Probepieltermin kürzlich in der Gregor-von-Scherr-Realschule. Dort war der Musikfachraum zur „Casting-Bühne“ umfunktioniert worden. Neun Streicher (Violine, Cello, Bratsche) und vier Blechbläser (Trompete, Waldhorn, Tuba) liefen auf, um Kostproben ihres Talents und spieltechnischen Könnens zu geben. Zum Vorspielen zugelassen waren die Streicher, nachdem sie von ihren Musiklehrern die Einstufung (besonders begabte) „C-Schüler“ bekommen hatten. Immerhin bewarben sich die Probanden um die Aufnahme ins Profi-Sinfonieorchester der Bayerischen Philharmonie für eine Aufführungsserie der Sinfonie Nr. 4 in Es-Dur von Anton Bruckner in der Zeit vom 1. bis 3. Oktober in Neunburg (Generalprobe und Jahrtausendkonzert) sowie in München (Abendkonzert im Prinzregententheater). Entsprechend hoch hatte Mark Mast, Intendant und Chefdirigent, die Messlatte gelegt. Vorzutragen waren Passagen aus allen vier Sätzen der „Romantischen Sinfonie“ mit höchsten spieltechnischen Ansprüchen.

Der 2. Oktober hat sich seit Eröffnung der Schwarzachtalhalle vor fünf Jahren sozusagen als Neunburger Feiertag der klassischen Musik fest etabliert. Nun ist für den Vorabend des Nationalfeiertags 2017 das so genannte Jahrtausendkonzert angekündigt. Eingebunden in die „Tage der Bayerischen Philharmonie“ im Zentrum des fünften Neunburger Kunstherbstes. Die Programm-Komponenten – eine den Wiener Philharmonikern gewidmete festliche Fanfare von Richard Strauss, W. A. Mozarts „Jupiter-Sinfonie“ und Anton Bruckners „Romantische Sinfonie“ – sind nach Masts Intention durch einen Grundgedanken miteinander verknüpft: Deren „Bläserlastigkeit“ ist ein gewollter Fingerzeig auf die bodenständige Oberpfälzer Blasmusiktradition.

Seiner vierten Sinfonie hat Anton Bruckner den Beinamen „Die Romantische“ gegeben. Bilder einer romantischen Mittelalter-Sehnsucht prägten des Komponisten eigene Deutung dieses viersätzigen Orchesterwerks mit einer Spieldauer von 65 bis 70 Minuten. Der erste Satz, meinte er, sei „ein romantisches Bild von einer mittelalterlichen Stadt.“ Doch die Musik wirkt auch ohne Kenntnis programmatischer Kommentare. So war schon die Uraufführung 1881 in Wien unter Hans Richter ein riesiger Erfolg. Die orchestrale Besetzung dieses Werks ist spätromantisch opulent. Rund 90 Musiker wirken mit: Violinen (1,2), Viola, Violoncello, Kontrabass, Flöte (1,2), Oboe (1,2), Klarinette (1,2), Horn (1-4), Trompete (1-3), Tuba und Pauken.

Hohe Anforderung

Die Blechbläser (Mitglieder der Neunburger Stadtkapelle sowie zwei Musiklehrer) erhielten mit rund vier Minuten Spielzeit, aber gleich hohen Anforderungen, das Eröffnungsstück des Jahrtausendkonzerts zur Aufgabe gestellt: „Wiener Philharmoniker Fanfare“ von Richard Strauss. Die steht deshalb selten auf dem Spielplan, weil hier die Besetzung mit sechs Trompeten, acht Hörnern, sechs Posaunen, zwei Tuben und zwei Pauken die Kapazitäten eines Orchester an die Grenzen stoßen lässt.

Sowohl der Münchner Maestro als auch die Repräsentanten des Kunstvereins Unverdorben waren drei Stunden später von dem gebotenen Niveau der Teilnehmer aus Amberg, Schwandorf, Burglengenfeld, Nabburg, Nittenau, Oberviechtach und Neunburg sehr beeindruckt. Immer wieder schnellte Masts Daumen hoch – bestimmt kein schlechtes Omen für dessen Gesamtbewertung der Vorspielauftritte! In den nächsten Tagen werden die Teilnehmer schriftlich Bescheid erhalten, ob es mit der erstrebten Berufung zum „Jahrtausendkonzert“ klappt. Mit einer Zusage wäre auch die Einladung zu den offiziellen Probenterminen in München verbunden.

Am Samstag, 30. September reist das große Orchester zum Jugendworkshop „Jahrtausendprobe“ an. Maestro Mast wird in Begleitung eines Horntrios bereits am 21. September, 19 Uhr, mit einem konzertanten interaktiven Impulsvortrag in die „Tage der Bayerischen Philharmonie“ einführen. Dazu sind alle Musikfreunde aus der Region bei freiem Eintritt in der Schwarzachtalhalle willkommen. Mast, der seit 1994 als Intendant und Chefdirigiert in München fest engagiert ist, gilt als international renommierter Orchesterleiter und Musikpädagoge. Der im Schwarzwald geborene Musiker studierte zunächst in Heidelberg, danach in Paris und München. Wichtige Impulse erhielt er von Leonard Bernstein und insbesondere durch sein Meisterklassenstudium bei Sergiu Celibidache, dem langjährigen Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker.

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Teilnehmer

  • Streichinstrumente:

    Franziska Rosemann, Vilseck (Violine), Ronja Rosemann, Vilseck (Violine), Carolin Sax, Wackersdorf (Violine), Dr. Andreas Urban, Amberg (Violine); Julia Wagner, Schwandorf (Violine); Julia Rosemann, Vilseck (Cello), Hannah von Glasow, Schwandorf (Cello), Christoph Greger, Neunburg (Cello); Nadine Graf, Schwandorf (Bratsche)

  • Blechblasinstrumente:

    Daniel Käsbauer, Seebarn-Mainz (Trompete); Andreas Lehmann, Oberviechtach (Waldhorn); Thomas Nolden, Neunburg (Tuba), Michael Süß, Neunburg (Tuba)

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